Nach langer Abstinenz kehrt sie zurück – die größte Klappe und das kleinste Reflektionsvermögen – Der Backcheck. Wir blicken mit euch auf Märchen, Konfettikanonen und ein Wochenende wo Freud und Leid eng beieinander liegen.
Märchenstunde im Ehemaligenclub
Das zweite Auswärtsspiel der Saison sollte die Eispiraten in die Gebrüder-Grimm-Stadt nach Kassel führen. Wie eine Reise in die Vergangenheit fühlte sich dann auch die Ankunft an. Christ, Klinge und der mit einer Bannerzeremonie bedachte Alexander Heinrich sind alles ehemalige Eispiratenspieler und da die Kopie niemals so gut ist wie das Original ging das Märchen für die Huskies auch nicht mit einem Happy End aus … Zwei Bannerzeremonien in einer Woche, so viele Banner sieht man sonst nur, wenn man „aus Versehen“ auf eine Seite für menschliche Interaktionen im Intimbereich klickt und sich die nächste Malware einfängt.
Zum Klassentreffen mit den Märchenonkels erzählte man sich auch noch die Geschichte vom ungeschlagenen Spitzenreiter, doch nach dem Spiel wirkte dies wie eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten.
„Will“ensbekundung
Couragiert und mit breiter Brust marschierten die Eispiraten in der Herkulesstadt ein und stellten die Huskies durchaus vor schwierige Aufgaben. Lutz ließ Maurer erstmals Pfötchen geben, doch noch wurden die Eispiraten nicht mit einem Leckerli belohnt, im Gegenteil. (5. Min.) Zwar machte Ex-Eispirat Michel fein „Platz“ auf der Strafbank, doch die Eispiraten wussten die sich bietende Überzahl nicht zu nutzen. Im Gegenteil – der Schuss ging ordentlich nach hinten los – Weidner eroberte den Puck in Unterzahl und schickte Mieszkowski auf die Reise, der Seidel im Tor keine Chance ließ und zum 1:0 vollendete (7. Min.) Die Eispiraten steckten jedoch nicht auf und erspielten sich mutig weitere Chancen. Powerplay Nummer zwei wurde den Eispiraten dann als Gastgeschenk überreicht und Will sagte artig danke. Nach Spielaufbau von Garthe, nahm Sacher den Puck auf, Shevyrin fälschte noch leicht ab und wo ein Will ist, ist auch ein Weg – Logan Will vollendete zum verdienten Ausgleich 1:1 (14. Min.). Die Huskies wirkten konsterniert, ähnlich einem Hund, der seinem eigenen Schwanz nachjagt, und irrten immer wieder verwirrt übers Eis, während die Piraten Angriffswelle um Angriffswelle starteten und einzig und allein die Maurerkelle im Tor der Huskies den Rückstand verhinderte.
Doppelschlag
Weniger Wiedersehensfreude dürfte es dann im zweiten Drittel für Maurer mit den Eispiraten gegeben haben. Zwei Mal musste der Torhüter der Huskies hinter sich greifen. In der 33. Spielminute legte Lutz clever auf Garthe zurück und der Kanonier vom Dienst verbuchte seinen zweiten Punkt an diesem Abend. 1:2 (33. Min.). Nur 98 Sekunden später spielte Brune seine ehemaligen Klassenkameraden schwindlig. Speedy Gonbrunez überlief die Würstchen im Schlafrock einfach und weil die Wiedersehensfreude so groß war, begegneten sich Puck und Tornetz von Maurer zum zweiten Mal in diesem Drittel 1:3 (35. Min.). Und auch wenn Cespiva nochmal versuchte den Huskies eine Chance zu geben, so überstanden die Eispiraten auch die Unterzahl nach Hinausstellung von Adams in der 36. Minute schadlos. So leicht war es lang nicht für die Eispiraten und es zeigte sich erstmals dass der bis dahin souveräne Spitzenreiter eher ein lahmender Esel, als das Königsross war.
