EHC Bayreuth Tigers vs. Eispiraten Crimmitschau 3:1 (1:0,0:1,2:0) – etconline.de
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EHC Bayreuth Tigers vs. Eispiraten Crimmitschau 3:1 (1:0,0:1,2:0)

DEL 2 – Saison 2016/17
14. Spieltag am 30.10.2016

„Ich wart´ seit Wochen auf diesen Tag…“ – besser hätte es der Song der Toten Hosen nicht treffen können, denn so dürfte die rot-weiße Anhängerschaft dem Spiel zwischen den Bayreuth Tigers und den Eispiraten Crimmitschau entgegen gefiebert haben. Auch das behördlich verbotene Autokorso nach Bayreuth ließ diese Vorfreude nicht trüben, traf man sich doch rein zufällig auf dem Parkplatz des Eisstadions Crimmitschau zum gemeinschaftlichen Zuwinken bei der Abfahrt der Mannschaft.

Und dass dann rein zufällig die Fans auch noch mit dem Auto nach Bayreuth fahren müssen, weil ja zufällig keine Busse organisiert waren, fuhren halt 200 Autos rein zufällig hinter einem Busfahrer her, der den Weg nach Bayreuth wusste. Irgendwie muss man ja nach Bayreuth finden – Zufälle gibt´s…

Der Weg nach Bayreuth hatte einen Hauch von ´89 – nur diesmal eben ohne Trabis und Wartburgs, sondern mit rot-weißen Fahnen und Schals an den Autos. Auf den Brücken vor Bayreuth stand die gelb-schwarze Anhängerschaft und winkte der rot-weißen Armada zu, die dann an der Abfahrt Bayreuth-Nord – auf Grund des polizeilichen Verbots – einen nicht zu vermeidenden Stau auf der Autobahn verursachte. Und so fielen die Crimmitschauer Fans in der Wagnerstadt ein, um sich am Volksfestplatz zu treffen und ihre eigenen Festspiele zu veranstalten. Der Autoschlange folgte dann ein Fanmarsch zum Stadion, stimmgewaltig und voller Vorfreude ging es am Roten Main entlang zum Stadion – nur die Enten wirkten etwas verstört und suchten das Weite…

Im Stadion waren schnell die Ränge proppevoll und die stimmgewaltige Wand in rot-weiß übernahm das Kommando im Stadion. Gegenüber die Mainkurve macht mit, so dass es schon vor Spielbeginn laut wurde im Bayreuther Stadion. Eispiraten-Geschäftsführer Jörg Buschmann forderte mit einer Wette sein Pendant Thomas Bothstede heraus, dass Bayreuth am 23.12.2016 auch über 1.000 Fans nach Crimmitschau bringen soll.  Das Grundrezept für einen stimmungsvollen Abend stand, jetzt lag es nur noch an den Mannschaften, dem Spiel die entsprechende Würze zu geben.

Nun – die Tigers hatten offenbar verstanden, wie man ein solches Spiel angeht, denn die legten los, als gäbe es kein Morgen. Bartosch und Kolupaylo feuerten die ersten Schüsse auf Nie ab. Die Eispiraten hingegen lauerten auf Konter, aber Lee und Walsh verzogen ebenfalls.

Die Anfangsphase des Spiels gehörte zwar den Bayreuthern, aber die Eispiraten zogen den Tigers mehr und mehr den Zahn und kamen zum spielerischen Übergewicht. Bartek fand bei einem klasse Schuss in Vosvrada seinen Meister, kurz darauf traf Pohl nach schöner Einzelaktion die Querlatte des Bayreuther Gehäuses.

Die Eispiraten jetzt mit klaren Feldvorteilen, während die Tigers sich auf einfaches, schnelles Hockey konzentrierten und aus allen Lagen feuerten, auch wenn es wenig gefährlich erschien. Die optische und spielerische Überlegenheit der Eispiraten wurde durch eine diskussionswürdige Strafe gegen André Schietzold ausgebremst, der hatte die Scheibe über die Bande befördert, jedoch in Höhe der Spielerbänke, was Hauptschiedsrichter Stefan Vogl als strafwürdige Aktion wertete.

