Ein „schöner“ Sieg gegen Rosenheim war das nicht, und ein schönes Spiel aus Eispiraten-Sicht schon gleich gar nicht. Und dennoch, die 3 Punkte landeten im Sack der Crimmitschauer und angesichts trubulenter und von Hiobsbotschaften geprägter Wochen war dieser Erfolg für das Team umso wichtiger. „Schön“ ist längst nicht mehr die Maßgabe, sondern Punkte – egal wie. Denn was gerade rund um die Eispiraten abgeht, hat genug Potenzial, um zum völligen Zerfall zu führen. Insofern: Hut ab vor dem Team und dessen Nehmerqualitäten!
Solche Nehmerqualitäten sind auch bei den Buron Joker aus Kaufbeuren gegenwärtig gefragt, vielmehr aber noch Nerven aus Stahlseilen. Denn der ESVK befindet sich im beständigen Sog der Playdown-Plätze und wird noch ein nervöses letztes Saisonviertel durchleben. Ihren bisherigen Saisonhöhepunkt fand die allgäuer Nervosität Mitte Januar, als Coach Daniel Jun von seinen Aufgaben entbunden wurde, da die Talfahrt durchaus dramatische Züge annahm. Der Schwede Leif Carlsson übernahm das Zepter und unter seiner Regie fuhr der ESVK immerhin 8 Punkte in 6 Spielen ein, so dass man aktuell mit 59 Punkten und 124:151 Toren auf dem 8.Platz steht – der Vorsprung nach unten ist dabei kleiner als der Rückstand nach oben.
Zur Erreichung der Saisonziele wird Carlsson vor allem an der Defensivarbeit seiner Cracks arbeiten müssen, denn Kaufbeuren ist derzeit das Team mit den meisten Gegentoren der Liga. Goalie Daniel Fießinger (39 Sp, 3.25 GT/Sp, 90.84%, 1 SO) ist eigentlich ein Meister seines Fachs, was die Fangquote verdeutlicht, aber seine Vorderleute lassen einfach zu viele Schüsse auf das Tor zu, fast 36 Stück pro Spiel und damit die zweitmeisten in der DEL2. Weil Fießinger stets der Turm in der Schlacht ist, spielen die Backups Rihards Babulis, Leon Doubrawa und Michael Karg quasi keine Rolle.
In der Abwehr „kämpft“ Dieter Orendorz (33 Sp, 2+2) derzeit mit Eispirat Denis Shevyrin um den Titel der mit Abstand schwächsten +/- Bilanz unter allen DEL2-Spielern und liegt mit -22 nur 1 Punkt hinter Shevyrin. Wesentlich besser stehen Jamal Watson (CAN, 41 Sp, 9+22), der defensive Alleinunterhalter im rot-gelben Trikot, und Simon Schütz (41 Sp, 7+13) da. Alexander Thiel (22 Sp, 3+9), Fabian Koziol (41 Sp, 4+11), Tomas Schmidt (D-CZE, 28 Sp, 2+2) und Sten Fischer (30 Sp, 0+4) bilden die übrigen Stammcrew in der Defensive.
Offensiv kann Leif Carlsson aus vier Kontingentstürmern wählen bzw. muss wählen, da Defender Watson eine Stammplatzgarantie hat. Colby McAuley (CAN, 38 Sp, 6+14), Nolan Yaremko (CAN, 26 Sp, 3+14), Jacob Lagacé (CAN, 19 Sp, 3+9) und der letzte Woche verpflichtete Ryan Valentini (CAN, 1 Sp, 0+1) stehen hier zur Auswahl. Allerdings befindet sich unter den drei Erstgenannten keiner, der die Erwartungen zu 100% erfüllt, weshalb die Kaufbeurer in Sachen Kontingentstürmern wohl eher zu den schwächeren Teams der Liga gehören. Umso wichtiger ist es, dass mit Samir Kharboutli (D-CZE, 41 Sp, 22+22) und Sami Blomqvist (D-FIN, 39 Sp, 24+18) zwei Cracks regelmäßig die Kohlen aus dem Feuer holen können, immerhin gehen 37% der ESVK-Tore nur auf das Konto dieser beiden. Joseph Lewis (39 Sp, 7+22), Jere Laaksonen (D-FIN, 36 Sp, 6+12) und Max Oswald (30 Sp, 5+8) mischen aber auch immer wieder mal mit. Ansonsten laufen in der Offensive noch Dani Bindels (35 Sp, 2+6), Nick Maul (14 Sp, 2+3), Leon Sivic (37 Sp, 4+1), Quirin Bader (40 Sp, 1+4), Georg Thal (13 Sp, 1+0) und Marvin Feigl (34 Sp, 0+1) auf.
Trotz des Erfolgs am Freitag bleiben die Eispiraten bei ihrem Gastspiel in Kaufbeuren nicht minder gefordert. Ab heute beginnt der Countdown in der Hauptrunde und die Crimmitschauer haben zumindest die Playdown-Hypothek des „Öfter-Gewinnen-Müssens“ vorerst wieder abschütteln können, sollten aber auch in Kaufbeuren Punkte einfahren, um nicht gleich wieder von der Spur abzukommen.