Im zweiten Teil unseres Pre-Season-Checks beschäftigen wir uns mit den Starbulls Rosenheim und dem EV Landshut, zwei traditionsreiche Standorte, die beide den Anspruch haben, in der DEL2 eine wichtige Rolle zu spielen. Während Rosenheim nach den starken vergangenen Jahren endgültig zum Spitzenteam gereift ist, will Landshut den nächsten Schritt machen und wieder dauerhaft in die obere Tabellenhälfte vorstoßen. Zwei Teams mit unterschiedlichen Voraussetzungen – und einigen interessanten neuen Gesichtern.
EV Landshut – Konkurrenzkampf auf Kontigentplätzen
Der EV Landshut gehört zweifellos zu den traditionsreichsten Standorten im deutschen Eishockey, der Klub steht für große Namen, eine leidenschaftliche Fanbasis und eine Nachwuchsarbeit, die seit Jahrzehnten zu den besten in Deutschland zählt. Doch Anspruch und Realität lagen in den vergangenen Jahren nicht immer ganz beieinander, denn während Landshut regelmäßig zu den Mannschaften gehört, denen Experten und auch wir von etconline regelmäßig den Sprung in die Spitzengruppe zutrauen, fehlte oftmals die Konstanz über eine komplette Saison. Nach mehreren Jahren in der DEL2 ist die Erwartungshaltung nach wie vor groß: Der EVL möchte nicht nur mitspielen, sondern wieder eine Mannschaft sein, die in den Playoffs ein ernsthafter Faktor ist. Aber reicht die Qualität diesmal für den Angriff auf die vorderen Tabellenplätze?
Für die Saison 2026/27 wurde der Kader gezielt verändert. Die Verantwortlichen setzen weiterhin auf eine Mischung aus erfahrenen Leistungsträgern, etablierten DEL2-Spielern und jungen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs. Die größte Veränderung gibt es auf der Torhüterposition. Mit dem Abgang von Jonas Langmann verliert Landshut einen erfahrenen Rückhalt, der in den vergangenen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft war. Seine Nachfolge tritt der Tscheche Stepan Lukes an – ein Torhüter, der in Deutschland noch nicht den großen Bekanntheitsgrad besitzt, aber genau deshalb eine der spannendsten Personalien des Sommers ist. Sollte Lukes, bei dem der deutsche Pass derzeit geprüft wird, schnell in der DEL2 ankommen und zu einem stabilen Rückhalt werden, könnte er ein wichtiger Faktor für die Saison werden. Gerade in einer ausgeglichenen Liga kann eine starke Torhüterleistung mehrere Tabellenplätze ausmachen.
Mit dem 37jährigen Jon Blum kommt ein Spieler nach Landshut, der auf dem Papier zu den spannendsten Neuzugängen der ganzen DEL 2 gehört. Der US-Amerikaner bringt Erfahrung aus der NHL, KHL und AHL sowie zahlreichen europäischen Stationen mit. Zuletzt spielte er beim HC Pustertal in der ICEHL und kennt damit das europäische Eishockey bereits bestens. Blum ist nicht der klassische Verteidiger, der nur über Härte kommt, seine Stärke liegt in Übersicht, Spielaufbau und der Fähigkeit, eine Defensive zu führen. Genau diese Eigenschaften könnten Landshut in den vergangenen Spielzeiten gefehlt haben und könnte ihn mit seiner Erfahrung zu einem der besten Verteidiger der DEL2 werden lassen.
Nach dem letztjährigen Abgang von Tobias Lindberg wilderten die Verantwortlichen auch einmal mehr im Kader der Eispiraten und holten Ladislav Zikmund. Was der Tscheche kann, davon konnten sich die Eispiratenfans in den letzten drei Jahren überzeugen, gerüchterweise winkt in Landshut auch der deutsche Pass, wie auch immer. Mit Fabian Voit vom Ligakonkurrenten Weiden kommt zudem ein Spieler, der vielleicht nicht die größten Schlagzeilen produziert, aber genau in das Profil erfolgreicher DEL2-Mannschaften passt. Voit ist vielseitig einsetzbar, arbeitet hart und bringt viel DEL 2 Erfahrung mit. Ein weiterer interessanter Neuzugang ist Marc-Olivier Roy, der kanadische Angreifer entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer Art europäischer Wandervogel, konnte aber in vielen seiner Staionen in Finnland, Dänemark, Schweden, Slowakei oder Österreich regelmäßig scoren. Mit Kreativität und offensiven Fähigkeiten könnte er gemeinsam mit verbliebenen vorhandenen Leistungsträgern wie Seonwoo Park, Davis Stiehler, Trevor Gooch, Martin Has und Tobias Lindberg für mehr Durchschlagskraft sorgen. Allerdings ist der Verbleib von Lindberg in Landshut angesichts des Kontigentüberschusses von derzeit 8 Importspielern fraglich, auch wenn Landshut mit Zikmund und Lukes offenbar zwei Ausländer hat, die möglicherweise das Kontigent zu Saisonbeginn nicht mehr belasten. Hier wird ein spannender Kampf um die vier Plätze erwartet.
Der EV Landshut bleibt eine Mannschaft, die man vor jeder Saison ernst nehmen muss. Der Kader wirkt einmal mehr ausgewogen und besitzt interessante neue Bausteine. Ob daraus allerdings ein echter Playoffkandidat wird, entscheidet sich daran, ob und wie schnell die Mannschaft zusammenfindet. Das Team von Trainer Uwe Krupp hat das Potenzial für eine starke Saison, muss aber beweisen, dass aus guten Einzelspielern auch ein erfolgreiches Team entsteht. Der Gang in die Abstiegsränge dürfte an der Isar kein Thema sein, aber je nach Saisonverlauf ist zwischen Heimrecht in den Playoffs und den Pre-Playoffs durchaus alles drin.
