Bevor man vorausblickt, lohnt sich immer auch ein Blick zurück, um die notwendigen Schlüsse zu ziehen. So befassen wir uns heute noch nicht mit der am Freitag beginnenden Punkterunde, sondern schauen noch einmal auf die Saisonvorbereitung der Eispiraten und die Geschehnisse im Sommer.

Die Saisonvorbereitung außerhalb des Eises – große Pläne der GmbH

Bereits mit seinem Amtsantritt im Frühjahr hat GmbH-Geschäftsführer Jörg Buschmann angekündigt, die dauerhafte Playoff-Teilnahme der Crimmitschauer ins Visier zu nehmen. Die maßgeblichen Weichen hierzu wollten die beiden Macher Buschmann und Ronny Bauer sowohl im sportlichen als auch im wirtschaftlichen Bereich stellen.

Wesentliche Punkte dabei: Der Zusammenhalt der – zumindest im 2. und 3. Saisondrittel – doch recht erfolgreichen Mannschaft 2014/15 und die Verpflichtung eines Co-Trainers zur Unterstützung Chris Lees auf der einen Seite sowie die Erhöhung der Eintrittspreise, die zeitnahe Fertigstellung des neuen VIP-Bereichs und der Einstieg weiterer Gesellschafter vor dem Gesamthintergrund der Erhöhung des Etats auf der anderen Seite.

Was wurde aus den Plänen?

Sportlicher Bereich

leeMan kann es kurz machen und sagen: Aus den Plänen wurde nur bedingt etwas… Einen Co-Trainer hat Chris Lee nicht an seine Seite bekommen. Weder von extern verstärkten sich die Eispiraten auf dieser Position, noch konnte eine interne Lösung, etwa in Kooperation mit dem ETC Crimmitschau e. V. gefunden werden. Für die wenig betuchten Eispiraten kommt die Stelle eines Co-Trainers aber sicherlich auch zu früh, schließlich kann man hier durchaus das Gehalt eines Spielers der zweiten Reihe ansetzen. Außerdem können sich nur wenige Teams in der Liga einen größeren Trainerstab leisten, so dass die Crimmitschauer damit nicht alleine dastehen und das Fehlen des „Co´s“ sicherlich auch nicht entscheidend sein wird.

Foto: City-Press GbR

Foto: City-Press GbR

Entscheidender könnte schon sein, was aus dem Ziel geworden ist, die Mannschaft beisammen zu halten. Eindeutig lässt sich hier kein Fazit ziehen. Fakt ist unzweifelhaft, dass Crimmitschau mit MacQueen, Hutchings, MacKay und Tepper die vier Top-Scorer und noch dazu mit Card den besten Verteidiger der vergangenen Saison verloren hat – insgesamt haben 296 Scorerpunkte den Sahnpark verlassen. Dennoch gelang es Ronny Bauer und Chris Lee mit Eric Lampe, Jakub Körner, André Schietzold und nicht zuletzt Ryan Nie wichtige Stützen im Team zu halten. Das hat man in den vergangenen Jahren auch schon anders erlebt. Mit Daniel Bucheli, Dominic Walsh und Martin Heinisch sind zudem Spieler geblieben, die zwar nicht als Überflieger in Erscheinung treten, aber im Teamgefüge ihre Rolle erfüllen. Und letztlich zählt nur das Team! Die Abgänge von MacQueen und Hutchings dürften mit den Neuzugängen Foy und Kristek, die jedoch völlig andere Spielercharaktere sind, zumindest ausgeglichen sein. Der Verlust Teppers und MacKays sollte mit Alexander Höller und Last-Minute-Verpflichtung John Tripp ebenfalls egalisiert sein. Aber auch hier lassen sich aufgrund der Eigenschaften der Spieler nur bedingt Vergleiche ziehen. Nur in der Verteidigung machen sich größere Sorgen breit, das haben nicht zuletzt die Testspiele gezeigt. Die neu zusammengestellten Abwehrreihen können die Abgänge von Kirschbauer, Opreé und Card bei weitem noch nicht kompensieren.

