Kassel Huskies – Einmal mehr sehr bissig
Die Huskies waren in der vergangenen Saison ganz nah dran, mal wieder, nach einer starken Playoff-Runde fehlte am Ende nur ein Schritt zum großen Ziel – im Finale mussten sich die Nordhessen den Pinguinen aus Krefeld geschlagen geben. Trotz Nichtaufstieg kann man an der Wilhelmshöhe durchaus von einer erfolgreichen Saison sprechen, doch zur anstehenden Spielzeit ist der Kader deutlich verändert worden. Namen wie Simon Schütz, Andrew Bodnarchuk, Tim Bender, Bode Wilde, Kaspars Daugavins, Dominic Turgeon und Mitch Hoelscher sind nicht mehr dabei, insgesamt haben 13 Spieler den Verein verlassen. Auch hinter der Bande gibt es eine Veränderung, Todd Woodcroft verlässt Kassel und sein bisheriger Assistent Petteri Väkiparta übernimmt den Cheftrainerposten. Der Finne kennt die Mannschaft, das Umfeld und die DEL2 bestens und muss also nicht bei null anfangen. Ob Väkiparta aus der Mannschaft noch etwas mehr herausholen kann als sein Vorgänger, wird sich zeigen. Auf jeden Fall kann sich die gesamte Liga aieder auf erfrischende Pressekonferenzen freuen.
Im Tor setzt Kassel auf Philipp Maurer, der 25-Jährige geht in seine nächste Saison bei den Huskies und soll nach dem Abgang von Oleg Shilin und Brandon Maxwell mehr Verantwortung übernehmen. Das er das kann, hat er bereits in der vergangenen Saison mehrfach bewiesen. Mit Leon Willerscheid kommt zudem ein junger, entwicklungsfähiger Torhüter hinzu, der in der vergangenen Saison bei den Adler Mannheim bereits erste Erfahrungen sammeln konnte und in den Playoffs für die Jungadler beziehungsweise im Profibereich auf sich aufmerksam machte. Als Nummer 3 steht mit Alexander Pankraz ein echtes Kasseler Eigengewächs im Kader.
In der Abwehr ist der Umbruch besonders deutlich bemerkbar. Nachdem mehrere gestandene Verteidiger Kassel verlassen haben, soll die Defensive unter anderem mit Johannes Huß, Lukas Jung und Leonhard Korus weiterentwickelt werden Der 24-Jährige Korus kommt vom frischgebackenen DEL2-Meister Krefeld und war zuvor mit Ravensburg bereits Vizemeister, er kennt sich also mit lang andauernden Saisons bereits aus, die Siegermentalität ist auf jeden Fall vorhanden. Er ist kein großer Scorer und genau diese Rolle muss er spielen, denn mit seiner Größe und körperlichen Präsenz soll er der Kasseler Defensive Stabilität verleihen. Und auch ein Martinovic spielt diese Saison wieder in Kasel, diesmal Jimmy, der Neffe von Ex Eispiraten- und Huskies-Goalie Sinisa Martinovic. Der 24-Jährige kommt von den Grizzlys Wolfsburg und bringt trotz seines Alters bereits 218 DEL-Spiele mit. In der vergangenen Saison absolvierte er 40 Partien für Wolfsburg und kam auf sechs Assists. Er ist ein klassischer defensiv orientierter Verteidiger: robust, zweikampfstark, mobil und vor allem darauf bedacht, hinten aufzuräumen. Neu hinzu in er Defensive kommt auch noch der 21-Jährige Lukas Jung aus Ravensburg.
In der Offensive ist der wohl prominenteste Neuzugang Matt White. Der 35-jährige US-Amerikaner bringt eine beeindruckende Vita mit. Nach Stationen in Nordamerika, Russland und Europa spielte er mehrere Jahre in der DEL und gewann mit den Eisbären Berlin sogar 2021 und 2022 die deutsche Meisterschaft. Zuletzt stand er drei Jahre bei den Grizzlys Wolfsburg unter Vertrag und kam dort auf 122 Punkte in 135 Spielen. Mit Chris Wilkie stößt ein weiterer US-Amerikaner ins Team, der zuletzt für die Löwen Frankfurt spielte und vor seinem Wechsel nach Deutschland unter anderem das US National Team Development Program durchlief. Mit Brendan O’Donnell haben die Huskies einen weiteren ausgesprochen erfahrenen Kontingentstürmer verpflichtet, der nicht erst beweisen muss, dass er DEL2-Niveau besitzt. Er soll vielmehr sofort Verantwortung übernehmen.Auch aus Crimmitschauer Sicht fällt ein Name auf: Till Michel wechselt von den Eispiraten nach Kassel und wird hoffentlich eine für ihn wichtige Entwicklungsstufe nehmen. In Kassel ist die Konkurrenz allerdings deutlich größer als in Westsachsen. Zusammen mit den verbliebenen Spielern wie Hunter Garlent, Jake Weidner, Laurin Braun oder Tristan Keck dürften die gegnerischen Defensivlinien stets Beschäftigung haben.
