Die Eispiraten waren am zurückliegenden Wochenende zum Hochzeitstanz und zuhause verbrachten sie die Flitterwochen, so romantisch wie sie waren, nahmen sie auch alle Geschenke entgegen.
Das Jawort nach 33 Sekunden
Vor 4.081 Zuschauern, bei einer Kapazität von 4.448 also vor einer erfreulich vollzähligen Festgesellschaft, brauchten die Eispiraten ganze 33 Sekunden bis zum Jawort: Querpass vors Tor, Lukes ließ abprallen, Kärki staubte zum 0:1 ab (1. Min.), und damit wurde schneller geheiratet, als Zeit vergeht zwischen spontaner Hochzeit und Scheidung. In der 7. Minute folgte die Brautentführung, denn Brune schaltete den Turbo ein, ließ die Gastgeber stehen und erhöhte ohne jede Vorlage auf 0:2 – Brunaldo eben, nur dass diesmal nicht einmal jemand hinterherlief. Die Überzahlspiele nach Strafen gegen Lutz (17. Min.) und Shevyrin (20. Min.) blieben ungenutzt, offenbar galt in Landshut die Etikette, dass man als Gastgeber nicht auch noch trifft. Auf der Gästeliste fanden sich laut Ticker außerdem die Ehemaligen Lindberg und Zikmund, „giftig wie gewohnt, nur diesmal im falschen Trikot“ und wie es sich gehört, saßen die Ex-Partner am Katzentisch.
Der Geschenketisch
Im Mittelabschnitt zeigte sich, wie Landshut Gastfreundschaft versteht, denn die Gastgeber schossen 16-mal aufs Tor (die Eispiraten sechsmal) und verschenkten das Entscheidende trotzdem selbst: Nach den Strafen gegen Immo (26. Min.) und Jobke (28. Min.) legte Lukes den Puck hinter dem eigenen Tor ab wie die Hochzeitstorte vor dem Anschnitt, und Adams nahm sie dankend auf und schob sie am überraschten Lukes vorbei ins Netz (0:3, 29. Min.). Schöner als dieses Geschenk sind nur die Flitterwochen. Wie sich das für eine Hochzeit gehört, folgte der Tanz, Adam Mc Cormick tanzte in der 35. Minute durch die Landshuter Abwehr, die in Person von Lindberg und Zikmund als staunendes Spalier Aufstellung nahm; Lukes sank vor ihm auf die Knie, was auf Hochzeiten entweder einen Antrag oder eine Kapitulation bedeutet, und McCormick lupfte den Puck über den Schoner zum 0:4.
Der Brautstrauß
Das 0:5 ließ nach Immos Hohem Stock nur 35 Sekunden auf sich warten: Brune zog aus dem Handgelenk ab (Wruck, Kärki, 41. Min.), und Lukes verteilte auch hier Geschenke, bis der Gabentisch leer geräumt war. Den Brautstrauß, den bekanntlich immer nur einer fängt, fing in der 47. Minute Stieler, der im kurzen Eck über Reich hebelte (Elsner, 1:5), und weil auf jeder Hochzeit irgendwann der Verwandte auftaucht, der nach dem Büfett noch Gesprächsbedarf hat, hieß er diesmal Elsner, suchte nach einem Tête-à-Tête mit Schulz die Aussprache und bekam dafür zehn Minuten Disziplinarstrafe (56. Min.), bei gut viereinhalb Minuten Restzeit also den Rest des Abends.
Am Ende standen 37:20 Schüsse für Landshut zu Buche, aber nur ein Tor, während die Eispiraten jeden vierten Schuss versenkten (5 von 20); in 6:26 Minuten gespielter Überzahl blieb Landshut ohne Treffer (0 von 4), die Eispiraten nutzten ihre 5:54 Minuten zweimal (2 von 5), und Reich wehrte 36 von 37 Schüssen ab. Wer da noch Einwände hatte, hätte jetzt sprechen müssen, nur dass die Landshuter bis zur 47. Minute gar nicht zu Wort kamen.
Vor dem Anpfiff nahm Coach Jussi Tuores mit seiner Frau für den frischen Nachwuchs eine Windeltorte entgegen, organisiert von FanICE und gespendet von den Fans, womit das Wochenende ohne Umweg von der Hochzeit beim Nachwuchs angekommen war – herzlichen Glückwunsch an die Familie. Ohne Kapitän Walsh, Lutz und Garthe, die verletzt aus Landshut zurückkamen (gute Besserung an alle drei), liefen die Piraten mit zwei Debütanten auf: Felix Thomas mit seinem Saisondebüt und Lars Hamori mit seinem Heimdebüt.
