In ihren 37 Jahren im gesamtdeutschen Eishockey sind die Crimmitschauer schon ganz schön rumgekommen. Genauer gesagt: Mit 84 verschiedenen Clubs haben sie sich in Deutschland schon duelliert. Und dennoch war einer bislang nicht dabei: Memmingen. Das ändert sich nun, wenn die Westsachsen erstmals in ihrer Geschichte ihre Visetnkarte am Memminger Hühnerberg abgeben.
2026/27 – 11.Spieltag – Freitag, 23.10.2026, 20.00 Uhr
ECDC Memmingen Indians vs. Eispiraten Crimmitschau
Schiedsrichter: -, – (-, -)
Die Indians aus dem Allgäu waren in den vergangenen Jahren in der Oberliga Süd stets oben dabei, aber im engen Kreis der Aufstiegsfavoriten traten sie nicht wirklich in Erscheinung. Da gab es weitaus größer tönende Oberligisten, die die DEL2 erobern wollten. Im Frühjahr 2026 aber gelang den Memmingern dann doch der Coup und das Abenteuer 2.Liga nahm man mutig und motiviert an. Das Zuschauerinteresse im lauten und engen Stadion war in der Vergangenheit ohnehin schon zweitligareif.
Entsprechend euphorisch startete das Team von Aufstiegs-Coach Daniel Huhn auch in die Saison. Nach 5 Spieltagen rieb sich die Ligakonkurrenz die Augen, standen die frechen Aufteiger doch mit 11 Punkten und ziemlich berauschenden Ergebnissen – etwa ein 4:3 gegen Dresden oder ein 6:0 gegen Weißwasser – in der Spitzengruppe. Zuletzt haben die Indians dann aber doch eher den harten Boden der Realität kennenlernen müssen und 5 Niederlagen in Folge kassiert, die letzten 3 gar ohne einen einzigen Punkt. So steht man derzeit auf Rang 10 mit 13 Punkten und 29:35 Toren. Dennoch eine Platzierung, die zum Ende der Hauptrunde jeder Memminger mit Kusshand nehmen würde.
Auf dem langen Weg zum Klassenerhalt soll Goalie Michael Bitzer (D-USA, 9 Sp, 2.89 GT/Sp, 90.08%, 2 SO) zum großen Rückhalt werden. Der ehemalige Eispiraten-Goalie steuerte eigentlich schon auf seinen (sehr frühen) Eishockey-Ruhestand zu, legte dann aber in Selb ein fulminantes DEL2-Comeback hin, das ihm in den vergangenen zwei Saisons sogar ein Engagement in der DEL bei den Schwenninger Wild Wings bescherte. Wer hätte diesen Werdegang zu seiner Crimmitschauer Zeit erwartet? Bitzer ist beim ECDC die klare Nummer 1, Aufstiegsheld Justus Roth (2 Sp, 2.55 GT/Sp, 91.67%, 0 SO) kann aber jederzeit einspringen.
Dreh- und Angelpunkt in der Abwehr ist der Kanadier Jamal Watson (10 Sp, 2+9), der vor zwei Jahren in Kaufbeuren das Spiel des ESVK schon mächtig ankurbelte und so ziemlich überall auf dem Eis zu finden ist. Nach einem Abstecher in die britische EIHL ist er nun zurück in der DEL2 und sofort wieder on fire. Nicht umsonst hat er derzeit die zweitmeiste Eiszeit in der Liga. Braucht er aber auch, denn seine Verteidigerkollegen sind allesamt keine DEL2-Granden. Der Deutsch-Schwede Linus Svedlund (8 Sp, 0+2) gehört sicherlich zu den interessanten Defendern, tut sich nach 366 Oberligaspielen (67 Tore, 337 Vorlagen) aber mit der DEL2 noch etwas schwer und hat mit -8 die zweitschlechteste +/- Bilanz im Team. Leon Fern, Dominik Meisinger, Leon van der Linde, Maximilian Kolb und Jakob Peukert sind zwar in der 2.Liga keine Neulinge mehr, spielten aber auf ihren bisherigen Stationen dabei noch nie die erste Geige.
Geige ist auch das richtige Stichwort für Edgars Homjakovs (D-LAT, 10 Sp, 3+5) und Felix Brassard (CAN, 10 Sp, 5+5), denn an der Scheibe sind die beiden wahre Virtuosen. Sowohl Homjakvs (352 Sp, 202+325) als auch Brassard (214 Sp, 196+178) haben in den letzten Jahren in der Oberliga eindrucksvoll bewiesen, dass die Drittklassigkeit eigentlich arg unterfordernd für sie ist. Dementsprechend locker haben sie den Schritt in die DEL2 auch gemeistert und haben mit Matteo Genaro (ITA, 7 Sp, 5+5) und Kevin Wall (8 Sp, 2+4) zwei extrem starke Kontingentstürmer neben sich. Bei Wall allerdings ist es mit -10 in Sachen Defensivarbeit noch nicht so weit her. Hinter den vier Topstürmern versammeln sich mit Ludwig Nirschl (8 Sp, 2+4), Markus Lillich (10 Sp, 2+2), Simon Thiel (10 Sp, 1+2) und Marvin Schmid (10 Sp, 1+2) auch gleich noch vier starke deutsche Cracks im besten Eishockeyalter. Vor allem Nirschl und Lillich sind Paradebeispiele, dass ein Schritt zurück – nämlich in die Oberliga – manchmal genau der richtige Karrierebooster ist. Denn beiden spielten trotz vieler Versuche bislang nie so richtig auf der Voederbühne der DEL2, mit 97 (Nirschl) bzw. 82 Scorerpunkten (Lillich) waren sie aber in der letzten Saison die prägenden Figuren auf dem Weg des ECDC zum Aufstieg. Nick Maul, Nikita Krymskiy, Tobias Maier und Maxime Bickel sollen dem Angriff die nötige Tiefe für eine lange Saison verleihen.
5 Niederlagen am Stück würden bei jedem Club der Liga die Alarmglocken schon deutlich zum Schrillen bringen, ein Aufsteiger hingegen – zumal ohne Ambitionen des sofortigen Durchstarts – kann solch eine Durststrecke aber eher aus einem realistischeren und gelasseneren Blickwinkel betrachten. Panisch wird auf dem Hühnerberg jedenfalls noch lange niemand sein, weshalb sich die Eispiraten darauf einstellen müssen, keinesfalls auf einen verunsicherten und formschwachen Gegner zu treffen, sondern vielmehr auf ein topmotiviertes Team, das genau weiß, was es leisten kann, und daraus jede Menge Kraft für das Duell mit den Eispiraten ziehen wird. Die Indianer werden um ihr Leben rennen, was dem ausgedünnten Crimmitschauer Kader wohl nicht gerade entgegenkommt. Mehr als drei Reihen wird Jussi Tuores kaum ins Rennen schicken können, weshalb es darauf ankommen wird, ein gutes Energiemanagement zu betreiben und clever zu spielen.
Kadernews
Ausfall: Ole Olleff (Oberkörperverletzung), Dominic Walsh (Rückenverletzung), Denis Shevyrin (Oberkörperverletzung), Jarno Kärki (Sperre)
Fragezeichen: Dylan Wruck (Oberkörperverletzung), Leon Schulz (Kopfverletzung)