Die Festspiele für die Eispiraten-Fans gehen weiter! Nach einer Hauptrunde mit wenigen Tiefpunkten, aber umso mehr emotionalen, mitreißenden und euphorischen Momenten steht nun das Duell mit den Dresdner Eislöwen auf dem Programm. Die Saison 2015/16 ist rein vom sportlichen Abschneiden her ohnehin die erfolgreichste seit 2007/08, doch das Team von Chris Lee steht dermaßen unter Spannung, dass in den Pre-Playoffs noch längst nicht Schluss sein soll. Damit die fünfte Jahreszeit in Crimmitschau noch weitergeht, ist die Hürde Dresden zu überspringen.
[box type=“info“ align=““ class=““ width=““]DEL 2 Saison 2015/16 – Pre-Playoffs
Alle Spiele werden LIVE auf SpradeTV übertragen!
Spiel 1: Dresden vs. Crimmitschau – 04.03.2016 – 19.30 Uhr
Spiel 2: Crimmitschau vs. Dresden – 06.03.2016 – 17.00 Uhr
Spiel 3 (falls erforderlich): Dresden vs. Crimmitschau – 08.03.2016 – 19.30 Uhr
Schiedsrichter: Elvis Melia, Andre Schrader (Florian Fauerbach, Robert Ruhnau) – Spiel 1
Lasse Kopitz, Nicole Hertrich (Daniel Ratz, Gergor Sochiera) – Spiel 2
(Für Spiel 3 wird die Ansetzung erst bei Bedarf festgelegt)
Die bisherigen Spiele in dieser Saison:
46.Spieltag, 12.02.2016 – Dresdner Eislöwen vs. Eispiraten Crimmitschau 3:4
32.Spieltag, 30.12.2015 – Dresdner Eislöwen vs. Eispiraten Crimmitschau 2:4
23.Spieltag, 04.12.2015 – Eispiraten Crimmitschau vs. Dresdner Eislöwen 6:2
08.Spieltag, 04.10.2015 – Eispiraten Crimmitschau vs. Dresdner Eislöwen 2:5[/box]
Diese Hürde ist aber zweifelsfrei eine richtig hohe! Die Eispiraten konnten die Cracks aus Elbflorenz zwar in dieser Saison dreimal besiegen, dabei sogar beide Spiele in der EnergieVerbund-Arena gewinnen, doch das wird ab sofort Makulatur sein – die Ergebnisse der Hauptrunde zählen nicht mehr.
Worauf es bei den Eislöwen zu achten gilt und wie die beiden Teams zueinander stehen, beleuchten wir nun im großen Vergleich.
Saison/Form:
Die Eislöwen beendeten die Hauptrunde mit 86 Punkten, sammelten also genau 20 Punkte mehr als die Crimmitschauer. Mit 193 geschossenen (Platz 5) und 164 kassierten Toren (Platz 6) schnitten die Blau-Weißen toremäßig besser ab als ihr schlussendlicher Tabellenplatz 7. Crimmitschau hingegen kommt „nur“ auf 158 eigene (Platz 9) und satte 188 gegnerische (Platz 12) Treffer. Der Unterschied zwischen dem Tabellensiebten und -zehnten ist also da schon deutlich sichtbar. Interessanter ist jedoch der Blick auf die jüngsten Auftritte beider Teams. Im letzten Saisonviertel, also den letzten 13 Partien, gingen die Eislöwen neunmal als Sieger vom Eis – Erfolgsquote 69%. Die Eispiraten brachten es im gleichen Zeitraum auf immerhin 6 Erfolge (Erfolgsquote 46%) , wobei man die letzten beiden Spiele gegen Ravensburg und Freiburg eigentlich streichen sollte. Das letzte Saisondrittel war es nämlich, das den Eispiraten überhaupt erst den Einzug in die Pre-Playoffs ebnete, schließlich fuhren die Eispiraten in 6 Spielen in Folge Punkte ein, feierten dabei 5 Siege mit dem krönenenden in Kassel. Sowohl Dresden als auch Crimmitschau haben also im Schlussviertel der Hauptrunde kräftig zugelegt und befinden sich aktuell beide in guter Form.
