Unverhofft kommt oft – diese alte Weisheit lässt sich auf das Freitagsspiel der Eispiraten in Ravensburg gleich mehrfach anwenden. Zum einen auf das unerwartete Mitwirken des etatmäßigen Crimmitschauer Kapitäns Andre Schietzold, zweitens auf die 2:0-Führung der Rot-Weißen nach 20 Minuten, leider auch auf das starke Comeback der Towerstars im Mitteldrittel, aber glücklicherweise dann eben wieder auf das Zurückbeißen der Eispiraten bis hin zum Siegtreffer in der Overtime.

Abgezockte Gäste

Die Eispiraten gerieten in den Anfangsminuten der Begegnung gleich gehörig unter Druck, die Hausherren nahmen Brett Kilar im Gästetor sofort unter Beschuss. Aber mit guten Defensivaktionen und einem sicheren Goalie überstanden die Rot-Weißen diese Phase unbeschadet und arbeiteten sich peu a peu in die Begegnung hinein, um nach einem Drittel des Durchgangs schließlich das bessere Team auf dem Eis zu stellen. Ravensburg zeigte sich deutlich beeindruckt und musste nach einem rot-weißen Konter über Thomas und Talbot gar das recht frühe 0:1 hinnehmen: Neuzugang Adrian Grygiel erarbeitete sich einen Einstand nach Maß und lenkte die Hereingabe in den Winkel. Als nach einer Viertelstunde Julian Talbot mit einem abgefälschten Blueliner im Powerplay das 0:2 erzielte, rieb man sich sicher nicht nur in der Ravensburger Fankurve verwundert die Augen. Die Führung der Eispiraten war durchaus verdient und hielt auch bis zur Pausensirene.

Viele Strafzeiten bringen die Gastgeber ins Spiel zurück

Leider setzte sich der starke Auftritt der von Interimscoach Boris Rousson betreuten Gäste im Mittelabschnitt nicht fort, nicht einmal ansatzweise. Es dauerte nur 49 Sekunden, da erzielte Goldhelm Driendl mit einem starken Schuss aus der Halbdistanz den Anschlusstreffer, und das im Powerplay, nachdem Yannick Mund eine Strafe absaß. Dieses Muster sollte sich durch das ganze Drittel ziehen. Dreimal saßen die Rot-Weißen draußen, und dreimal netzten die Hausherren in Überzahl ein. Vor allem zwischen der 29. und 31. Minute verloren die Westsachsen dabei in der Defensive komplett den Faden. Ein ums andere Mal tauchten die Towerstars-Angreifer frei vor Kilar auf, und Pompei, Keller und Sturm machten binnen 123 Sekunden aus einem 1:2 ein 4:2. Aber, und das ist das Positive an diesem Durchgang, die Eispiraten fingen sich danach wieder, verfielen weder in Aktionismus noch in Depressionen, und hielten sich so im Spiel. Als nach einem groben Schnitzer der Ravensburger Hintermannschaft Rob Flick drei Minuten vor dem Pausentee sogar das 4:3 erzielte, war die Partie wieder offen, auch wenn die Gastgeber im Powerplay durch Pompei noch das 5:3 nachlegten.

Eispiraten mit Ruhe zum Ausgleich

Auch im Schlussabschnitt rannten die Rot-Weißen nicht blind an, um den Anschluss zu erzielen, sondern warteten geduldig auf ihre Chancen und rissen nach und nach das Match wieder an sich. Carl Hudson glückte in Überzahl das 5:4 mit einem schönen Schuss in den Winkel, und nach einer angezeigten Strafe versenkte Vincent Schlenker in Minute 53 der hochverdiente Ausgleich. Sicher hatte auch das Heimteam weiterhin Gelegenheiten, aber ein gut aufgelegter Brett Kilar zog mit viel Ruhe die Pucks an sich, seine Vorderleute räumten gut ab, nach vorne machten die Gäste wesentlich mehr Betrieb als Ravensburg, und so stand für das Schlussdrittel letztlich ein Toschussverhältnis von 7:18 auf dem Tableau. Damit hatten die Rot-Weißen sich den ersten Punkt nach sechzig Minuten redlich verdient.

Und auch in der folgenden Overtime waren es die Gäste, die die ersten Akzente setzten. Nach einer Doppelchance von Patrick Klöpper nahmen die Referees gar den Videobeweis in Anspruch, so klar war die Einschusschance. Richtigerweise ging es aber weiter, da Langmann in dieser Szene wirklich stark pariert hatte und der Nachschuss am Gestänge landete. Letztlich war es Rückkehrer Andre Schietzold, der einen Konter der Rot-Weißen vollendete und so dem Zusatzpunkt einen Sitzplatz im Crimmitschauer Mannschaftsbus reservierte.