Und dass einfaches Powerplay auch funktionieren kann, zeigten die Hausherren nur Sekunden später: auf gut Glück Schuss von der blauen Linie und vorn steht einer, der das Ding abfälscht – Dingdong 1:0.

Die Eispiraten zeigten sich glücklicherweise wenig beeindruckt und setzten ihr Spiel fort, Gollenbeck und Hoeffel hätten den Ausgleich vor der Pause erzielen können, aber Vosvrada hielt die Führung zur Pause fest.

Das zweite Drittel begann ähnlich, Bayreuth mit den ersten Angriffen und sofortiger Suche nach dem Abschluss, während die Eispiraten eine optische Überlegenheit im spielerischen Bereich zeigten, aber letztlich statt des Schusses immer den besser positionierten Mann suchten, was den Tigers das Zerstören des Spiels leicht machte.

Dennoch waren im zweiten Drittel mehr Torchancen zu sehen als im ersten Durchgang und beide Goalies hatten zu tun, auf der einen Seite Nie gegen Kolupaylo und Kolozvary, auf der anderen Seite bewies Vosvrada im Gewühl vor ihm die Übersicht und nahm Pinizzotto und Keil den Puck ab. Dass man mit einfachen Mitteln zum Erfolg kommen kann, zeigten die Eispiraten in der 31. Minute, als Pyka ähnlich wie beim Bayreuther Führungstreffer endlich mal abzog, Bartek vorm Tor den Goalie entscheidend irritierte und den rot-weißen Fans endlich den langersehnten Jubel gönnte.

Doch anstatt nachzulegen, kehrte bei den Gästen plötzlich der Schlendrian ins Spiel ein, und so musste Nie mit einer Riesentat den Schuss von Pavlu entschärfen, ebenso wie kurz darauf gegen Busch und erneut Pavlu. Die Schlafwageneinlage der in der Schlussphase überforderten Eispiraten wurde glücklicherweise nicht bestraft und so ging es mit einem trotz alledem leistungsgerechten 1:1 in die Kabinen.

Nun stellte sich die Frage, welche Mannschaft das letzte Drittel gewinnen würde, Bayreuth ist in dieser Hinsicht nur wenig besser als Crimmitschau. Doch die Antwort war gleich von Anfang an auf dem Eis zu sehen: Die Punkte sollten in der Wagnerstadt bleiben. Die Tigers waren sofort wieder präsent und wirkten giftiger, Nie stand mehrfach im Brennpunkt und wartete, dass seine Vorderleute aus der Lethargie erwachen.

Und es kam noch schlimmer, Walsh musste wegen Stockcheck für zwei Minuten pausieren und letztlich zeigte Schiedsrichter Vogl eindeutig, dass er und André Schietzold keine Freunde mehr werden und schickte den Kapitän nur Sekunden später wegen eines eher unspektakulären Fouls auch noch auf die Strafbank.

Die Tigers zeigten einmal mehr ihr einfaches Spiel und im Powerplay, das den Namen auch verdient, hämmerte Goldhelm Geigenmüller den Puck in die Maschen. Wer dachte, dass jetzt der Wecker der Eispiraten geklingelt hatte, wurde enttäuscht. Die Gäste kamen nicht mehr ins Spiel und zeigten eine halloweengerechte, grausige Vorstellung auf dem Eis.

Einzig Nie im Tor der Eispiraten zeigte unter anderem gegen Kolupaylo mit einem wahren Monstersave, dass er nicht gewillt ist, das Eisstadion ohne Gegenwehr zu verlassen. Sein Gegenüber Vosvrada drohte im Eis einzufrieren, denn dessen Vorderleute fingen sämtliche Angriffsversuche der Eispiraten bereits an der Mittellinie ab. Ein mieses Foul durch Linden an Keil 45 Sekunden vor Ultimo übersah Vogl, so dass sich Kabitzky den Übeltäter griff und seinen Frust raus ließ. Da beide wegen der Schlägerei damit auf die Strafbank mussten, ging es vor Vosvrada mit 5 Eispiraten gegen 4 Bayreuther nochmal weiter, weil Nie seinen Kasten zu Gunsten eines weiteren Feldspielers räumte.