Trainer:
Auf den Trainerbänken prallen zwei Welten aufeinander! Auf Crimmitschauer Seite steht Chris Lee, der in stets ruhiger und sachlicher Manier sein Team anleitet und auf Pressekonferenzen schon fast schüchtern auftritt. Was er bislang in Crimmitschau geformt hat, verdient aber allergrößten Respekt und wird in der kommenden Saison – Lee hat bereits einen Vertrag in der Tasche – hoffentlich erfolgreich fortgesetzt. Bei den Dresdnern hingegen ist ein eher exzentrischer Choleriker namens Bill Stewart am Werk. Stewart gelingt während des Spiels regelmäßig das Kunststück, in einem Satz mit zehn Worten zehnmal „fuck“ unterzubringen. Auch vor unlauteren Mitteln schreckt der Egozentriker nicht zurück. So lieferte er sich 2001 in Diensten der Adler Mannheim eine Prügelei mit Wolfsburgs Pavel Gross auf der Trainerbank oder täuschte wenig später in den Playoffs gegen München einen Schwächeanfall vor, damit sein Topspieler Jan Alston in der Unterbrechung seine frisch geschliffenen Schlittschuhe einfahren konnte. Und während seiner Zeit als Juniorencoach in Kanada ließ er auch schon mal einen ukrainischen Spieler ohne Papiere im Kofferraum des Teambusses über die Grenze schmuggeln. Der Typ ist also mit allen – wirklich allen – Wassern gewaschen, was im Do-or-Die der Playoffs natürlich das Zünglein an der Waage sein kann. Außerdem verfügt Stewart über wesentlich mehr Erfahrung als Chris Lee, vor allem durch seine 9 Spielzeiten, die er für Hamburg, Krefeld, Köln und Mannheim in der DEL verbrachte. Im konkreten Fall Dresden ist der positive Einfluss Stewarts auch messbar, denn unter ihm erreichten die Eislöwen in 20 Spielen durchschnittlich 1,95 Punkte, unter Vorgänger Popiesch waren es nur 1,47 in 32 Partien.
Special Teams:
In den Playoffs wird gewohntermaßen noch intensiver und härter gespielt, Blessuren und blaue Flecken inclusive. Lassen die Schiedsrichter dies zu, so könnte das Über- und Unterzahlspiel für die Eispiraten noch machbar sein. Wird es aber vermehrt zu Strafen kommen, so könnte dies das Pendel zugunsten der Eislöwen ausschlagen lassen, denn sowohl im Powerplay als auch im Penaltykilling erzielten die Dresdner in der Hauptrunde bessere Werte als Crimmitschau. Die Eislöwen bekamen zwar die drittwenigsten Powerplays der Liga (213) zugesprochen, nutzten dabei aber satte 23% aus, was gleichzeitig den zweitbesten Wert der gesamten DEL 2 bedeutet. Die Eispiraten hingegen finden sich hier mit 18,5% hingegen nur im Mittelfeld auf Platz 8 wieder, wobei es im Sahnpark zugegebenermaßen auch schon schlimmere Werte gegeben hat… In Sachen Unterzahlspiel liegen beide Teams nicht mehr ganz so deutlich auseinander. Dresdens Platz 5 (82,5%) steht Crimmitschaus Platz 9 (81,4%) gegenüber. Bei den Shorthandern (Eispiraten 5, Dresden 4) und den Gegentoren in Überzahl (Eispiraten 8, Dresden 7) nehmen sich die beiden Mannschaften nicht viel.
Torhüter:
Das Abschneiden der Eispiraten ist eng mit Ryan Nie verbunden, denn der Eispiraten-Goalie hatte mit starken Leistungen nicht selten einen enormen Anteil an den Crimmitschauer Erfolgen. Seine Hallodri-Aktionen hinter und neben dem Tor pushen zwar noch immer den Wuchs von grauen Haaren und wenn er einmal einen schlechten Tag hat, dann bleibt der Tag auch schlecht, aber Ryan hat sich definitiv in den Kreis der besten Goalies der Liga „gehalten“. Sein Gegenüber wird in den Pre-Playoffs sehr wahrscheinlich Brett Jaeger sein, nachdem in der Hauptrunde häufiger auch Marvin Cüpper von Förderlizenzpartner Berlin zum Einsatz kam. In der Meisterrunde wird die Spielpraxis für den jungen Goalie aber hinten anstehen müssen und der erfahrene Jaeger, der mit Bremerhaven bereits die Meisterschaft erringen konnte, dürfte den Vorzug erhalten.
Abwehr:
Beide Teams haben in der Defensive eine interessante Mischung aus Offensivpower, Erfahrung und Abwehrstärke aufzubieten. Bei den Eislöwen ist es vor allem Petr Macholda (49 Sp, 13+17), der standesgemäß hervorsticht und vor allem mit seinen gefürchteten Schlagschüssen auf sich aufmerksam macht, 8 mal traf er damit auch im Powerplay. Seine bislang beste Saison spielt auch Mirko Sacher (52 Sp, 12+15), der mit Abstand den besten +/- Wert (+25) in seiner Mannschaft erzielen konnte und nicht nur defensiv, sondern auch im Spiel nach vorne immer wieder dabei ist. Die Erfahrung von René Kramer (45 Sp, 4+21), Patrick Baum (48 Sp, 6+8) und Tomas Schmidt (48 Sp, 4+12) ist ebenso ein wichtiger Faktor, dass die Eislöwen-Abwehr zumeist klärend eingreift. Mit Kai Wissmann (25 Sp, 2+5) und Sebastian Zauner (52 Sp, 1+6) hat Coach Stewart schließlich noch zwei junge Spieler mit Potential in der Hinterhand. Bei den Eispiraten sind es das Macholda-Pendat André Schietzold, Ty Wishart, Danny Pyka und inzwischen auch Jan Tramm, die die Fäden in der Hand halten. Dominic Walsh kann trotz seiner einem Offensiv-Verteidiger würdigen Scorerbilanz in der Abwehr nicht wirklich überzeugen, was -23 in der +/- Abrechnung belegen. Hier liegt also eine kleine Schwachstelle bei den Eispiraten, in die auch Philipp Halbauer hineingehört, der zwar insgesamt eine super erste Profisaison spielte, aber eben doch auch noch vermeidbare Fehler produzierte, die einem jungen Spieler eben passieren. Die Rückkehr von Jakub Körner könnte den Eispiraten vielleicht noch ein paar Prozent schenken.
