Die meisten Endzeitmythen beginnen mit einer Prophezeiung, dass düstere Zeiten bevorstünden und so nach und nach entfaltet sich all das Elend und die Menschheit versinkt im Chaos. Ganz so extrem ist es um die Eispiraten sicher nicht bestellt, aber nach dem letzten Wochenende kann man durchaus von düsteren Zeiten sprechen.
Scheiß auf Eishockey! Gute Besserung Captain!
Vor dem Spiel gegen die Kassel Huskies erreichte Fans und Verantwortliche die Nachricht, dass Dominic Walsh sich bei einem Trainingsunfall schwer verletzt hat. Nach einer Nacht auf der Intensivstation konnte Walsh auf die Tagesstation entlassen werden und am Samstag das Krankenhaus verlassen. Der Kapitän der Eispiraten aus dem Spiel genommen und es zeigte sich einmal mehr, dass Eishockey am Ende gar nicht so wichtig ist, wenn es um den Menschen geht. Dominic Walsh ist ein Leader und Kämpfer und steht mit jeder Faser seines Körpers für Freude, Ausgeglichenheit, Sympathie, kurzum Menschlichkeit und ihm ist und bleibt nur zu wünschen, dass er vollständig genesen kann und eine Rückkehr aufs Eis möglich ist. Noch wichtiger jedoch ist, dass er weiter als Papa, als Partner, als Sohn, als Freund und als Mensch gesund bleibt und es ihm gut geht. Viele Fans verfolgten die Medien und fieberten mit dem Deutsch – Briten mit und wir drücken dir, lieber Dominic, weiter alle Daumen, dass du so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen kannst.
Die Schnapsrunde
Zum Spiel – Früher gab es eine Serie mit Tom Gerhardt in der er einen Familienvater und Hausmeister repräsentierte, der im örtlichen Dackelclub Vorsitzender war und wie hieß der Dackel des Hausmeisters? Natürlich Bodo. Ebenjener Bodo scheint Marcel Köhler durch die Kindheit begleitet zu haben, anders ist nicht zu erklären, warum Köhler konsequent Bodo Wilde zum Eispiratenschreck Bode Wilde sagt. Nicht nur, dass der Deutsch – Amerikaner regelmäßig gegen die Eispiraten scored, nein er wird zum deutschesten aller Dackel stilisiert. Möglicherweise hat Köhler auch eine Wette laufen, dass seine Kumpels jedes Mal einen trinken müssen, wenn er den wilden Bodo falsch ausspricht, dann wären die aber nach dem ersten Drittel schon ziemlich hinüber. Ihr dürft jetzt während des Backchecks jedes Mal einen trinken, wenn ich den Bode Wilde richtig geschrieben habe. Bereit? Here we go – Bode Wilde. Dieser Service wird Ihnen spendiert vom Backchecki.
Ziemlich hinüber schienen auch die Huskies im ersten Drittel zu sein, denn vom einstigen Dauerersten war relativ wenig im ersten Drittel zu sehen und phasenweise spielten die Eispiraten hier mit den Hündchen „Hol das Stöckchen“ und man belohnte sich sogar. Nachdem Bode Wilde in Schmid gerauscht war und dieser dafür einen Zahn einbüßte, spielten sich die Eispiraten mit einer schönen Kombination im Powerplay durch. Wruck nahm den Droppass von McGauley auf, zieht durch drei Huskies durch, wie durch die Slalomstangen auf dem Hundesportplatz und passt dann platziert zu McGauley der den Puck wieder vors Tor bringt und im Nachstochern versenkt Wruck zum 1:0. Braves Hündchen, hier ist dein Leckerli.
