Die Eispiraten in der Einzelkritik: Die Torhüter und Verteidiger

Natürlich sollen die etconline-User auch in dieser Saison nicht auf die zuletzt immer recht beliebten Zeugnisvergaben verzichten müssen. Wir haben uns dafür diesmal die Länderspielpause als Termin ausgeguckt, auch wenn wir damit ein wenig aus dem Viertel-Saison-Rhythmus geraten sind. Bedenkt bitte trotz allem: hier urteilen Laien über Profis, nehmt also die ganze Sache nicht ernster, als sie von uns gemeint ist.

Tor

Viele Eispiratenfans sahen nach dem Weggang Ryan Nies düstere Zeiten anbrechen zwischen den Crimmitschauer Pfosten, und auch wenn

Olivier Roy

wirklich gute Referenzen mitbrachte, mahnten schon mit der Verpflichtung des Kanadiers die ersten, er sei doch sehr verletzungsanfällig und habe die letzten Spielzeiten immer seine Pausen gebraucht. Nun, nach gespielten 16 Spieltagen hat Roy noch nicht gefehlt, seine Fangquote liegt bei richtig starken 91.8 Prozent, der Gegentorschnitt bei 2.94. Eine wirklich aussagekräftige Kategorie fehlt leider in jeder Statistik: die Anerkennung der Gegner nach dem Spiel, und da wandelt Roy definitiv auf den Spuren Nies. Gewinnt man zudem reihenweise Matches, in denen die Kontrahenten auf dem Eis deutlich mehr Torschüsse abgegeben haben als das eigene Team, landet man bei der Ursachenforschung ebenfalls recht schnell zwischen den Pipes. Unser Fazit: mit Olivier Roy haben die Eispiraten einen Treffer gelandet, der Kanadier überzeugt durch gute Reflexe, erspart sich durch sein starkes Positionsspiel eine Menge hektische Bewegungen. Das sieht mitunter nicht ganz so spektakulär aus wie bei seinem Vorgänger, aber eben auch nicht so wild. Roy passt und ist die Kontingentstelle im Tor locker wert. Punktabzug in der B-Note gibt’s für den kleinen Egotrip in Bietigheim.

etconline-Note: 1,8

Das alles macht es natürlich für Backup

Clemens Ritschel

nicht unbedingt einfacher, auf seine Einsätze zu kommen. Gerade einmal zwei Teilzeiteinsätze mit zusammen 49 Minuten Eiszeit absolvierte der Görlitzer bisher, dabei machte er seine Sache ordentlich. Ein Gegentor in Bad Nauheim zum 1:6-Endstand und drei Stück beim 3:7 in Bietigheim kassierte Ritschel dabei, nachdem Olivier Roy jeweils die Faxen dicke hatte und sein Tor verließ. Die 81 Prozent Fangquote und 4.88 GT/Spiel sind insofern nicht wirklich aussagefähig. Der junge Goalie wird aber sicherlich noch seine Chancen bekommen, diese Statistiken etwas aufzupolieren.

etconline-Note: ohne Wertung

Wir verfolgen auch

Mark Arnspergers

Entwicklung, leider gab es den großen Rückschlag für den jungen Mann schon vor der Saison, als er sich im Vorbereitungsspiel Leipzig gegen Deggendorf eine schwere Meniskusverletzung zuzog. Bis dahin schien Arnsperger auf dem besten Weg, sich in Leipzig, wo er per Förderlizenz in der Oberliga aufläuft, zur Nummer Eins zu fangen. Wir wünschen gute Besserung!

etconline-Note: ohne Wertung

Abwehr

Da holten die Eispiraten vor der Saison also einen 36jährigen Slowenen aus Bad Nauheim, und man dachte so bei sich: gut, Erfahrung hat er ja, der

Ales Kranjc

, mal sehen, ob er noch laufen kann in seinem Alter. Und nach 16 Spieltagen ist man geneigt, den alten Slowenen für einen der wichtigsten Transfers der Saison zu halten. Zwischenzeitlich führte Kranjc sogar die Scorerliste aller DEL2-Defender an, mittlerweile steht bis Saisonende dort Kassels Wisniewski, aber der Eispirat mit der Nummer 87 hält sich mit seinen 12 Punkten (1+11) hartnäckig in der Spitzengruppe. Will man Kranjcs Wert für die Eispiraten weiter ermessen, schaue man auch unbedingt einmal auf die derzeitige Powerplayquote der Rot-Weissen: 21.7 Prozent, Platz 4 in der Liga, das gabs ewig nicht, und Ales Kranjc hat daran nicht unerheblichen Anteil. Ist er doch der von jedem Team gesuchte Quarterback an der blauen Linie, der mit viel Übersicht die Pucks verteilt. Aber auch defensiv reicht es derzeit noch locker für die Liga, mit +1 steht der Slowene ganz gut da, zudem nimmt er kaum Strafen (4 Minuten in der bisherigen Saison). Top-Einkauf!

