Die Sommerpause neigt sich dem Ende entgegen und die DEL2-Teams blicken voller Vorfreude auf die neue Saison. Hinter den Kulissen wurde in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet: Kader wurden verändert, neue Spieler verpflichtet und die Weichen für die Spielzeit 2026/27 gestellt. Doch welche Mannschaften haben sich am besten verstärkt? Welche Neuzugänge könnten zu den Überraschungen werden? Und wer zählt zum Favoritenkreis?

Beim Marktfest am Wochenende wird die neue Mannschaft der Eispiraten den Fans offiziell vorgestellt – für viele Anhänger der erste große Moment, die neuen Gesichter im Trikot der Eispiraten zu erleben. Möglicherweise hält der Verein dabei sogar noch eine Überraschung bereit. Hinter den Kulissen wird weiterhin am Kader gearbeitet, sodass eine weitere Verpflichtung nicht ausgeschlossen ist.

In den kommenden Tagen werfen wir einen Blick auf alle Teams der Liga, analysieren die Kader, stellen interessante Neuzugänge und mögliche Geheimtipps vor und wagen eine erste Prognose für die Saison 2026/27...

Regensburg – Geheimfavorit in Lauerstellung

Noch nicht lange ist es her, dass der Klub nach dem Aufstieg aus der Oberliga sensationell die DEL2-Meisterschaft feiern konnte. Dieser Erfolg war kein Zufall: Regensburg überzeugte mit einer klaren Spielidee, einer außergewöhnlichen Heimstärke und einer Mannschaft, die als echtes Kollektiv funktionierte. Die vergangenen Spielzeiten haben allerdings gezeigt, dass der Schritt vom Überraschungsteam zum etablierten Spitzenteam schwierig ist. Die Konkurrenz schläft nicht, und die Erwartungen an die Eisbären sind inzwischen deutlich gestiegen.

Für die Saison 2026/27 wurde der Kader deshalb gezielt angepasst. Die Verantwortlichen setzen weiterhin auf eine Mischung aus erfahrenen Führungsspielern, bewährten DEL2-Kräften und jungen Talenten aus dem eigenen Umfeld.

Der wohl wichtigste Baustein der neuen Saison steht zwischen den Pfosten. Nach dem Abgang von Jonas Neffin zu den Eisbären Berlin war eine große Lücke entstanden, gefüllt wurde diese mit mit einem Torhüter, der bereits bewiesen hat, dass er zu den besten seiner Position in der DEL2 gehört, dem aus Rosenheim kommenden Oskar Autio. Der Finne wurde in der Saison 2024/25 sowohl zum Torhüter als auch zum Spieler des Jahres der DEL2 gewählt und dürfte direkt wieder zu den besten Goalies der Liga zählen.

Auch in der Defensive setzt Regensburg auf Stabilität. Mit Guillaume Naud bleibt ein wichtiger Führungsspieler erhalten, der erfahrene Verteidiger steht für Härte, Zweikampfstärke und defensive Zuverlässigkeit. Cody Haiskanen von den Ice Tigers Nürnberg könnte sich als unterschätzter Königstransfer herausstellen. Der 29-jährige US-Amerikaner mit 109 DEL-Partien und 27 Scorerpunkten ist bekannt für seine Vielseitigkeit, denn er kann gegen die besten Angreifer des Gegners eingesetzt werden, Verantwortung in der Defensive übernehmen und gleichzeitig den ersten Pass für den Spielaufbau liefern. Mit jungen Spielern wie Marian Bauer, der weiterhin über die Kooperation mit den Iserlohn Roosters zur Verfügung steht, besitzt Regensburg zudem Entwicklungspotenzial. Bauer überzeugte bereits in seiner ersten DEL2-Saison und könnte den nächsten Schritt machen.

Im Sturm taucht mit Norman Hauner ein Spieler auf, der für eine ganz andere Art von Erfahrung steht und in engen Partien den Unterschied machen könnte, der 34-jährige Angreifer bringt mehr als 600 Spiele aus DEL und DEL2 mit und gilt seit Jahren als zuverlässiger Torjäger. Mit Taylor Vause verpflichten die Eisbären einen Spieler, der perfekt in das Anforderungsprofil eines Spitzenteams passt. Der 34-jährige Kanadier war in Bad Nauheim seit 2021 einer der konstantesten Center der Liga und bringt eine beeindruckende Siegermentalität mit. Vause gewann in seiner Karriere unter anderem den Calder Cup in Nordamerika sowie einen Meistertitel mit den Vienna Capitals. Der 26-jährige Kanadier Tyler Ward kommt vom Derbyrivalen Blue Devils Weiden und gehört zu den auffälligsten Offensivspielern der vergangenen DEL2-Saison. Mit seiner Geschwindigkeit, seinem direkten Zug zum Tor und seiner Abschlussstärke bringt er genau das Element mit, das Regensburg benötigt: zusätzliches Tempo in der Offensive.