S.O.S. Die Eispiraten in Seenot
Weniger brav präsentierten sich die Huskies dann im zweiten Drittel. So nach und nach brachten sie den Eispiratenkahn doch gehörig ins Wanken und man könnte meinen, dass die Eispiraten seetauglich sein müssten, doch ein ums andere Mal wankten die Eispiraten wie seekranke Landratten hin und her und verloren zunehmend den eigenen Kurs. Die Huskies drückten und drückten und als sich Louis Brune nur noch mit einem Halten zu helfen wusste, dauerte es gerade mal 9 Sekunden bis der Puck den Weg ins Eispiratentor fand. Hier muss die gesamte Unterzahlformation deutlich kritisiert werden, denn vom Bully weg, präsentierte man sich nicht auf der Höhe. Streu mit dem Puckverlust beim Bully, Rückpass auf Bode Wilde, der von Wruck null Druck kriegt, von Bode Wilde der Pass an die Grundlinie hindurch zwischen Kreutzer und Streu und Olleff verteidigte im Slot wahrscheinlich Bauklötzchen, die er sich zum Staunen aufgehoben hat darüber wie schnell Eishockey sein kann, denn von Garlent fand der Puck den Weg zu Hoelscher, der Reich problemlos zum 1:1 überwinden konnte. Mit zitternden Knien und deutlich leck geschlagenem Kahn ging es zur Drittelpause in die Werft und man versuchte das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.
„Valenti(n)stag“ – oder wie ich mich selbst zum Obst mache.
Hier kämpften die Eispiraten durchaus aufopferungsvoll, aber die Offensive kreierte mit gerade einmal 6 Torschüssen ungefähr soviel Torgefahr wie ein Kind mit -7 Dioptrien, dass ohne Brille die Torwand beim Torwandschießen treffen soll. So kam es, wie es kommen musste Bode Wilde spielte natürlich mal wieder einen perfekten Aufbaupass, den Hoelscher mit Schwung mitnahm und dabei McGauley und Wruck aussteigen ließ und den Puck dann weiter leitete an Garlent, der Vladelchtchikov nochmal in die Schule zurück schickte und Reich zur Huskiesführung überwand. Doch Streu, McGauley und Wruck waren durchaus bemüht ihre Fehler wieder gut zu machen und ließen die Eispiratenfans noch einmal hoffen. Nach schöner Kombination wurde Wruck auf links frei gespielt legte mit ganz feinem Auge auf McGauley auf der rechten Seite und dieser überwand Maurer zum 2:2. Ein ganz feiner Spielzug, den die Eispiraten ruhig öfter mal zeigen können. Till Michel fand die Aktion danach so gut, dass er mit jedem seiner Mitspieler abklatschen wollte, da sich aber niemand qualifizierte, sagte er sich kurzerhand „Selbst ist der Mann.“ und klatschte sich selber ab. Yannick Valenti zeigte dann zum Schluss, dass er dermaßen einen am Helm hat, als er nach einem unglücklichen Abpraller einfach nur blöd dastand und der Puck seinen Weg von seinem linken Bein ins Tor sprang. Valenti feierte danach als hätte er ganz allein den Olympiatitel geholt. Dabei trug Tyler Benson, ausnahmsweise nicht Bode Wilde den Puck ins Drittel, legte zu Schütz, der schön verzögerte und sein Schuss sprang vorm Tor dermaßen blöd Valenti an, dass der zu seinem Jubelsolo ansetzte. Valenti war früher auch so ein Kind, der auf eine Teilnahmeurkunde mit Sekt und einer riesigen Party feierte, obwohl nur Oma zu der Feier kam. Leider besiegelte ausgerechnet dieses Kacktor die Niederlage gegen die Huskies und zeigte einmal mehr auf – manchmal lohnt es sich auch einfach Pucks zum Tor zu bringen und blöd rum zu stehen, man muss ja dann nicht wie Valenti den Sololauf des örtlichen Dullivereins starten.