Kassel bleibt einer der Maßstäbe der DEL2. Die Vizemeisterschaft 2025/26 war bereits die vierte Finalteilnahme in den vergangenen sechs Spielzeiten – Konstanz auf diesem Niveau ist kein Zufall. Zwar ist der Umbruch nach dem verlorenen Finale größer als zunächst gedacht, doch die Abgänge wurden qualitativ aufgefangen. Möglicherweise fehlt ein Torwart mit der Erfahrung eines Shilin oder Maxwell, was auf dieser Position mit den Ansprüchen der Nordhessen Fragezeichen aufzeigt. Philipp Maurer muss nach dem Abgang der bisherigen erfahrenen Goalies beweisen, dass er eine komplette Saison als Nummer eins auf Spitzenniveau absolvieren kann.
Dennoch ist Kassel einmal mehr ein Meisterschaftsfavorit, jeder Titelanwärter in der kommenden Saison muss die Huskies an die Leine legen. Wichtig ist bei der Mission Titel, dass Väkiparta die neue Mannschaft schnell zusammenbekommt. Dann ist alles möglich…
Crimmitschau – Das Team ist Teil der Familie
Wie so oft gehen die Eispiraten Crimmitschau mit einem der kleineren Etats der Liga in die neue Saison. Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Eipiraten regelmäßig in der Lage sind, aus überschaubaren finanziellen Mitteln eine konkurrenzfähige Mannschaft zu formen. Nach dem Verpassen der direkten Playoffs in der Vorsaison standen die Verantwortlichen im Sommer vor der Aufgabe, Leistungsträger zu ersetzen, ohne dabei die Identität der Mannschaft aufzugeben. Mit Adam McCormick, Dylan Wruck und Mirko Sacher konnten drei der wichtigsten Führungsspieler langfristig gebunden werden. Auch Kevin Reich geht als klare Nummer eins in seine zweite Saison im Sahnpark. Schwer wiegt allerdings der Abgang von Corey Mackin, der US-Amerikaner gehörte über die letzten beiden Spielzeiten zu den gefährlichsten Angreifern der DEL2 und hinterlässt offensiv eine Lücke, die sich kaum eins zu eins schließen lässt.
Die bisherigen Neuzugänge haben wir auf etconline bereits regelmäßig vorgestellt, unter anderem kommt Emil Quaas als zuverlässiger Zwei-Wege-Verteidiger von der Düsseldorfer EG und soll der Verteidigung zusätzliche Stabilität verleihen. Mit Pascal Seidel von den Lausitzer Füchsen verpflichteten die Westsachsen einen jungen Torhüter, der zunächst als Backup für Kevin Reich eingeplant sein dürfte. Ob er sich mittelfristig mehr Einsatzzeit erarbeiten kann, bleibt abzuwarten. Besondere Aufmerksamkeit dürfte außerdem der von den Hammer Eisbären verpflichtete Leon Schulz erhalten, der 22-jährige Verteidiger kommt zunächst mit einem Tryout-Vertrag und bringt nicht nur Entwicklungspotenzial mit, sondern auch einen bekannten Namen: Sein Vater Karsten Schulz zählt zu den prägenden Spielern der ETC-Geschichte. Der junge Leon Neiger vom SC Riesersee deutete bereits in der vergangenen Saison in der Oberliga an, dass er mehr als nur ein Ergänzungsspieler sein kann, in der kommenden Spielzeit könnte ihm endgültig der Durchbruch gelingen. Die Eispiraten haben mit der Verpflichtung von Jarno Kärki in dieser Woche noch einmal ein Ausrufezeichen gesetzt. Ob der Finne tatsächlich die Lücke schließen kann, die Corey Mackin hinterlassen hat, wird sich erst auf dem Eis zeigen. Zumindest aber ist die Hoffnung berechtigt, dass Crimmitschau offensiv deutlich schwerer auszurechnen sein wird als noch vor einigen Wochen.
Crimmitschau verfügt erneut über eine sehr homogene Mannschaft, viele Spieler kennen Trainer Jussi Tuores und dessen Spielsystem bereits. Gerade die mannschaftliche Geschlossenheit und das von den Spielern und deren Familien geschätzte Umfeld waren in den vergangenen Jahren häufig der Schlüssel zu Überraschungserfolgen. Die Eispiraten dürften erneut eine unangenehme Mannschaft werden, gegen die kaum jemand gerne spielt. Für die direkte Playoff-Qualifikation wird allerdings vieles zusammenpassen müssen, vor allem in der Offensive müssen mehrere Spieler einen Schritt nach vorne machen, sofern nicht noch ein oder zwei Knipser aus dem Handgelenk gezaubert werden. Gelingt es den Neuzugängen, die entstandenen Lücken schneller als erwartet zu schließen, bleibt das Verletzungspech dem Sahnpark einfach mal fern und entwickelt sich mindestens einer der jungen Spieler zum Leistungsträger, ist Platz zehn oder besser durchaus realistisch.