Angriff:
Was wurde vor der Saison vom Sturm der Eislöwen geschwärmt. Das 2013/14er Topscorerduo der Liga an der Elbe wieder vereint. Die Rede ist von Harisson Reed und Max Campbell. Ersterer ist zwar teamintern wie erwartet Topscorer geworden, aber die Bilanz von 23 Toren und 29 Vorlagen in 52 Einsätzen ist von seiner Crimmitschauer Zeit weit entfernt. Dies ist aber kein Zeichen von Schwäche des Kanadiers, sondern eher deutet es darauf hin, dass es im Angriff der Dresdner etwas ausgeglichener zugeht als in der Crimmitschauer Vergangenheit. Da sind nämlich noch der bereits erwähnte Max Campbell (CAN, 49 Sp, 19+26) sowie Marc Cullen (US, 41 Sp, 13+33) und David Rodman (SVN, 49 Sp, 16+27), die für viel Gefahr vor dem gegnerischen Kasten sorgen. Seit dem Transferschluss in der DEL 2 mischt auch noch der Finne Teemu Rinkinen (12 Sp, 2+6), Ex-Kollege von Olli Julkunen, kräftig mit. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten rief er zuletzt häufiger sein Scoringpotenzial ab und verdrängte Campbell auf die Tribüne. Bill Stewart hat also bei 5 Kontingentstürmern die Qual der Wahl. Neben den ausländischen Cracks sind es aber vor allem auch die deutschen Spieler, die Dresden zu einem hohen Level verhelfen. Arturs Kruminsch (51 Sp, 5+29), Feodor Boiarchinov (44 Sp, 13+17), Marius Garten (51 Sp, 12+17) und Steven Rupprich (45 Sp, 8+14) haben sich in der Liga längst einen Namen gemacht und sind Leistungsträger durch und durch. Wie auch Weltenbummler Jeff Swesz (25 Sp, 6+10) und Michael Endraß (16 Sp, 3+1), die beide schon etliche DEL-Spiele auf dem Buckel haben und als Nachverpflichtungen dem Kader noch mehr Tiefe verleihen. Auch die jungen Vladislav Filin (46 Sp, 11+17) und Dominik Grafenthin (50 Sp, 14+5) haben sich in den Vordergrund spielen können. Insgesamt haben 8 Eislöwen-Stürmer mehr als 10 Tore erzielt. Bei den Eispiraten sind es mit Lampe, Höller, Tripp und Bucheli nur deren 4 (dazu noch Foy und Keil, aber die sind ja beide verletzt), so dass man den Landeshauptstädtren eindeutig mehr Kadertiefe attestieren muss. Dass dies aber nicht zwingend ein Nachteil für die Westsachsen sein muss, haben etliche Spiele in der bisherigen Saison gezeigt, die die Eispiraten mit einem Minkader erfolgreich absolvierten. Mit Pohl-Lampe-Julkunen und Bucheli-Höller-Tripp haben sich zudem zwei starke Reihen gefunden, die schon über einen längeren Zeitraum unverändert sind und in denen es zu passen scheint. Vor allem wird es ein großer Vorteil der Eispiraten gegenüber den vergangenen Jahren sein, dass mit Lampe, Tripp, Höller und Julkunen sehr erfahrene Spieler und absolute Leader dabei sein. Playoff-Lampenfieber wird es bei ihnen jedenfalls nicht geben. Diese beiden Formationen brauchen sich vor den Dresdner Linien keinesfalls verstecken. Zünglein an der Waage könnte die dritte Reihe um Bruce Becker, Valerij Guts und Christoph Kabitzky sein, die Offensiv wahrscheinlich kaum auffallen dürfte, dabei aber umso stärker auf Torverhinderung spielen muss.
Fazit:
Alle Zahlen- und Statistikspielereien sind natürlich genauso Makulatur wie die zurückliegende Hauptrunde und wie auch die vier bisherigen Duelle beider Clubs in dieser Saison. Dreimal gingen die Eispiraten dabei als Sieger vom Eis, worauf sich die Pleißestädter freilich nichts einbilden sollten. Zumindest aber kann Rot-Weiß daraus den notwendgen Mut ziehen, dass man die Eislöwen knacken kann. Unter dem Strich hat der Kader der Blau-Weißen sicherlich mehr Quantität und auch einen Schuss mehr Qualität zu bieten und geht daher leicht favorisiert in die best-of-three Serie, doch im Rot-Weißen Trikot steht die charakterstärkste und motivierteste Truppe der letzten Jahre auf dem Eis. Tripp & Co. werden keinen Zentimeter Eis freiwillig den Dresdnern überlassen, das steht fest. Die fünfte Jahreszeit beginnt – und wir freuen uns drauf!