Die Krefeld Pinguine sind nun schon in ihrer vierten DEL2-Saison und somit bereits drei Mal an ihrem großen Ziel einer Rückkehr in die Beletage des deutschen Eishockeys gescheitert. In der laufenden Saison zeichnet sich aber schon ab, dass die Pinguine im April 2026 ein anderes Saisonende erleben könnten.
Ein Saisonende nämlich, an dem die Spieler von Coach Thomas Popiesch den Meisterpokal in die Höhe strecken. Seit ihrem Abstieg sind die Schwarz-Gelben quasi Daueraufstiegskandidat und das nicht nur aufgrund ihrer Historie, sondern weil in den Krefelder Kaderlisten seit der Saison 2022/23 stets eine Menge Potential und vor allem Geld steckte. Ausgezahlt hat sich das am Ende aber nie, doch in dieser Saison scheint einiges anders zu sein, woran gewiss auch Popiesch, der sein zweites Jahr auf der linken Rheinseite verbringt, einen Anteil hat. Die Pinguine stehen aufgrund konstanter Leistungen bislang vollkommen verdient auf dem 1. Platz, haben in 32 Spielen 67 Punkte und 118:76 Tore gesammelt. Außer vielleicht Kassel scheint im Moment kein Team der DEL2 in der Lage, den Pinguinen diesen Platz an der Sonne bis zum Hauptrundenende noch streitig zu machen.
Bester Sturm, beste Abwehr – es läuft einfach rund in Krefeld. An letzterem trägt Felix Bick (27 Sp, 2.08 GT/Sp, 90.94%, 1 SO) wieder einmal einen gehörigen Anteil, doch auch Julius Schulte (5 Sp, 2.21 GT/Sp, 91.79%, 1 SO) hat sich als Backup sehr stark etabliert. Dass die Pinguine in der vergangenen Woche obendrein noch Danny aus den Birken als Absicherung für die Playoffs und Torwartrainer für die kommende Saison verpflichtet haben, spricht für die Ambitionen der Rheinländer.
Hinten stabile Goalies, davor ein Abwehrverbund, der weniger als 25 gegnerische Torschüsse pro Spiel zulässt. Dass sich die Gegner im Krefelder Drittel so schwer tun, liegt am überragenden Davis Vandane (CAN, 32 Sp, 8+27), der zudem nach vorne eine echte Waffe ist, aber auch Zack Dybowski (D-CAN, 32 Sp, 1+10), Steven Raabe (30 Sp, 1+9), Carl Konze (30 Sp, 2+2), Leonhard Korus (8 Sp, 0+0) und die reichlich DEL-erfahrenen Mick Köhler (31 Sp, 0+5), Oliver Mebus (24 Sp, 1+2) sowie Erik Buschmann (16 Sp, 0+2) leisten eine hervorragende Abwehrarbeit. „Offense wins games, defense wins championchips“ – mit den Pinguinen ist daher umso mehr zu rechnen in den Playoffs.
Apropos „offense wins games“: 23 Siege in 32 Saisonspielen hat natürlich auch etwas mit dem Krefelder Angriff zu tun. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Max Newton (CAN, 30 Sp, 21+20) der aktuelle Topscorer der Liga ist. Vom gleichen Schlage ist auch Mathew Santos (CAN, 28 Sp, 19+15), nämlich energisch, kämpferisch, trickreich, torhungrig – und mitunter auch mal eklig bis dreckig. Denn auch das wollen sich die Pinguine nicht nehmen lassen: Santos hat die meisten Strafminuten der Liga und das gesamte die kassiert über 10 Minuten pro Spiel – tough guys sagt man dazu. Das spielerische Moment kommt jedoch keinesfalls zu kurz, schließlich kann Popiesch mit Marcel Müller (31 Sp, 10+24), Philip Gogulla (32 Sp, 7+17), Jonathan Matsumoto (26 Sp, 5+16) und Mark Zengerle (D-USA, 31 Sp, 2+14) noch ein Quartett mit hundertfacher DEL-Erfahrung und zusammen 150 Jahren Lebenserfahrung aufbieten. Dass mit Adam Payerl (C-DAN, 19 Sp, 10+2) und Alexander Weiß (19 Sp, 6+5) schon seit längerem zwei weitere Leitfiguren fehlen, fällt kaum ins Gewicht. Und das vor allem deshalb, weil auch Roope Mäkitalo (FIN, 25 Sp, 4+7) nach anfänglichen Startschwerigkeiten inzwischen gut in das System reingefunden hat und weil die jungen Cracks Daniel Bruch (32 Sp, 8+7), David Cerny (22 Sp, 5+3), Maximilian Hops (25 Sp, 3+5), Tim Schütz (21 Sp, 2+3) und Niclas Focks (13 Sp, 1+1) samt dem nachverpflichteten Jan Nihenhuis (11 Sp, 2+1) beständig gute Leistungen zeigen.
Nach über der Hälfte der Hauptrunde muss man kein Prophet mehr sein: Der Weg zum DEL2-Titel wird nur über die Krefeld Pinguine führen. Dementsprechend gehen die Eispiraten auch als krasser Außenseiter in ihr erstes Heimspiel 2026. Im alten Jahr konnten die Tuores-Schützlinge sechsmal in Folge im Sahnpark gewinnen und der siebte Sieg in dieser Serie wäre sehr wahrscheinlich der am härtesten erarbeitete. Dass die Eispiraten es den Gästen aus dem Rheinland so schwer wie möglich machen wollen, dürfen wir als Selbstverständnis der Crimmitschauer Mannschaft annehmen. Sollte dann auch der ganze Rest zu 100% passen, ist vielleicht sogar eine Überraschung mit dem ein oder anderen Punkt für die Westsachsen möglich.