Wirtschaftlicher Bereich

Foto: EPC GmbH

Foto: EPC GmbH

Der mutmaßliche Einstieg von VW brachte im Frühjahr die Gerüchteküche nicht nur zum brodeln, sie kochte zeitweise sogar über. Der ein oder andere sah die Eispiraten schon in Konkurrenz treten mit den „Großen“ der Liga. Als dann nach längerem Zögern sich die GmbH dazu äußerte, wurde vieles recht schnell relativiert. „Gespräche ja, Abschluss nein. Und wegen der laufenden Verhandlungen ohnehin keine weiteren Details“, so der Grundtenor seitens der Geschäftsleitung. Die Ergebnisse bzw. ob es überhaupt zu einem Einstieg VW´s bei den Eispiraten kommt, liegen derzeit tief im Verborgenen.

Dann war da noch die Suche nach neuen Gesellschaftern. Diese läuft eigentlich seit der Saison 2008/09, als sich die ursprüngliche Gesellschafterstruktur der GmbH-Gründungssaison 2007/08 allmählich aufzulösen begann. Getan hat sich bislang gar nichts, außer dass regelmäßig die Absicht weitere Gesellschafter ins Boot zu holen wiederholt wird. Die letzte Meldung, die Grund zur Hoffnung gab, ist aber auch schon fast verjährt. So stehen mit Ronny Bauer und Jens Tützer weiterhin nur zwei Gesellschafter Gewehr bei Fuß. Deren Engagement, vor allem finanziell und mit privatem Risiko, verdient allerhöchste Würdigung. Aber: Auf Dauer wird das den Profi-Standort Crimmitschau nachhaltig schädigen. Warum die Suche nach Verstärkung nicht von Erfolg gekrönt wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Es kann auf der einen Seite mit der finanziellen Situation der GmbH zusammenhängen, die noch immer an Altlasten der Anfangszeit knabbert, oder mit den Forderungen bzw. Ansprüchen der Gesellschaft an Neueinsteiger, andererseits schreckt potentielle Gesellschafter vielleicht auch der Umstand ab, dass man in Deutschland mit Eishockey kein Geld als Gesellschafter verdienen kann. Statt Profitdenken rückt vielmehr die Liebe zum Sport und zum Standort in den Vordergrund. Bauer und Tützer bringen dies auf, hoffentlich bald auch weitere Unterstützer!

Foto: Steve Reichenbach

Foto: Steve Reichenbach

Hinsichtlich des VIP-Bereichs liegen die Eispiraten sehr wahrscheinlich inzwischen auch außerhalb ihrer Zeitplanung, denn von der geplanten Eröffnung zum Saisonbeginn ist man noch weit entfernt. Den Eispiraten-Fans bietet sich derzeit das Bild einer Baustelle unterhalb der Sitzplatztribüne. Das macht die Situation nicht unbedingt besser, denn die Akzeptanz unter den Anhängern für diesen neuen Bereich scheint nach wie vor gering zu sein. Hier war die GmbH in ihrer Außendarstellung wohl etwas zu zurückhaltend, denn statt die positive Wirkung des modernen Baus darzustellen und die Errichtung werbewirksam zu begleiten, versiegte der Informationsfluss hierzu vollends. Stattdessen blieb den Verantwortlichen am Ende nichts weiter übrig, als in Duckstellung zu gehen, vor allem hinsichtlich des Fertigstellungstermins. Denn dass der Neubau des VIP-Bereichs von den Sponsoren fast in Eigenregie geleistet wird, vor allem auch mit Sachleistungen, sprich Bauarbeiten, hat eben seinen Preis. Was nichts kostet, lässt manchmal auf sich warten. Und so bleibt der GmbH nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis die beteiligten Baufirmen wieder Kapazitäten frei haben. Dennoch soll das Projekt nicht in ein schlechtes Licht gerückt werden! Wer in der DEL 2 bestehen will, braucht solche Institutionen hinsichtlich Sponsoring und vor allem auch hinsichtlich der Aufwertung des Stadions. Das in die Jahre gekommene Eisstadion im Sahnpark hat jedenfalls inzwischen einiges an Aufhübschung und Ausbesserung nötig! Vor allem der Komfort für den Normalzahler auf der Stehtribüne darf dabei nicht erst mittelfristig auf der Agenda stehen. Sichtverhältnisse, sanitäre Anlagen, Soundtechnik – all das muss auf den Prüfstand und bedarf der dringenden Verbesserung.