Wenn die Eispiraten Crimmitschau zum letzten Sachsenderby der Hauptrunde in Weißwasser antreten, treffen nicht nur zwei Teams in einer durchaus präkeren Tabellensituation aufeinander, sondern auch zwei Teams, die in dieser Saison schon jeden Charaktertest mit Bravour bestanden haben.


Die beiden Mentalitätsmonster der DEL2 haben ihre ganz eigenen Spezialitäten entwickelt. Während die Eispiraten vor allem dem längst nicht mehr rationalen Verletzungspech trotzen und immer wieder aufstehen und weiterkämpfen, sind die Füchse von Coach Christof Kreutzer vor allem auf unbändige Combackerqualitäten qualifiziert und drehen Ergebnisse in aller Regelmäßigkeit im letzten Drittel, 2:0, 3:0, 4:0 sind dabei keine Seltenheit und gerne lässt man die eigenen Fans auch noch in der letzten Spielminute jubeln. Eine Erfolgsgarantie haben die Lausitzer aber damit nicht gepachtet, denn mit 55 Punkten und 113:127 Toren auf Platz 10 stehend spüren die Ostsachsen den eisigen Playdown-Wind aus Weiden und Bad Nauheim.

Eine ganz wichtige Baustelle haben die Füchse im Kampf um den Klassenerhalt im Tor zu lösen, denn der starke Rückhalt Anthony Morrone (CAN, 29 Sp, 2.92 GT/Sp, 91.47%, 1 SO) ist seit einigen Spielen nicht einsatzfähig. Die großen Fußstapfen füllen derweil die jungen Pascal Seidel (3 Sp, 2.00 GT/Sp, 94.00%) und Lennart Neiße (10 Sp, 3.59 GT/Sp, 90.26%, 0 SO) bestmöglich aus.

Der Ausfall Morrones begünstigt immerhin, dass Christof Kreutzer seine vier Kontingentspieler auf dem Feld alle einsetzen kann. Einer davon ist der schwedische Defensivspezialist Eric Hjorth (35 Sp, 7+7). Ihm stehen mit Kyle Havlena (D-CAN, 40 Sp, 6+14) und Tim Sezemsky (36 Sp, 1+9) zwei weitere Leistungsträger zur Seite. Tim Heyter (40 Sp, 3+6), Simon Stowasser (35 Sp, 0+7), Markus Freis (23 Sp, 0+4), Moritz Kretzschmar (25 Sp, 1+2), Marlon Braun (26 Sp, 1+1) und Nils Elten (10 Sp, 0+1) bemühen sich nach Kräften, die durchaus vorhandenen Löcher in der Abwehr zu stopfen.

Im Angriff der Weißwasseraner ziehen wie gewohnt die Galionsfiguren Lane Scheidl (CAN, 32 Sp, 11+18) und Clarke Breitkreuz (D-CAN, 32 Sp, 12+15) ihre Kreise, aber es wäre nicht übertrieben, wenn der als eigentlicher Star der erst 21jährige Lennard Nieleck (36 Sp, 12+15) genannt wird, der einen wirklich kometenhaften Aufstieg hingelegt hat. Weißwasser beweist damit einmal mehr: Nachwuchsförderung lohnt sich. Apropos lohnen: In der Saisonschlussphase wird es für die Füchse noch ganz besonders auf die Fähigkeiten der beiden weiteren Kontingentspieler Alexis D´Aoust (CAN, 39 Sp, 11+11) und Adam Brady (CAN, 15 Sp, 3+6) ankommen, die gemeinsam mit Charlie Jahnke (38 Sp, 9+15), John Broda (37 Sp, 8+11), Tom Knobloch (40 Sp, 6+11) und Christopher Theodore (D-CAN, 40 Sp, 8+7) die nötigen Tore zum Klassenerhalt beitragen sollen. Alexander Dosch (33 Sp, 4+5), Georgiy Saakyan (35 Sp, 4+5), Hannu Tripcke (38 Sp, 3+2) und Nikita Knaus (13 Sp, 2+0) komplettieren die insgesamt sehr ausgeglichene Offensive, die auch auf die Ausfälle von Eric Valentin und Louis Anders reagieren konnte.

In diesem Spiel steckt definitiv Brisanz – und davon eine ganze Menge. Der Derbycharakter bringt eh schon eine Extraportion Knistern mit, aber der Tabellenstand pfeffert das Ganze erst so richtig. Die beiden punktgleichen sächsischen Kontrahenten haben den Kontakt zur direkten Playoffteilnahme inzwischen verloren und müssen sich stattdessen mit Weiden und Bad Nauheim befassen, die ihre letzten Strohhalme partout nicht loslassen wollen. Der Sieger dieses Sachsenderbys wird sich von den Plätzen 11 und 12 erstmal noch fernhalten können, während es für den Verlierer enger und enger wird. Für die Eispiraten, die sich angesichts von 6 verletzten Stürmern und der einhergehenden stark eingeschränkten Qualität enorm schwer mit dem Toreschießen tun, wird die Defensivarbeit in den Fokus rücken, mit der allzu leichte Gegentore tunlichst vermieden werden sollen, um unter dem Strich auch mit wenigen eigenen Toren die Chance auf Punkte zu wahren.