etconline-Note: 1,6

Es gibt so Situationen, da denkt man,

Elia Ostwald

braucht definitiv mehr als die 60 Meter Stadionlänge, um auf Touren zu kommen. Der ostsächsische Lulatsch sieht immer etwas behäbig aus mit seinen glatt zwei Metern Körpergröße. Trotz dieses Rahmens ist er auch nicht das Checkmonster in den rot-weissen Reihen, das zeigen auch seine gerade einmal 6 Strafminuten bislang. Es wirkt alles etwas unspektakulär und manchmal sogar bieder, was Ostwald aufs Eis bringt. Und dennoch: die Spieleröffnung läuft oft über ihn. Schaut man sich die Plus/Minus-Statistik an, reibt man sich gar die Augen: der Mann ist drittbester Verteidiger der Liga mit seinen +8. Auch der Offensiv-Output mit einem Tor und sechs Vorlagen hört sich gut an. Haben wir uns also auch von den 200 Zentimetern foppen lassen und den Wert des Bad Muskauers als Stabilitätsfaktor in der Eispiratendefensive und als Antreiber der eigenen Angriffsmaschine von hinten heraus unterschätzt. Soll nicht mehr vorkommen!

etconline-Note: 2,6

Kommen wir zum Käptn:

André Schietzold

hatte einen alles andere als einfachen Saisonstart. Eine Handverletzung setzte den gebürtigen Werdauer für die komplette Vorbereitung und die ersten sieben Saisonspiele ausser Gefecht. Seitdem tut der Piratenkapitän wieder mit und konnte in neun Spielen zwei Treffer erzielen und einmal auflegen. Besonders der Treffer zum 2:2-Ausgleich gegen Dresden im ersten Spiel nach der Verletzung war natürlich ein Highlight. Ansonsten hält sich Schietzold offensiv noch etwas zurück, bedenkt man einmal das Potential des Mannes in des Gegners Zone und vor allem an der blauen Linie. Andererseits scheinen auch die Harakiri-Aktionen im eigenen Drittel der Vergangenheit anzugehören, und die fehlen sicherlich den wenigsten. Eine +1 in der Plus/Minus-Statistik zeigt das auch auf. Bislang erst mit zwei Strafminuten, auch da gab es andere Zeiten mit, sagen wir einmal: nicht immer nötigen Hinausstellungen. Fazit: defensiv stabiler als in der letztjährigen Katastrophensaison, offensiv hätten wir gerne noch das eine oder andere Knallbonbon von der blauen Linie mehr.

etconline-Note: 2,2

Auch

Will Weber

hat das Verletzungspech ereilt. Seit nunmehr zehn Spielen muss der Deutsch-Amerikaner mit einer Leistenverletzung pausieren. Was angesichts seiner bis dahin gezeigten Leistungen richtig schade ist. Defensiv ist Weber eine Bank, dazu ein richtig guter Schlittschuhläufer für seine Größe. Mit +2 in den absolvierten Partien hat das Kraftpaket auch eine gute Plus/Minus-Wertung. Den Check der Saison setzte der Amerikaner schon mal recht früh in der Saison, im Heimspiel gegen Ravensburg. Da hätte man nicht Pompei heißen wollen in dieser Situation. In sechs Spielen traf Weber einmal und legte zweimal auf. Der eine erzielte Treffer hatte es dafür wirklich in sich: im Derby in Weisswasser verarschte der 1.93-Meter-Mann die ganze Lausitz und traf zum Sieg in der Verlängerung. Einzig an einer Sache muss Weber arbeiten: 18 Strafminuten in sechs Spielen sind ein wenig viel, da muss er sich an die Regelauslegung der Herren Fischer, Hascher oder Aumüller noch gewöhnen. Wir erhoffen uns trotzdem eine baldige Rückkehr aufs Eis.