Land unter
Im zweiten Spiel des Wochenendes griffen die Eispiraten aber mal so richtig daneben. Wenn Planlosigkeit eine Farbe an diesem Abend gewesen wäre, wäre sie wahrscheinlich rot-weiß gewesen. Dabei präsentierten sich die Eispiraten auch hier wieder im ersten Drittel durchaus gefällig. Denis Sheyvrin zog nach 10 Minuten einfach mal von der blauen Linie ab in Richtung Tor und weil Trepanier vor dem Tor herumfuchtelte wie der Streber in einer Grundschulklasse, damit der Lehrer ihn auch wirklich dran nimmt, war Neiße so irritiert, dass er glatt den Schuss passieren ließ. Offensichtlich noch verwirrt davon was Trepanier versucht hatte, träumten die Eispiraten vor sich hin und kassierten prompt im Gegenzug das 1:1. Mighty McCormick zeigte, dass er durchaus auch eine menschliche Seite hat und verlor den Puck an der blauen Linie im gegnerischen Drittel und nicht Alvin, nicht Simon, nein Theodore startet wie ein kleiner, frecher Chipmunk durch und versenkte den Puck zum Ausgleich. Die Füchse rissen daraufhin mehr und mehr das Spiel an sich und Crimmitschaus einst so starke Abwehr präsentierte sich verträumt und zweikampfschwach. Falls die Devise war wie ein Schatten am Gegner zu kleben, hatte man ungefähr so viel Haftgrund wie eine Eisscholle im Meer und weil Zugriff überbewertet wird, kassierte man kurz vor Drittelende sogar noch das 2:1 als Olleff ungefähr so viel Widerstand leistete, wie ich vor dem Süßigkeitenregal und auch wenn Scalzo noch wie die gutherzige Mutti versuchte Gemüse unterzujubeln, vollendete Broda über den Schoner von Reich zur Führung für die Füchse.
Blubbernde Internetrambos
Neues Drittel, neues Glück? Weit gefehlt. Die Eispiraten mussten bereits nach drei Minuten den nächsten Gegentreffer einstecken. Billiger als den Gegentreffer kann man das Tor aber auch kaum kriegen, denn Dosch zog einfach mal auf Höhe des Bullykreises ab und mit der Gegenwehr einer auf dem Rücken liegenden Schildkröte nahm man den nächsten Nackenschlag entgegen. Louis Brune hat natürlich Recht, wenn er im Postgameinterview sagt, dass ist nicht der Anspruch, den die Spieler an sich selbst haben und das jetzt alle mehr leisten müssen. Genau diese Selbstreflektion wird jedoch auch dazu führen, dass die Eispiraten bald wieder in die Erfolgsspur zurück kehren werden, wenn Team, Fans und Verantwortliche zusammenstehen. Social Media Helden, die erst die jungen Spieler, dann die erfahrenen Spieler, die Kontingentler und die Trainer, sowie die Verantwortlichen hier virtuell zerlegen und dabei eigentlich nur kopfloses Geblubber von sich geben, helfen dem Team jedenfalls nicht weiter.
Spiel hergeschenkt
Denis Sheyvrin ließ im letzten Drittel noch einmal kurz Hoffnung aufkeimen, als er einen Blueliner von Kreutzer vorm Tor unhaltbar abfälschte. Leider reichte das Gezeigte dann einfach nicht mehr um den Füchsen den Schwung zu nehmen, da half auch das ausgesprochene Powerplay nicht und so steckten die Eispiraten mit dem viel zu leichten 4:2 den nächsten Rückschlag ein. Die Eispiraten verteidigten einfach völlig inkonsequent in der neutralen Zone, stellten sich tief und mit schlackernden Knien bibberte man dem nächsten Gegentreffer entgegen und der kam. Scheidl überlief die Abwehr nahezu, legte auf den am langen Pfosten lauernden Breitkreutz und der sagte artig danke. Daraufhin hielten die Eispiraten ungefähr so gut stand wie Zuckerwatte im Regen. Zwei Unterzahlsituationen und zwei Mal der Gegentreffer. Pass von hinterm Tor und ab in den Winkel, einmal Jahnke, einmal Scheidl und die Eispiraten steckten ein undankbares 0-Punkte-Wochenende ein.
Es ist nach diesem Wochenende leicht gesagt, dass das Team einen Schritt nach vorn machen muss. Die Ausfälle von Walsh, Mackin und Sacher allein bedeuten einen Qualitätsverlust von 100 Scorerpunkten, den kein Team einfach weg stecken kann, also gilt es umso mehr die verbliebenen Kämpfer zu unterstützen. Die nächste Gelegenheit gibt es bereits am Freitag, den 06.02.2026 wenn es im heimischen Sahnpark gegen die Starbulls aus Rosenheim geht.
Dominic Walsh– Kämpf weiter Captain
Denis Shevyrin – Unverwüstlicher Kämpfer
Dylan Wruck– Powerhouse und Offensivmotor