Die Eispiraten setzten sich zwar nochmal im Drittel der Hausherren fest, doch Lee übersah den besser stehenden Schietzold und schoss ins Gewühl, wo die Scheibe abprallte und David Wohlberg auf und davon zog, um mit dem Schuss ins leere Tor die Mainkurve zum Beben brachte.

Einmal mehr hatte die Mannschaft der Eispiraten enttäuscht und einmal mehr das letzte Drittel vergeigt und bewiesen, dass auch die Mannschaft auf dem Eis gern gesehene Gäste sind, wie auch die Anhängerschaft der Westsachsen, die trotz der Niederlage ihr perfektes, friedliches Bild abgaben und gemeinsam mit den Bayreuthern einmal mehr sich selbst feierten, getreu dem Motto: „Wir sch… auf den Sieg, es ist nur ein Auswärtsspiel…“,

Um es mit mit einem weiteren Zitat aus einem Song der Toten Hosen abzuschließen.

Torfolge:
1:0 (16:53) Michal Bartosch (Ivan Kolozvary, Jozef Potac) PP1 5-4
1:1 (30:22) Bernhard Keil (Danny Pyka, Martin Bartek)
2:1 (46:29) Andreas Geigenmüller (Jozef Potac, Ivan Kolozvary) PP2 5-3
3:1 (59:51) David Wohlberg (Martin Heider, Jozef Potac) ENG 5-4

Strafen:

EHC Bayreuth Tigers – 10 Minuten
07:28 – 2 Min. – David Wohlberg (Haken)
12:54 – 2 Min. – Marcus Marsall (Behinderung)
32:29 – 2 Min. – Sergej Stas (Stockhalten)
52:08 – 2 Min. – Martin Heider (Stockhalten)
59:15 – 2 Min. – Felix Linden (Übertriebene Härte)

Eispiraten Crimmitschau –  12 Minuten
12:20 – 2 Min. – Jason Pinizzotto (Beinstellen)
16:04 – 2 Min. – André Schietzold (Spielverzögerung)
35:15 – 2 Min. – Erik Gollenbeck (Unerlaubter Körperangriff)
44:57 – 2 Min. – Dominic Walsh (Stockcheck)
46:10 – 2 Min. – André Schietzold (Bandencheck)
59:15 – 2 Min. – Christoph Kabitzky (Übertriebene Härte)

Aufstellung:

EHC Bayreuth Tigers
Tor: Tomas Vosvrda (Johannes Wiedemann) – Abwehr: Marvin Neher, Jan Pavlu, Martin Heider, Felix Linden, Christopher Kasten, Jozef Potac, Sebastian Mayer – Angriff: Marcus Marsall, Fyodor Kolupaylo, Sebastian Busch, Andreas Geigenmüller, Ivan Kolozvary, Michal Bartosch, David Wohlberg, Michael Kuhn, Valentin Busch, Sergej Stas, Jens Meilleur, Patrik Rypar

Eispiraten Crimmitschau
Tor: Ryan Nie (Henning Schroth) – Abwehr: Dominic Walsh, Lukas Pozivil, André Schietzold, Ole Olleff, Philipp Halbauer, Danny Pyka, Jan Tramm – Angriff: Jason Pinizzotto, Mike Hoeffel, Erik Gollenbeck, Bernhard Keil, Mark Lee, Alexander Karachun, Ivan Ciernik, Patrick Pohl, Christoph Kabitzky, Martin Bartek

Zuschauer: 4.290

Schiedsrichter: Stefan Vogl (Thomas Kalnik, Jakub Klima)

Schüsse:

EHC Bayreuth Tigers 16  18  16 50
Eispiraten Crimmitschau 13  19  9 41