DEL2 – Saison 2026/27 – 10. Spieltag am 18.10.2026
Schiedsrichter: Markus Schütz, Aleksander Polaczek (Lara Fischer, Tobias Egger)


Eine lange Busfahrt nach Oberschwaben stand für die Eispiraten an, um mit breiter Brust angesichts eines sonnigen Tabellenplatzes in Ravensburg anzutreten, doch auch mit Blick auf die derzeitigen Verletzungssorgen und dem noch nicht in Fahrt gekommenen Gegner nicht den Blick auf die Realität zu verlieren: Ravensburg wurde trotzdem als Favorit angesehen. Doch mit Kampfgeist und Comeback-Mentalität wurde die Form der Westsachsen nochmal untermauert, wenngleich es nicht zum Sieg gereicht hat…

Spiel auf Augenhöhe

Die Eispiraten fanden ordentlich in die Partie, das Team von Jussi Tuores erspielte sich früh gute Möglichkeiten und ließ von den sogenannten „Busbeinen“ nichts spüren. Louis Brune scheiterte aus spitzem Winkel an Ravensburgs Torhüter Ilya Sharipov, auch Adam McCormick hatte die Führung auf dem Schläger, setzte seinen Abschluss aber knapp vorbei. Mit zunehmender Spielzeit kamen die Towerstars besser ins Spiel und setzten Pascal Seidel, der zu seinem zweiten Saisoneinsatz zwischen den Pfosten stand, zunehmend unter Druck. Die etatmäßige Nummer 2 zeigte sich aufmerksam und konnte zunächst mehrere Abschlüsse entschärfen, war aber in der 17. Minute machtlos. Mark Rassell zog vor das Tor und brachte die Gastgeber mit einem Rückhandschuss mit 1:0 in Führung. Kurz vor Drittelende ein Rückschlag zu einem ungünstigen Zeitpunkt, doch die Westsachsen bewiesen sofort, dass sie sich nicht so leicht abschütteln lassen wollten. Nur 40 Sekunden später zog Adam McCormick von der blauen Linie ab, die Scheibe fand ihren Weg durch Freund und Feind hindurch und schlug zum 1:1 ein. Der Spielstand spiegelte damit auch das komplette erste Drittel vom Spielverlauf her.

Fünf Minuten zum Vergessen

Auch nach der Pause schienen die Eispiraten zunächst gut dabei zu sein, Collin Adams kam nach einem Breakaway zur Chance auf die Führung, scheiterte aber an Sharipov, kurz danach landete die Scheibe am geschlagenen Sharipov vorbei nur am Pfosten, auch hier war der Absender Collin Adams. Trotz der anfänglichen Überlegenheit der Eispiraten kippte die Partie anschließend innerhalb weniger Minuten komplett. In der 25. Minute nutzte Anselm Gerg eine Abstimmungsschwäche in der Crimmitschauer Defensive und traf aus zentraler Position zum 2:1 für Ravensburg. Nur knapp zwei Minuten später fälschte Nick Latta mit unglaublichen Scheibenglück einen Schuss von Denis Pfaffengut unhaltbar zum 3:1 ab. Und als wäre das nicht schon bitter genug, legten die Gastgeber nur 85 Sekunden nach, Fabio Sarto lenkte den nächsten Abschluss wieder mit viel Scheibenglück entscheidend ins Tor und erhöhte in der 28. Minute auf 4:1. Innerhalbfünf Minuten  hatten sich die Eispiraten damit eine richtig schwere Hypothek eingehandelt, das zuvor ausgeglichene Spiel war den Westsachsen entglitten. Doch die Eispiraten fingen sich danach wieder und ausgerechnet in eigener Unterzahl setzten die Rot-Weissen ein Lebenszeichen. Goldhelm Louis Brune behauptete die Scheibe, wurde abgedrängt, die Scheibe blieb liegen und Emil Quaas hatte freie Bahn, zog entschlossen ab und setzte den Puck unter die Querlatte. Plötzlich war wieder ein wenig Hoffnung da, Crimmitschau wurde wieder stärker und kam kurz vor der zweiten Pause durch Tim Lutz zu einer weiteren guten Möglichkeit, die Sharipov verhinderte. So ging es mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabine.