Die Eisbären Regensburg könnten zu den spannendsten Teams der Saison 2026/27 gehören. Auf dem Papier sind sie vielleicht nicht der erste Meisterschaftsfavorit, doch genau diese Mischung macht sie als Mannschaft mit viel Erfahrung und mehreren Spielern, die wissen, wie man in entscheidenden Spielen besteht, gefährlich. Regensburg könnte deshalb der Geheimfavorit der neuen Saison sein. Wenn die Mannschaft schnell zusammenfindet und von Verletzungen verschont bleibt, ist nicht nur das Heimrecht in den Playoffs möglich – auch ein Angriff auf die Spitzenplätze ist realistisch.

Weiden – Achillesferse Altersstruktur?

Nach dem überraschenden Einstandsjahr in der DEL2 folgte für die Blue Devils Weiden eine deutlich schwierigere zweite Saison. Während man 2024/25 noch viele Experten überraschte und sich schnell Respekt in der Liga erarbeitete, musste die Mannschaft ein Jahr später den harten Alltag der DEL2 kennenlernen und den Klassenerhalt über die Playdowns sichern. Genau deshalb ist die Saison 2026/27 eine wichtige Standortbestimmung. Weiden ist kein unbekannter Aufsteiger mehr, aber auch noch kein etabliertes Spitzenteam. Der nächste Entwicklungsschritt lautet: weg vom Abstiegskampf und hin zu einem stabilen Platz im Mittelfeld oder sogar Richtung Pre-Playoffs. Dabei haben die Verantwortlichen den Kader stark verändert und nur 8 Spieler aus der Vorsaison in der Oberpfalz gehalten.

Die wohl wichtigste Personalie bleibt im Tor. Mit Michael McNiven haben die Blue Devils einen Torhüter, der bereits in seiner ersten DEL2-Saison gezeigt hat, dass er Spiele alleine entscheiden kann. Der Kanadier bestätigte das Vertrauen nach zuvor wenigen Profispielen und bringt nicht nur Größe und Ruhe mit, sondern verfügt auch über internationale Erfahrung aus Nordamerika.

In der Defensivabteilung verfügt Weiden mit den Vertragsverlängerungen von Tommy Muck, Dominik Boháč und Calvin Pokorný über eine Mischung aus Erfahrung und körperlicher Präsenz, die mit der Verpflichtung von Mario Scalzo aus Crimmitschau der Defensive zusätzliche Routine bringt.

Im Angriff sind die Blue Devils auch durchaus interessant besetzt. Mit Tyler Gron, Michael Regush, Jordan Knackstedt und Alex-Olivier Voyer stehen Spieler im Kader, die bereits bewiesen haben, dass sie auf DEL2-Niveau produzieren können. Hinzu kommt mit dem Kanadier Brayden Tracey ein Spieler, auf den viele Augen gerichtet sein werden. Dabei lautet die Frage nicht, ob er Talent besitzt, denn das hat er bereits in der AHL, Finnland, Schweden und Slowakei bewiesen. Entscheidend wird sein, ob er seine Fähigkeiten regelmäßig in Punkte umsetzen kann. Wenn ihm das gelingt, könnte er zu den interessantesten neuen Offensivspielern der DEL2 gehören.

Ein Punkt, den man bei der Kaderplanung der Blue Devils Weiden nicht außer Acht lassen darf, ist die Altersstruktur. Mit Spielern wie Knackstedt, Gron, Scalzo oder weiteren erfahrenen Kräften verfügt Weiden über viel Routine. Diese Spieler wissen, wie man schwierige Situationen meistert, und können einer Mannschaft Stabilität geben. Allerdings bringt diese Strategie auch eine gewisse Gefahr mit sich. Die DEL2 ist eine schnelle und körperlich intensive Liga. Über eine komplette Hauptrunde mit 52 Spielen entscheidet nicht nur Erfahrung, sondern auch Athletik, Regeneration und die Fähigkeit, konstant hohes Tempo zu gehen. Gerade nach einer Saison, die in den Playdowns endete, stellt sich deshalb die Frage, ob die Mischung aus erfahrenen Leistungsträgern und jüngeren Spielern ausgewogen genug ist.

Mit einer guten Torhüterleistung und einem starken Brayden Tracey ist Platz 8 möglich. Für einen sicheren Playoff-Kandidaten fehlt jedoch aktuell aber die Mischung aus jungem Tempo und erfahrener Qualität. Weiden könnte eine der Mannschaften sein, bei denen zwischen Platz 7 und Platz 12 am Saisonende nur wenige Punkte liegen.