etconline-Note: 1,8

Philipp Halbauer

kam ein wenig schwer in die Saison. Zu oft passierten dem Youngster einfache Fehler, manchmal hatte man den Eindruck, der gebürtige Geraer überinterpretiere seine Rolle als die eines Offensivverteidigers, sein Bemühen, schnell eigene Angriffe einzuleiten, endete relativ häufig in Kontersituationen für den Gegner. Vielleicht sein Glück, dass in dieser Phase Verteidigungs-Stammpersonal verletzungsbedingt nicht mittun konnte, denn die resultierende Spielpraxis tat Halbauer gut. In den letzten Spielen vor der Länderspielpause wirkte das nämlich vor allem defensiv wesentlich gefestigter. Zwei Vorlagen sprangen trotzdem noch heraus. Halbauer ist ein Typ, der ohne Angst agiert und für seine Kollegen einsteht, ob der Gegner einen Kopf größer ist als er, interessiert den Youngster nicht. Bisher mit zehn Strafminuten, die waren allerdings nicht alle nötig. Bedenklich sind auf jeden Fall die -8, damit ist kein Blumentopf zu gewinnen. Halbauer muss nun den nächsten Schritt machen und seine zuletzt ordentlichen Leistungen mit Konstanz adeln. Derzeit, Will Webers Rückkehr vorausgesetzt, Nummer 7 in der Defense.

etconline-Note: 3,5

Danny Pyka

ist so ein Spieler, dessen Wert einem erst wirklich auffällt, wenn er denn mal fehlt, wie zum Beispiel bei der bislang höchsten Saisonniederlage in Bietigheim. Unspektakulär bis zum Abwinken gibt der Berliner in aller Ruhe die graue Abwehrmaus und erledigt seinen Job zuverlässig ziemlich fehlerarm. Pyka ist mit seinen 33 Jahren nicht mehr der Schnellste und auch nicht der Typ dafür, Gegner unangespitzt Richtung Kühlanlage zu rammen. Aber er weiß, was er zu tun hat, und wie Defensive funktioniert. Er könnte wahrscheinlich auch ein Wiesel an der Bande festmachen, natürlich ohne es zu verletzen. Nach vorne wird Pyka in seiner Karriere wahrscheinlich nicht mehr explodieren, auch in dieser Spielzeit stehen bisher nur zwei Assists zu Buche. In der Plus/Minus-Wertung steht eine -1. Sechs Strafminuten hat der Verteidiger zudem gesammelt, aber selbst hier gilt: wahrscheinlich auch die noch mit Bedacht, ein Pyka weiß, wann er lieber mal einen Gegner foulen sollte, um was Schlimmes zu vermeiden.

etconline-Note: 2,9

Der nächste Berliner in der Abwehr ist

Ole Olleff

Mit seinen 21 Jahren macht der mit Gardemaßen ausgestattete Verteidiger mitunter nicht den Eindruck, erst seit letztem Jahr Zweitligahockey zu spielen. Analog zu Philipp Halbauer gilt auch bei ihm: die zwischenzeitliche „Defenderschwemme“ der Eispiraten, als teilweise nur vier oder fünf Abwehrspieler zur Verfügung standen, brachte ihm eine Menge Eiszeit ein. Olleff konnte das durchaus nutzen, bei ihm fällt der Vergleich zum letzten Jahr halt nicht so arg kontrastreich aus, weil er als einer der Wenigen auch 2016/17 gefallen konnte. Er kann an der Bande durchaus mal einen gucken lassen, davon durften sich schon einige Gegner überzeugen, dass es da ordentlich kracht. Nach vorne überschaubare Bemühungen, bei 0T+1A steht aber eine sehr ordentliche +5 in der Statistik. Olleff sammelte bisher acht Strafminuten. Vielleicht ein paar mehr Impulse nach vorne könnten wir uns vorstellen, ansonsten eine weiterhin sehr ordentliche Entwicklung.

etconline-Note: 2,4

Mit

Viktor Braun

steht noch ein weiterer ganz junger Mann in der Crimmitschauer Defense-Kaderliste, aber wahrscheinlich wird in dieser Saison noch kein Zweitligaeinsatz des Chemnitzers stattfinden. In seiner Heimatstadt spielt der Junge in der DNL2, wo er aber mit zehn Toren und zwölf Assists in 15 Spielen ganz schön rockt.

etconline-Note: ohne Wertung

By | 2017-11-11T14:53:04+00:00 November 11th, 2017|Allgemein, Eispiraten-News|0 Kommentare