Kein Spiel geplant!

Kein Spiel geplant!
 

 Presseartikel
 Freie Presse 18.04.2012
 
Jeder hat für den anderen alles gegeben
Fabian Dahlem, Trainer der Eispiraten Crimmitschau, hat seinen Vertrag im Sahnpark verlängert und will den Stamm der Mannschaft behalten

Die Eispiraten Crimmitschau haben sich in die Sommerpause verabschiedet. In dieser Woche packen die Profis in der Stadt an der Pleiße ihre Koffer. Nach einem schwierigen Start in die Abstiegsrunde konnte das Team vorzeitig den Klassenerhalt sichern. Damit wird in der westsächsischen Kleinstadt die elfte Saison in der 2. Eishockey-Bundesliga vorbereitet. Trainer Fabian Dahlem, der seit einem knappen Jahr hinter der Bande steht, hat seinen Vertrag im Sahnpark verlängert. Holger Frenzel führte mit dem 47-jährigen Coach das folgende Gespräch.

Freie Presse: Playoffs verpasst und Klassenerhalt geschafft: Wie fällt nach der ersten Saison das Fazit in Crimmitschau aus?

Fabian Dahlem: Wir haben viele unserer Ziele erreicht. Es ist uns gelungen eine Mannschaft mit Charakter zusammenzustellen. Sie hat attraktives Eishockey geboten. Es handelt sich um ein Team, das immer an sich glaubte, nie aufgehört hat zu kämpfen und mit dem sich unsere Fans und Sponsoren identifizieren konnten. Wir hatten bis zuletzt die Chance die Playoffs zu erreichen und haben trotz der schwierigen Situation, mit dem Gang in die Abstiegsrunde das Ziel "Klassenerhalt" geschafft.

Freie Presse: Was waren die beiden schwierigsten Phasen, die Sie in dieser Saison durchmachen mussten?

Fabian Dahlem: Die Niederlagenserie im November, als die Mannschaft noch nicht homogen genug war und Spiele trotz guter Leistungen knapp verlor. Und dann die Zeit ab Mitte Januar, als wir mit einem großen Verletzungspech kämpfen mussten. Trotzdem haben wir die Ruhe bewahrt und uns auf die wesentlichen Dinge konzentriert. Unsere Fans hatten immer ein gutes Gespür für die Situation und haben uns fantastisch unterstützt.

Freie Presse: Der Sahnpark sollte zur Festung werden. In den Heimspielen gab es trotzdem 13 Niederlagen. Warum hat die Mannschaft zu Hause viele Punkte liegen gelassen?

Fabian Dahlem: Natürlich wird immer erwartet, dass wir gerade die Heimspiele gewinnen. Zudem will das Heimteam das Spiel bestimmen und dominieren. Somit ist der Druck ungleich höher als bei den Auswärtsspielen, wo man oft geduldiger und abwartender auftreten kann. Trotzdem haben wir in jedem Spiel immer alles gegeben und in fast allen Spielen eine Siegchance gehabt. Wir dürfen bei allem nicht vergessen, woher wir kommen und welch großen Schritt wir nach vorne gemacht haben.

Freie Presse: Das Powerplay war in der gesamten Saison eine Achillesferse. Warum kam das Überzahlspiel nicht in Schwung?

Fabian Dahlem: Es hat uns der ein oder andere Schlüsselspieler für solche Situationen gefehlt. Jedoch hatten wir auch einige Phasen als es recht gut funktionierte. Oft ist es auch eine Sache des Selbstvertrauens. Im Powerplay müssen wir uns zur neuen Saison klar verbessern.

Freie Presse: Sie haben die Ausländerstelle in der Abwehr an Jeff Tory vergeben. Er blieb - über die gesamte Saison betrachtet - hinter den Erwartungen zurück. War die Entscheidung ein Fehler?

Fabian Dahlem: Am Ende der Saison über Fehler in der Zusammensetzung der Mannschaft zu sprechen, wäre fehl am Platz. Das Team war eine verschworene Gemeinschaft. Sie hat hervorragend funktioniert und jeder hat für den anderen alles gegeben - das ist es, was letztendlich zählt. Ich bin stolz auf meine Männer.

Freie Presse: André Schietzold, Hannes Albrecht und Daniel Rau haben einen Leistungssprung gemacht. Warum war bei diesen Akteuren, die in der Vergangenheit in der Kritik standen, die positive Entwicklung möglich?

Fabian Dahlem: Jeder Spieler braucht Vertrauen und die größtmögliche Unterstützung. Ehrlichkeit und Fairness spielen dabei eine große Rolle. Dazu ist ruhiges, sachliches und zielorientiertes Arbeiten ein wichtiger Schlüssel. Ich pflege zu meinen Spielern ein angenehmes, auf viel Kommunikation basierendes Verhältnis.

Freie Presse: In der Vergangenheit gab es in Crimmitschau nach jeder Serie einen großen personellen Umbruch. Diesmal soll der Stamm des Teams gehalten werden. Wie sehen sie die Chancen?

Fabian Dahlem: Fakt ist, dass viele Spieler bei den Eispiraten bleiben wollen. Jetzt geht es darum, die notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, um dies zu realisieren und uns zudem gezielt zu verstärken. Ich hoffe auf die große Unterstützung unserer Sponsoren und Gönner, um den eingeschlagenen Weg weiter fortschreiten zu können.

Freie Presse: In welchen Bereichen im Team gibt es Verbesserungspotenzial?

Fabian Dahlem: Wenn man versucht, jedes Jahr besser zu werden, gibt es grundsätzlich auf einigen Positionen noch Verbesserungspotenzial. Wichtig ist aber jetzt zu versuchen, den Stamm und damit den Charakter der Mannschaft beizubehalten und dann, im Rahmen unserer Möglichkeiten das Team sinnvoll zu verstärken.

Freie Presse: Wie sieht der Stand bei den Kaderplanungen und Vertragsverhandlungen aus?

Fabian Dahlem: Ronny Bauer und ich arbeiten gemeinsam an der Zusammenstellung. Wir sind täglich damit beschäftigt. Wir vertreten die gleiche Philosophie und tauschen uns ständig aus. Es bedeutet einen großen Aufwand, zunächst Spieler zu halten und neue Akteure zu finden. Gerade der Findungs- und Entscheidungsprozess bei Neuzugängen ist sehr zeitaufwändig, um das Team optimal zu ergänzen.

Freie Presse: Torhüter Jochen Vollmer beklagt, dass er bisher kein Angebot erhalten hat. Wann bekommt er eine Offerte?

Fabian Dahlem: Wir wollen Jochen Vollmer in Crimmitschau halten. Es gab bereits einige Sondierungsgespräche. In dieser Woche schicken wir ein konkretes Vertragsangebot an seinen Berater.

Freie Presse: In dieser Woche beginnt die Sommerpause. Was haben Sie bis Mitte August geplant?

Fabian Dahlem: Beruflich bin ich auch im Sommer 24 Stunden am Tag ein Eishockeytrainer. Das heißt: Der Gedanke an den Sport beschäftigt mich immer, auch wenn ich nicht auf dem Eis stehe. Natürlich gönne ich mir auch Auszeiten. Im Mai mache ich mit meiner Familie eine Grand Canyon Tour. Im Juli geht es wieder auf der Transalp-Route mit dem Mountainbike über die Alpen.

Holger Frenzel
Eingetragen von: Torsten Kleber
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