Heute ist wahrhaft ein großer Tag. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Eispiraten-Kapitän Dominic Walsh steigt heute Abend zum alleinigen Rekordhalter für die meisten Spiele im Crimmitschauer Trikot auf – 670! So viele Einsätze für einen einzigen Club, das ist nicht nur in Crimmitschau phänomenal, sondern in ganz Eishockey-Deutschland ein eher seltenes Ereignis. Dieser 12.12.2025 wird allerdings erst perfekt, wenn es den Westsachsen auf dem Eis gelingt, die Blue Devils Weiden als direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt zu besiegen und damit am verlängerten Arm zu halten.
Wenn man die Nachrichten aus der Oberpfalz so verfölgt, kommt in einem unweigerlich die Erinnerung an die Eispiraten-Saison 2024/25 wieder hoch, denn wie die Westsachsen in der Vorsaison, so werden heuer die Blue Devils von einer nicht enden wollenden Verletzungsmisere gebeutelt. Lediglich 7 Spieler haben alle bisherigen 22 Spiele absolvieren können. Aber noch viel dramatischer: Unter den Verletzten bzw. Langzeitverletzten befinden sich aktuell etliche Leistungsträger, die die Weidener in der vergangenen Saison ins Playoff-Viertelfinale getragen haben, etwa Tomas Rubes (D-CZE), Tyler Ward (CAN), Vladislav Filin oder Maximilian Kolb. Gerade das Duo Ward-Rubes ist für das Weidener Spiel eigentlich unverzichtbar.
Jetzt kommt das große Aber: Anders als die Eispiraten in der Vorsaison schert die Weidener dieses Verletzungspech schlichtweg nicht. Das von Sebastian Buchwieser trainierte Team ist so eng zusammengerückt, dass kein Blatt Papier mehr zwischen die Spieler passt und als Kollektiv trotzen die Cracks von der A93 allen Widrigkeiten. Auf Rang 8 liegend mit 33 Punkten und 56:67 Toren aus 22 Spielen hält sich Weiden weiter alle Optionen nach oben offen, von einem Einbruch bislang keinerlei Spur. Und diesen zu erwarten, wäre angesichts der Entwicklung und der Standhaftigkeit der Blue Devils nahezu töricht. Die Crimmitschauer stehen also einem Gegner gegenüber, der das Messer zwischen den Zähnen hat, komme was wolle.
Im Tor können sich die Blau-Weißen dabei ganz auf Simon Wolf (7 Sp, 2.85 GT/Sp, 90.06%, 0 SO) und Felix Noack (15 Sp, 2.99 GT/Sp, 89.68%, 0 SO) verlassen, die trotz ihrer jungen Jahre sehr solide Leistungen zeigen. Einen Schub zwischen den Pfosten erhoffen sich die Verantwortlichen dennoch von der Rückkehr des bis dato verletzten Michael McNiven (CAN), der sein bislang einziges Spiel für Weiden am 3. Spieltag absolvierte und prompt mit Shutout beendete.
Es den Goalies möglichst einfach zu machen ist Aufgabe der erfahrenen Defender Tommy Muck (USA, 22 Sp, 4+12), Calvin Pokorny (22 Sp, 4+4), Manuel Edfelder (20 Sp, 2+4), Tomas Schmidt (D-CZE, 12 Sp, 0+2) sowie dem inzwischen in die Saison gestarteten Dominik Bohac (D-CZE, 3 Sp, 0+0). Dieses Quintett – zusätzlich unterstützt von Luis Marusch, Fabian Ribnitzky, Felix Krüger und Daniel Schwaiger – weiß, wo der Barthel den Most holt und macht die Räume in der eigenen Zone größtenteils sehr gut zu. US-Boy Muck gelingen dabei regelmäßig brandgefährliche Breakouts, die die Offensive beflügeln.
Flügel für die Offensive ist ein gutes Stichwort, denn hier ist nach den Ausfällen von Ward und Rubes lediglich Luca Gläser (20 Sp, 9+7) übrig geblieben, dem man echtes Leadership und Leistungsträgermenthalität nachsagen kann. Mit 4 Toren in den letzten 4 Spielen wird der gebürtige Sachse seiner Verantwortung auch gerecht. Dass die Weidener trotz der Abstinenz ihrer besten Stürmer trotzdem weitermarschieren, liegt an der nicht klein zu kriegenden Rasselbande im Hintergrund, die Willens und talentiert genug ist, dann eben einfach in die großen Fußstapfen zu treten, wenn es erforderlich wird. So haben sich etwa die Jungspunde Paul Vinzens (22 Sp, 1+7), Noah Samanski (22 Sp, 1+7), Georg Thal (22 Sp, 2+2) und Tom Schwarz (21 Sp, 1+2) im Eiltempo in den Vordergrund gespielt und halten die Offensive der Blue Devils Weiden zusammen mit Fabian Voit (21 sp, 6+5), Cedric Schiemenz (22 Sp, 3+7), Constantin Vogt (22 Sp, 4+3) und Neal Samanski (14 Sp, 1+4) am Laufen. Dass dabei noch die Kontingentstürmer Zach Tsekos (CAN) und Nick Jermain (USA) fehlen, fällt kaum mehr ins Gewicht.
Wie eingangs erwähnt, hat die Weidener Nuss eine überaus dicke und schwer zu knackende Schale, besonders für Crimmitschau. Es ist daher zu erwarten, dass die widerspenstigen Oberpfälzer auch heute den Eispiraten wieder kräftig einheizen werden, wie sie es in 4 der bisherigen 5 Duelle seit dem Weidener Aufstieg getan haben. Die Crimmitschauer haben zweifelsfrei mehr Erfahrung und mehr Qualität in ihren Reihen, aber das ist noch lange keine Garantie für ein erfolgreiches Abschneiden. Ein Kampf auf Biegen und Brechen wird es wohl werden, zumal krankheitsbedingt wohl auch der ein oder andere Eispiraten nicht bei 100% ist.
Aber egal wie die Partie ausgehen wird, eines ist sicher: Nach dem Spiel erwarten Dominic Walsh stehende Ovationen von allen Seiten.