Für Spektakel und reichlich Tore in den Spielen mit Eispiraten-Beteiligung wird gesorgt sein in der kommenden Spielzeit – das scheint so gut wie sicher. Denn die Vorbereitungsspiele der Crimmitschauer haben eines gezeigt: Vorne hui – hinten pfui.
Nachdem wir im ersten Teil des Rückblicks auf die Saisonvorbereitung hauptsächlich die Geschehnisse außerhalb bzw. in der Sommerpause beleuchtet haben, geht es nun wieder auf das glatte Geläuf.
Als eines der letzten Teams der Liga haben die Eispiraten Mitte August ihr Vorbereitungsprogramm aufgenommen und stehen nun, knapp 4 Wochen später schon in der Startaufstellung zur Saison 2015/16. Auf welchem Platz die Crimmitschauer in die erste Kurve einbiegen, wird am Ende der Hauptrunde für den Zieleinlauf mitentscheidend sein. Denn die DEL 2 ist auch in dieser Saison sehr eng und ausgeglichen besetzt. Die üblichen 3, 4 Verdächtigen werden sich nach dem 52.Spieltag sicherlich wieder mit etwas Vorsprung oben in der Tabelle präsentieren, aber danach folgt ein breites Mittelfeld, das in der Gesamtheit pro Wochenende stetig punkten wird. Wer den Saisonstart verpasst, wird hinterherlaufen. So etwa wie in der vergangenen Saison die Crimmitschauer, die trotz doch annehmbarer Darbietungen im 2. und 3. Saisondrittel auf dem 12. Platz wie festgewachsen waren und den früh aufgebauten Rückstand nicht mehr kompensieren konnten.
Damit es nicht wieder so kommt, werden die Eispiraten von Beginn an wohl ein paar Prozent mehr geben müssen als andere, nicht zuletzt wegen des späten Trainingsbeginns, der einen Tick weniger Eingespieltheit als so mancher Konkurrent zur Folge haben dürfte.
Die Vorbereitungsspiele haben zumindest gezeigt, wo es am meisten hapert: In der Defensive! In den 6 Spielen haben die Eispiraten satte 29 Gegentore kassiert, also fast 5 pro Partie. Und dabei lief man zweimal gegen Oberligisten (9 Gegentore) und mit Heilbronn (11 Gegentore) zweimal gegen ein Team auf, das sich in der DEL 2 im unteren Drittel wiederfinden wird. Deutliche Abstimmungsprobleme im Defensivverhalten sowie schlimme Patzer im Aufbau sorgten nicht nur für Gefahr vor dem eigenen Gehäuse, sondern auch für die entsprechenden Gegentore. Es scheint, als suche jeder Verteidiger im Team noch seinen Platz und Chris Lee nach den passenden Formationen. Die jungen Kevin Neumüller und Jan Tram stehen vor ihrer Feuertaufe, denn die ersten Schritte im Profibereich sind gegangen, nun folgen die Schritte zum Leistungsträger oder zum Durchschnittsspieler – es liegt an den Jungs selbst. Das Ganze noch vor sich haben Philipp Halbauer und Collin Lejdborg, die sich auf ihrer ersten Profistation erst einmal noch zurechtfinden müssen. Hilfestellung müssen ihnen die erfahrenen Spieler Jakub Körner, Danny Pyka, André Schietzold und Dominic Walsh geben, sofern die selbst ihr Leistungspotential abrufen können. Bei Pyka scheint noch Luft nach oben, ebenso bei Walsh, der angesichts seines Offensivdrangs als ehemaliger Stürmer die Defensive mitunter zu sehr vernachlässigt und seinem Team damit keinen Gefallen tut. Unter dem Strich haben sich die Eispiraten – wie von vielen Fans frühzeitig befürchtet – vor allem defensiv nicht unbedingt verbessert. Dafür steckt trotz der Haudegen einfach zu viel Unerfahrenheit in der Abwehr.