Heute gibt es Streuselkuchen
Dies konnte Väkiparta nicht schmecken und so versuchte er seinen Mannen noch einmal etwas Kampfgeist für das letzte Drittel einzuimpfen. Mit Erfolg, denn vom Bully weg spielte White clever zu O’Donnell der schon Gewehr bei Fuß stand und den verdutzten Seidel Lehrgeld zahlen ließ. 2:3 (43. Min.). Im Anschluss wollte Mieszkowski seinem Team sicherlich noch einmal die Chance auf einen Shorthander geben und musste auf die stille Treppe. Kaum saß Mieszkowski, lud McCormick durch, und im hohen Slot fälschte Brune den Puck unhaltbar zum 2:4 (48. Min.) ab. Alles was ihr könnt, können wir noch besser sagten sich die Huskies in der 53. Minute, denn während die Eispiraten 35 Sekunden für ihren Powerplaytreffer brauchten, brauchte Kassel nur 22 Sekunden für den eigenen Treffer … es kommt ja aber auch wirklich nicht auf die Länge an, sondern auf die Technik und die Huskies haben ja auch sonst tolle andere Qualitäten. Zurück zum eigentlichen Thema, bin etwas abgeschweift – Wilkie vollendete zum 3:4 in Überzahl und der Abend wurde noch einmal spannend. (53. Min.). Zum Glück ist Sebastian Streu jedoch ein Spätzünder und ließ gar nicht mehr so viel Spannung aufkommen. Wie bereits gegen Dresden vollendete die Streubombe in der 57. Minute und würde ein Eishockeyspiel regulär 67 Minuten gehen, könnten die Kids jetzt „Six Seven“ brüllen. Ein harmloser Jugendtrend bei denen die Kinder abfeieren, wenn die Zahl 67 irgendwo auftaucht und der bedeuten soll, dass die Dinge recht gleichgültig sind. Ganz und gar egal dürfte den Huskies der Treffer des Streuselkuchens zum 3:5 Endstand nicht gewesen sein, bedeutete er doch die erste Heimniederlage der Huskies und das Happy End für die Eispiraten und auch wenn O’Donnell beim 6 gegen 5 nochmal die Latte traf, konnten die Eispiraten den Sieg ins Ziel bringen. Zwei Powerplaytreffer aus drei Powerplaysituationen und wahrscheinlich hatten die Huskies so viele Tränen in den Augen, weil sie schon jetzt so viele zukünftige, ehemalige Eispiratenspieler im Huskiesdress sehen konnten.
Fazit
Seidel mit Debüt, Bannerzeremonie, der doppelte Brune. Die verlorenen Punkte aus W*iden wieder geholt. Ungeschlagen war einmal und die Moral von der Geschicht – die Eispiraten haben drei Punkte mehr, die Huskies nicht.
Der Abend, der später kam
Das Derby gegen die Lausitzer Füchse stand unter besonderen Vorzeichen, denn Olympiateilnehmerin Mathilda Heine durfte sich vor dem Spiel ins Goldene Buch ihrer Heimatstadt eintragen. Mit 17 Jahren, inzwischen bei den Eisbären am Puck und noch eine verheißungsvolle Karriere bevorstehend, repräsentiert sie Stadt und Land mit Würde und Ehrgeiz, und ihre Leistungen verdienen Bewunderung und Anerkennung. Das sei vorweg gesagt, weil es an diesem Abend leicht unterging: Gesprächsstoff lieferte nicht nur Mathilda Heine, sondern auch die missglückte Choreographie der Kultras.
„Wer nichts macht, macht nichts verkehrt“, heißt es, und sicherlich ist Kritik angemessen, denn im Rahmen der Choreo landeten Konfetti und Luftschlangen auf dem Eis und im Fangnetz, die Teams mussten zurück in die Kabine, das Eis wurde aufbereitet, beide Mannschaften wärmten sich ein zweites Mal auf, und so wurde das Spiel erst um 17:55 Uhr angepfiffen, knapp eine Stunde später als geplant. Auch der Verein stellt in seiner Stellungnahme klar, dass er Choreos und Fankultur ausdrücklich wertschätzt, der Spielbetrieb aber nie gefährdet werden darf; die DEL2 hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, mit einer Strafe ist zu rechnen, und die finanzielle Belastung kann sich nach Angaben des Vereins auf einen fünfstelligen Betrag belaufen.
Der Ärger und die Konsequenzen sind damit real und legitim. Nicht belegen lässt sich dagegen, dass die Pause dem Spiel geschadet hat, denn beide Mannschaften mussten sie überstehen, und das Schlussdrittel ging verdient an die Füchse.
Nach Darstellung der Kultras sollten die Konfetti-Shooter senkrecht nach oben feuern, wegen einer Kommunikationspanne gingen sie aber schräg in Richtung Eis, und die Folgen hatten sie nach eigener Aussage massiv unterschätzt. Gezielt war damit allenfalls die Idee, nicht das Ergebnis, und wer den Kultras ein Geltungsbedürfnis oder gar das Kalkül unterstellt, den Spielbetrieb zu stören, verwechselt eine Fehleinschätzung mit Absicht. Gewollt war eine Choreo, die Crimmitschau einmal mehr bunt, laut und fröhlich präsentiert, und lassen wir mal die Kirche im Dorf: Grundsätzlich war es wieder ein absoluter Hingucker, selbst unser Ticker sprach von einer „sehenswerten“ Choreo. Die Zeit, der Aufwand, die Organisation und die Hingabe waren definitiv erkennbar, und dafür gilt es den Kultras auch Anerkennung zu zollen.
Was dagegen nicht weiterhilft, ist die Hau-drauf-Haltung, die man in solchen Momenten bei manchen Anhängern erlebt: Wer die Kultras als Ganzes in der Luft zerreißt, macht aus einem Fehler ein Feindbild, und mit Gegeneinander statt Miteinander lässt sich kein Problem lösen. Man kann zu den Kultras stehen, wie man will, auch ich bin ein regelmäßiger Kritiker, aber wer noch am selben Abend Verantwortung übernimmt, im Stadion per Megaphon erklärt, dass die Aktion so nicht geplant war, und ankündigt, für den Schaden aufzukommen, statt sich in Ausreden zu verflüchtigen, dem gebührt dafür Respekt.
Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie auch unser Ticker an diesem Abend festhielt, und es ist ein guter erster Schritt, auch wenn Kosten und Strafmaß noch offen sind: Am Tag danach bekräftigte die Heinekurve in einem schriftlichen Statement ihre Verantwortung, entschuldigte sich bei Fans, Spielern und Verantwortlichen und kündigte an, zu beraten, wie sich die finanziellen Folgen bestmöglich abfedern lassen.
Jetzt mal ganz ehrlich – ich denke, die Leute der Heinekurve haben sich über die missglückte Aktion ebenfalls geärgert, aber sie sind dafür geradegestanden und haben sich nicht weggeduckt. Das ist erwachsen, das ist anerkennenswert und das ist die Form von Miteinander, die man sich wünscht.
Natürlich wünscht man sich als Fan von den Kultras auch grundsätzlich mehr Kommunikation, gerade nach Vorfällen, denn eine Kurve präsentiert sich nicht nur über ihre Choreos, sondern auch darüber, wie sie mit Fehlern umgeht. In diesem Fall hat sie sich positioniert und Verantwortung übernommen, und wer von uns noch nie einen Fehler gemacht hat, darf gern den ersten Stein werfen.
Freude und Leid dicht beieinander
Zum Spiel – es war das typische Füchsespiel: Die Eispiraten gehen zweimal in Führung, und am Ende gewinnen die Füchse. Gehen wir rein? Ja, aber nur kurz, damit es auch nur kurz wehtut. Bereits seinen vierten Saisontreffer erzielte Noah Garthe mit dem 1:0 (11. Min.): Lutz setzte sich sehenswert hinter dem Tor durch und spielte Garthfield frei, der sich artig bedankte. Lediglich 79 Sekunden sollte die Freude der Eispiratenanhänger jedoch dauern: Puckverlust im Spielaufbau, Theodore völlig frei und schon „haste de Huddelei“ (1:1, 13. Min.). Und weil das noch nicht reichte, um das Drittel zu ruinieren, gingen die Eispiraten auch noch mit einer Unterzahl ins zweite Drittel, als Reich Scheidl das Bein stellte.
Ausgefuchst
Diese Überzahl der Füchse hatte ungefähr die Durchschlagskraft eines Babys, das gegen einen Grizzly kämpft, und so erwehrten sich die Eispiraten problemlos der Angriffsbemühungen. Besser machten es die Eispiraten in der 34. Minute, als Brännstam eine Strafe wegen Hohen Stocks absitzen musste: Shevyrin wurde mustergültig von „The Cat“ Garthe bedient und netzte zum 2:1 ein. Kurz darauf (36. Min.) bezog Brännstam wegen eines Beinstellens schon wieder seinen neuen „Safe Space“ auf der Strafbank, und hätte Wruck in dieser Überzahl nicht den Pfosten getroffen (37. Min.), wäre die Messe wahrscheinlich schon gelesen gewesen. Anscheinend hatten die Eispiraten ihr Powerplayglück für das Wochenende bereits im Kasselspiel aufgebraucht.
I hate Mondays (Sundays …)
Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Nachdem Garthe in der 43. Minute Morrone schon fast überwunden hatte, kratzte dieser den Puck in letzter Sekunde von der Linie, und anscheinend weckte das die Füchse endgültig auf, auch wenn es zum Ausgleich dann doch eine Überzahl brauchte: Als Shevyrin wegen eines Hakens auf die Strafbank musste, vergingen gerade einmal 17 Sekunden, bis Schmidt-Svejstrup nach einem Querpass von Lemos per Direktschuss zum 2:2 (47. Min.) traf – klar, warum nicht gleich Ezekiel Knickerbockerhausenstrumpfkopfsvejtnarkojewtski als Name für das Trikot aussuchen. Plötzlich gerieten die Piraten in Seenot, und wie die listigen Füchse nun mal so sind, traten sie mit breitem Kreuz auf: Breitkreuz kurvte gemütlich um Reich herum und legte zurück auf Brady, der zum 2:3 (55. Min.) nur noch einschieben musste, während die Eispiraten ehrfurchtsvoll zuschauten und Löcher in die Luft starrten. Auch das letzte Aufbäumen mit dem sechsten Feldspieler ähnelte dann mehr einem sehr, sehr müden Kleinkind und so kassierten die Eispiraten am Ende verdient die Niederlage.
Fazit
Noah Garthe ist der Wahnsinn, und nach dem herausragenden 5:3 in Kassel am Freitag und der Ehrung von Mathilda Heine am Sonntag blieb am Ende doch ein bitterer Geschmack zurück, denn zu Buche stehen nicht der Sieg in Kassel, sondern eine ungewollte Spielverzögerung und eine noch ungewolltere 2:3-Niederlage, die man besser nicht miteinander verrechnet. Nun gilt es, den Kahn wieder auf Kurs zu bringen und am Freitag in Landshut zu punkten.
Noah Garthe– Ein Juwel mit Torriecher
Louis Brune – Wegbereiter für den Sieg
Tim Lutz– wichtiger Offensivmotor, verewigte sich mit 2 Assists