Starbulls Rosenheim – Gezielte Verstärkungen für mehr als nur Viertelfinale
Die Starbulls Rosenheim sind eines der besten Beispiele dafür, wie schnell sich ein Klub entwickeln kann. Nach dem Aufstieg aus der Oberliga im Jahr 2023 war zunächst das Ziel, in der DEL 2 Fuß zu fassen, doch die Oberbayern haben diesen Prozess deutlich schneller gemeistert als von vielen gedacht. Bereits in der zweiten DEL 2-Saison kämpfte Rosenheim um die oberen Tabellenplätze und entwickelte sich zu einem unberechenbaren Gegner für jedes Team. In der Saison 2025/26 beendeten die Starbulls die Hauptrunde sogar auf Platz drei und unterstrichen damit ihre Ambitionen. Nun geht es für Rosenheim um den nächsten Schritt, die Oberbayern möchten nicht mehr nur überraschen, sondern gehören mittlerweile selbst zum Kreis der Mannschaften, die mit Blick auf die Playoffs ernst genommen werden müssen. Unterstrichen wird die mit der hinterlegten Bürgschaft für einen DEL-Aufstieg im Fall der Meisterschaft.
Rosenheim setzt auf erfahrene Führungsspieler, eine starke deutsche Basis und gezielte Verstärkungen auf Schlüsselpositionen. Der Kader wurde nicht komplett verändert, sondern punktuell weiterentwickelt. Allerdings wirkt die Verpflichtung von Daniel Fießinger im Tor auf den ersten Blick nicht wie eine Verstärkung, doch tritt der 29jährige auch in äußerst große Fußstapfen, die Oskar Autio hinterlassen hat. Rosenheim bekommt aber mit ihm einen Goalie mit mehrjähriger DEL2-Erfahrung, der gemeinsam mit Christopher Kolarz und dem jungen Louis Müller den Starbulls eine interessante Mischung aus Erfahrung und Entwicklungspotenzial gibt.
Vor den Goalies wurde die Abwehr nach den Abgängen von Joel Keussen, Dominik Tiffels und Maximilian Vollmayer umstrukuriert werden. Die Verpflichtung von Ryan McKiernan, Sean Giles und Erik Ullmann zeigen hier auf, dass der Fokus auf die vielleicht weggefallenen Prozentpunkte auf der Goalieposition gelegt wurde. Mit McKiernan verpflichteten die Starbulls einen Verteidiger mit außergewöhnlich viel Erfahrung, der zahlreiche Jahre im Profi-Eishockey mitbringt. Weniger im Rampenlicht steht Erik Ullman, der 29-jährige Schwede absolvierte aber in Schweden über 250 Spiele in der HockeyAllsvenskan und kommt damit mit reichlich Erfahrung aus einer Liga, die für ihre technisch gut ausgebildeten und taktisch disziplinierten Spieler bekannt ist. Gemeinsam mit dem verbliebenen starken Shane Hanna soll hier eine erfahrene Defender-Achse gebildet werden.
Im Angriff wurde an der Mangfall ebenfalls nur gezielt verändert, allerdings mussten die Verantwortlichen den erfahrenen Charlie Sarault und den schnellen Kampfzwerg Ville Järvelainen ersetzen. Letzten könnte der aus Ingolstadt kommende junge tschechische Stürmer Samir Kharboutli ersetzenb, denn der bringt Tempo und Entwicklungspotenzial mit und könnte im Laufe der Saison eine größere Rolle übernehmen. Der Kanadier Jordy Bellerive kommt aus der slowakischen Liga und bringt einen beeindruckenden Erfahrungsschatz aus der AHL, Schweden und der Slowakei mit. Er ist kein Spieler, der erst beweisen muss, dass er auf höherem Niveau bestehen kann, sondern kommt er mit dem Anspruch, auch eine Führungsrolle einzunehmen. Eine kleine Wundertüte könnte Keaton Mastrodonato darstellen, der 25 jährige absolvierte 38 Spiele in der AHL und sammelte anschließend vor allem in der ECHL viel Erfahrung. Dort kam der Rechtsschütze auf eine beeindruckende Bilanz von 463 Punkten in 578 Spielen. Was ihn für Rosenheim besonders interessant macht: Er ist noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung. Der Schritt nach Europa könnte für ihn die Chance sein, erstmals dauerhaft eine größere Rolle auf höherem Niveau zu übernehmen.
Die größte Stärke der Starbulls ist inzwischen die gewachsene Mannschaftsstruktur. Rosenheim hat sich vom Aufsteiger zum Spitzenteam entwickelt, verfügt über eine klare Identität, einen starken Trainerstab und Spieler, die wissen, welche Anforderungen die DEL2 stellt. Dazu kommt eine Mischung aus Erfahrung und Entwicklungspotenzial. Die Mannschaft ist nicht nur auf einzelne Stars angewiesen, sondern besitzt mehrere Reihen, die Spiele entscheiden können. Jedoch muss sich zeigen, ob die Mannschaft die enorme Qualität auch in den Playoffs bestätigen kann. Die vergangenen beiden Spielzeiten endeten jeweils im Viertelfinale, der nächste Schritt wäre nun der Einzug ins Halbfinale, ein durchaus realistisches Ziel.