Ob die Abteilung Attacke dieses Manko ausgleichen wird? In den Testspielen gelang dies, denn wer sich über 29 Gegentore beschwert, sollte sich gleichzeitig über 30 selbst erzielte Treffer freuen. Der Scoringtouch ist also definitiv vorhanden im Team der Eispiraten. Vor allem das Powerplay könnte sich zu einer echten Stärke entwickeln, immerhin erzielten die Sachsen in den 6 Testspielen 15 Powerplaytreffer. Erfolgsgaranten hierfür waren zweifelsfrei die Neuzugänge Matt Foy, Jaro Kristek und Alex Höller sowie Eric Lampe, der schon letzte Saison fleißig knipste und hoffentlich bald einen deutschen Pass in den Händen hält. Foy wurde seinem Ruf als unermüdlicher und hart arbeitender Kämpfer schnell gerecht und scorte mit 7 Toren und 7 Assists in 5 Spielen beachtlich. Kristek und Höller, die beide läuferisch stark sind und ganz feine Hände haben, standen dem in Nichts nach und punkteten ebenfalls fleißig (Kristek 4+7, Höller 4+2). Auch Eric Lampe brachte sich mit reichlich Offensivszenen wunderbar ein und beginnt mit 5 Treffern und 5 Assists dort, wo er letzte Saison aufhörte. Nimmt man nun den langjährigen DEL- und Nationalspieler John Tripp noch dazu, so verfügt Chris Lee über ein Quintett geballter Offensivpower, das sich in seiner Mischung aber nicht nur auf Schönspielerei beschränkt, sondern auch eine körperliche Komponente ins Eispiraten-Spiel einbringt. Wie gut die Offensive aber über alle Reihen hinweg funktionieren wird, entscheiden nicht nur die fünf genannten Spieler, sondern auch die übrigen sechs Angreifer. Und hier ist ein mitunter deutlicher Leistungsabfall schon erkennbar. Die Neuzugänge Bernhard Keil und Vincent Schlenker traten vor dem gegnerischen Tor jedenfalls noch nicht so in Erscheinung wie man sich das gewünscht hätte. Auch Martin Heinisch ging einmal mehr auf Tauchstation und sein ausgewachsener Bart war schon das auffälligste an seinen Auftritten. Daniel Bucheli spielte im Rahmen seiner Möglichkeiten ordentlich. Valerij Guts wird es in der DEL 2 weiterhin schwer haben, während Erik Gollenbeck wohl einen Schritt nach vorne gemacht hat. Wollen die Crimmitschauer in der kommenden Saison Erfolg haben, wird die Aufstellung hinter den beiden Powerlines von großer Bedeutung sein, vor allem hinsichtlich der Kadertiefe. Hier wird es auf Partner Wolfsburg ankommen, ob den Eispiraten der Einsatz einer 4. Reihe gelingen wird. Unter den derzeitigen Gegebenheiten werden die Sachsen einmal mehr nicht über drei Linien hinauskommen.
Über den Angriff der Rot-Weißen braucht man sich nach Abschluss der Vorbereitung und angesichts der Qualität des Personals am wenigstens Sorgen machen. Die Cracks werden es im gegnerischen Tor krachen lassen, das scheint gewiss. Merklich Unruhe breitet sich aber sicherlich bei der Zusammensetzung der Defensive aus, in der – vor dem Hintergrund des Ziels Playoff-Teilnahme möglicherweise entscheidendes – das größte Verbesserungspotential steckt.
Scorertabelle der Vorbereitungsspiele*:
| Name | Spiele | Tore | Assists | Punkte | Strafen |
| Foy | 5 | 7 | 7 | 14 | 14 |
| Kristek | 6 | 4 | 7 | 11 | 0 |
| Lampe | 6 | 5 | 5 | 10 | 16 |
| Höller | 5 | 4 | 2 | 6 | 2 |
| Walsh | 5 | 3 | 2 | 5 | 2 |
| Bucheli | 5 | 1 | 2 | 3 | 0 |
| Gollenbeck | 6 | 2 | 1 | 3 | 6 |
| Schietzold | 5 | 0 | 2 | 3 | 22 |
| Keil | 4 | 1 | 1 | 2 | 25 |
| Neumüller | 5 | 1 | 0 | 1 | 4 |
| Pyka | 5 | 0 | 1 | 1 | 0 |
| Heinisch | 5 | 0 | 1 | 1 | 0 |
| Kolupaylo | 4 | 1 | 0 | 1 | 2 |
| Körner | 5 | 1 | 0 | 1 | 6 |
| Nie | 5 | 0 | 0 | 0 | 2 |
| Deske | 3 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Lejdborg | 4 | 0 | 0 | 0 | 4 |
| Halbauer | 5 | 0 | 0 | 0 | 25 |
| Tramm | 5 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Schlenker | 5 | 0 | 0 | 0 | 6 |
| Guts | 5 | 0 | 0 | 0 | 2 |
| Piehler | 1 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Torhüterstatistik der Vorbereitungsspiele*:
| Name | Spiele | Minuten | Gegentore | GT/Spiel | Shutouts |
| Nie | 5 | 250 | 20 | 4,80 | 0 |
| Deske | 3 | 115 | 9 | 4,70 | 0 |
*vom Spiel in Heilbronn (4:6) sind nur die Torschützen bekannt und der Torhüter bekannt