Streusalz auf Stahl
Stahlhart starteten die Steelers, und nach vier Minuten fühlte sich das auch so an: Pape zog von der blauen Linie ab, Cerny stand Reich als Sichtschutz im Weg, und nachdem der Videobeweis das Tor bestätigt hatte, hieß es 0:1 (5. Min., Pape, Vorlage Fonstad). Die Gäste bestimmten mit aggressivem Forechecking die Anfangsphase, bis Bender nach einem Stockschlag auf die Strafbank musste (18. Min.) und Kärki nach einem perfekten Setplay vom Bullygewinn weg nur zwölf Sekunden später zum 1:1 traf (Brune, Adams). Und weil Stahl nirgends schneller rostet als unter Streusalz, folgte 69 Sekunden später Streu: Adams spielte den diagonalen Traumpass durch die Offensivzone, und Streu zirkelte den Puck aus Nahdistanz unters Dach (Adams, McCormick, 2:1, 19. Min.).
Schwanensee im Sahnpark
Im Mitteldrittel ging es mit der Schauspielkunst weiter: Nach den Strafen gegen Schüle (29. Min., Halten) und McCormick (33. Min., Beinstellen) fuhr Schmid an Gästetorhüter Salmik vorbei, der daraufhin den sterbenden Schwan gab, und was die Schiedsrichter zunächst mit zwei Minuten für Schmid quittierten (35. Min., Beinstellen), korrigierten sie nach dem Protest der Eispiraten-Bank, indem auch Salmik zwei Minuten für Unsportliches Verhalten. Brune, der laut Co-Trainer Fabian Dahlem aktuell mit „heißem Schläger“ spielt, bestrafte die Vorstellung in doppelter Unterzahl, drei gegen vier, mit einem Schuss ins Kreuzeck zum 3:1 (35. Min., ohne Vorlage), und weil Piraten Salzwasser gewohnt sind, störte es sie wenig, dass der Stahl dabei weiter rostete. Die Steelers kamen in dieser Phase auf genau zwei Minuten gespielte Überzahl (0 von 1) und mussten sich von einem Unterzahltreffer die Bilanz verderben lassen. Dass Reich, die Krake vom Sahnpark, bei Dugans Pfostenschuss ein wenig Glück brauchte, ändert nichts daran, dass er den Rest festhielt.
Rost nach elf Jahren
Im Schlussabschnitt ging es zunächst rustikal zu: Als Fonstad mit dem Stock auf Reich los fuchtelte, stellte Brune ihn sofort zur Rede, und weil man dem Eheleben auch im elften Jahr ein paar Wortgefechte schuldet, folgte ein wilder Trash-Talk. Danach fand McCormick im Slot den Schläger von Kärki, der den kurzen Weg ins Tor nahm (4:1, 44. Min., McCormick, Will). Dass Fonstad, der den Goldhelm nicht umsonst trägt, nur 17 Sekunden später per One-Timer verkürzte (Cerny, Söll, 4:2, 44. Min.), war die Art Erinnerung, die man im elften Ehejahr gern bekommt: Es kriselt nicht, es rostet. Nach weiteren 78 Sekunden schob Will den Puck im Gewühl unter Salmik hindurch, und nachdem der Videobeweis eine mögliche Behinderung durch Kärki geprüft hatte, blieb es beim 5:2 (46. Min., Kärki, McCormick). In der 47. Minute handelte sich Quaas mit einem Stockschlag einen Strafschuss ein, ehe Dugan, vor Reich fast zum Stehen gekommen, an ihm scheiterte; Kärki verpasste den Hattrick danach zweimal knapp.
Fazit
Zehn Tore, sechs Punkte und Platz 3 (drei Plätze besser als nach dem 7. Spieltag): Laut Ticker war es das erste Sechs-Punkte-Wochenende der Saison. Kärki und Brune trafen je dreimal, und Brune ließ sich nach dem Spiel von den Fans zur Ehrenrunde rufen. Die Steelers warten nach vier Auswärtsspielen weiter auf den ersten Sieg in der Fremde (8:17 Tore) und hätten gegen Piraten wissen können, dass Stahl und Salzwasser keine gute Ehe führen. Statistisch blieb es mit 21:15 Schüssen und einer Überzahlquote von 1 von 4 (5:33 Minuten gespielt) bei einem Sonntag ohne Herzschlagfinale.
Die Moral von der Geschicht: Wer auf der Hochzeit das Büfett abräumt und am Hochzeitstag den Stahl zum Rosten bringt, wird sicher wieder eingeladen. Die nächste Einladung steht bereits: Am Freitag, 16.10., um 19:30 Uhr empfangen die Eispiraten den EC Bad Nauheim im Sahnpark, bevor es am Sonntag, 18.10., um 18:30 Uhr nach Ravensburg geht.
Jarno Kärki– 5 Punkte, angekommen
Logan Will – Der Name ist Programm
Kevin Reich– Krake