McCormick und Quaas lassen die Hoffnung zurückkehren

Wer nach dem zweiten Drittel bereits mit einer Niederlage gerechnet hatte, sollte im Schlussabschnitt erleben, was im Eishockey möglich ist, wenn eine Mannschaft nicht aufgibt. Die Eispiraten kamen wieder mit deutlich mehr Spirit aus der Kabine und machten klar, dass sie hier noch lange nicht fertig waren. Zunächst sorgte Tim Lutz zweimal für Gefahr, doch er vergab zuerst eine gute Möglichkeit aus kurzer Distanz und traf wenig später nur die Querlatte. Doch Crimmitschau blieb dran und belohnte sich in der 44. Minute, erneut war es Adam McCormick, der Verteidiger zog aus dem Hinterhalt ab und traf mit seinem zweiten Tor des Abends zum Anschluss. Jetzt war plötzlich wieder richtig Feuer in der Partie! Die Eispiraten agierten griffiger, setzten konsequenter nach und zwangen Ravensburg zunehmend in die Defensive, was die Hausherren kurioserweise zuließen. Adam McCormick versuchte es unter anderem mit einem Bauerntrick, auch Jarno Kärki und Logan Will kamen zu Möglichkeiten. Doch Sharipov hielt zunächst dagegen und bewahrte die Gastgeber vor dem Ausgleich. Doch mit jedem Angriff wuchs die Hoffnung, dass in Oberschwaben noch etwas gehen könnte, während Ravensburg immer mehr den Faden verlor und versuchte, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Pascal Seidel winkte in der 58. Minute bereits, um eventuell zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis zu gehen, da kam Emil Quaas punktgenau an der blauen Linie an die Scheibe und zog ab. Sein Schuss schlug über die Schulter von Sharipov im Tor zum Ausgleich ein. Proteste der Ravensburger Fans und Mannschaft über eine angebliche Abseitsposition ließ der Schiedsrichter zurecht nicht zu, die Scheibe war gerade noch auf der blauen Linie. Der zweite Doppelpack eines Crimmitschauer Verteidigers an diesem Abend war perfekt, und die Aufholjagd nach dem zwischenzeitlichen 1:4-Rückstand tatsächlich vollendet, mit der sich die Westsachsen mindestens einen Punkt sicherten.

Eine unnötige Strafe entscheidet den Krimi

Nach dieser Aufholjagd war die Hoffnung groß, dass die Eispiraten den Abend sogar mit zwei Punkten krönen könnten. Doch die Verlängerung nahm eine bittere Wendung. In der 62. Minute kam es an der blauen Linie zum folgenschweren Kniecheck von Jarno Kärki gegen Tufto, der anschließend in die Bande prallte und nach einer ersten Untersuchung in der Arena zur weiteren Versorgung ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Schiedsrichter verhängten eine Fünf-Minuten-Strafe samt Spieldauerdisziplinarstrafe gegen den Crimmitschauer Angreifer. Ein bitteres Geschmäckle am Rande, denn es landete wenige Sekunden zuvor ungeahndet ein Ravenburger Schläger im Gesicht von Louis Brune, was eine klare Strafe gegen die Hausherren bedeutet hätte und dieses von Jarno Kärki sicherlich ungewollte Foul nicht passiert wäre. Hätte, wäre, wenn… für die Eispiraten bedeutete die Entscheidung eine äußerst schwierige Situation: Sie mussten in Unterzahl weiterspielen und konnten die Angriffe der Towerstars kaum erwehren, Ravensburg ließ die Scheibe geduldig laufen und nutzte die Überzahl schließlich aus, Mark Rassell erzielte in der 62. Minute seinen zweiten Treffer des Abends und besiegelte damit den 5:4-Sieg der Towerstars.


1:0 (16:37) Mark Rassell (Robbie Czarnik)
1:1 (17:17) Adam McCormick (Logan Will, Louis Brune)
2:1 (24:32) Anselm Gerg (Matej Mrazek, Fabio Sarto)
3:1 (26:19) Nickolas Latta (Denis Pfaffengut, Simon Sezemsky)
4:1 (27:44) Fabio Sarto (Anselm Gerg)
4:2 (32:40) Emil Quaas (Louis Brune, Jarno Kärki) – SH 1 4-5
4:3 (43:19) Adam McCormick (Noah Garthe, Tim Lutz)
4:4 (57:56) Emil Quaas
5:4 (61:53) Mark Rassell (Robbie Czarnik, Simon Sezemsky) – PP 1


Ravensburg Towerstars – 2 Minuten
09:57 – 2 Min. – Ilya Sharipov (Beinstellen)

Eispiraten Crimmitschau – 29 Minuten
31:27 – 2 Min. – Felix Thomas (Beinstellen)
33:28 – 2 Min. – Mirko Sacher (Beinstellen)
61:10 – 5 Min. – Jarno Kärki (Knie-Check, Große Strafe)
61:10 – 20 Min. – Jarno Kärki (Knie-Check, Spieldauerdisziplinarstrafe)


Ravensburg Towerstars
Tor: Ilya Sharipov (Konrad Fiedler) – Abwehr: Denis Pfaffengut, Simon Sezemsky, Philipp Mass, Simon Schütz, Maximilian Merkl, Ryan Odude – Angriff: Matej Mrazek, Anselm Gerg, Fabio Sarto, Mark Rassell, Odeen Peter Tufto, Robbie Czarnik, Matthew Struthers, Matt Fonteyne, Nickolas Latta, Louis Latta, Thomas Reichel, Nikita Kessler

Eispiraten Crimmitschau
Tor: Pascal Seidel (Kevin Reich) – Abwehr: Adam McCormick, Mirko Sacher, Stanislav Dietz, Emil Quaas, Finn Fuchs, Felix Thomas – Angriff: Logan Will, Jarno Kärki, Louis Brune, Collin Adams, Tim Lutz, Noah Garthe, Sebastian Streu, Johannes Schmid, Leon Neiger, Nikolas Biggins, Lars Hamori


2.460


Überzahl: 00.00% (1 Überzahlsituation / 0 Tore)
Unterzahl: 66.67% (3 Unterzahlsituationen / 1 Gegentor)


34 : 34 (9:8, 18:8, 6:18, 1:0)