Zugegeben, jeder von uns hat ja schon mal ein kotzendes Pferd gesehen. Deshalb wollen – nein – können wir noch gar nicht davon reden, dass die Eispiraten den Klassenerhalt ganz sicher in der Tasche hätten. Nehmen wir nur mal an, Crimmitschau verliert die beiden restlichen Partien und Freiburg gewinnt beide – das letzte Spiel ist ja sogar gegeneinander – und die Breisgauer machen an einem Wochenende 28 Tore Unterschied im Torverhältnis wett. Ja dann, ja dann haben wir den stinkenden Salat!
2025/26 – 51.Spieltag – Freitag, 06.03.2026, 19.30 Uhr
Eispiraten Crimmitschau vs. ESV Kaufbeuren
Schiedsrichter: -, – (-, -)
Die bisherigen Duelle gegen KAUFBEUREN im Überblick.
Damit also dieses als listiger Wolf verkleidete Pferd nicht kotzend durch künftige Crimmitschauer Albträume gallopiert, ist von den Eispiraten noch mindestens eine ganz seriöse Leistung erforderlich – 1 Punkt und alles ist erledigt! Die erste Gelegenheit bietet sich gegen den ESV Kaufbeuren, der seit dem 14.12.2025 auf dem letzten Platz festgefroren ist und schon länger als Playdown-Teilnehmer feststeht. Das Team des Schweden Leif Carlsson, der den glück- und erfolglosen Todd Warriner ablöste, kommt derzeit auf nur 40 Punkte aus den vergangenen 50 Spielen. So schlecht standen die Allgäuer zuletzt in der Saison 2014/15 da. In der etconline-Spielvorschau zum letzten Duell mit Kaufbeuren haben wir bereits geunkt, dass der ESVK der Schallmauer von 200 Gegentoren im weiteren Saisonverlauf gefährlich nahekommen wird und das ist nun auch so eingreteten. Die schwächste Defensive der Liga steht bei unrühmlichen 198 Einschlägen, so dass sich die Eispiraten in das ESVK-Saisonbuch mit einem weiteren Kapitel Horror eintragen könnten – es fehlen dafür nur 2 Tore.
Die Fülle an Gegentoren sind natürlich Gift für die Torhüter. Stammgoalie Daniel Fießinger (16 Sp, 3.62 GT/Sp, 88.54%, 0 SO) ist dabei doch recht weit von seinem Leistungspotential der vergangenen Jahre entfernt, was aber zu großen Teilen sicherlich auf eine umfangreiche Verletzungsgeschichte in dieser Spielzeit zurückgeht. Auf den Ausfall Fießingers mussten die Verantwortlichen mit der Nachverpflichtung von Cody Porter (CAN, 3.39 GT/Sp, 88.77, 1 SO) reagieren, der aber insgesamt die schwache Defensive auch nicht nachhaltig besser machen konnte. Und auch der junge Rihards Babulis (D-LAT, 18 Sp, 3.83 GT/Sp, 88.79%, 0 SO) hatte einiger Flattereinsätze dabei. So kann Coach Carlsson zwar aus drei Goalies auswählen, aber welcher davon zum Helden der Playdowns werden soll, scheint unklar.
Den Goalies die verkorkste Saison in die Schuhe zu schieben, wäre natürlich zu einfach, vor allem weil der ESVK in der eigenen Zone oftmals viel zu nachlässig agierte. Routinier und Kapitän Bernhard Ebner (43 Sp, 4+5) hat gar nicht so viele Hände wie er bräuchte, um die Fäden in der Defensive zusammenzuhalten. Nicolas Appendino (47 Sp, 2+15) konnte sich im Saisonverlauf zwar ein wenig steigern und stabilisieren, aber insgeheim scheinen die Erwartungen an den 27jährigen wohl doch etwas höher zu sein. Gleiches trifft auf Fabian Koziol (43 Sp, 2+4). Umso hoffnungsvoller gehen die Blicke auf den nachverpflichteten Jonny Tychonick (CAN, 13 Sp, 2+5) sowie den wiedergenesenen John Rogl (22 Sp, 0+3), die in den Playdowns ein Anker sein sollen. Die jungen Cracks Paul Mayer (50 Sp, 3+8), Rio Kaiser (39 Sp, 1+5) und Dominik Groß (28 Sp, 1+3) haben eine für ihr Alter insgesamt sehr positive Entwicklung hingelegt, sind aber freilich noch nicht frei von Fehlern. Jakob Peukert (30 Sp, 0+0) komplettiert die Abwehr.
Im Angriff erging es über die gesamte Hauptrunde hinweg den Kaufbeurern ganz ähnlich wie den Eispiraten oder Weiden: Verletzungssorgen waren nämlich an der Tagesordnung, so dass lediglich – neben Verteidiger Mayer – Alec Zawatsky (50 Sp, 11+12) in allen Partien auf dem Spielberichtsbogen stand. Die ständigen Ausfälle und Umstellungen machten sich entsprechend bemerkbar, denn nur Weiden schoss bislang weniger Tore als Kaufbeuren. Einsame Spitze hingegen ist mal wieder Sami Blomqvist (D-FIN, 34 Sp, 7+13), doch heuer ist er nicht mehr der gefürchtete Torjäger, Topscorer und Viel-Schießer der vergangenen Jahre, sondern steht mit -32 zeimlich unrühmlich in der ligaweiten +/- Statistik ganz oben – oder unten, je nach Blickwinkel. Ihm folgt Landsmann Jere Laaksonen (D-FIN, 44 Sp, 3+6) mit -24. Maximilian Hadraschek (45 Sp, 3+8), Yannik Burghart (36 Sp, 3+3), Maximilian Kislinger (43 Sp, 4+1) und Vincent Schlenker (24 Sp, 1+0) konnten die ihnen zugedachten Rollen bis dato allenfalls im Ansatz ausfüllen. Die unerfahrenen Jonas Fischer (48 Sp, 3+2), Pavels Nikitins (D-LAT, 23 Sp, 2+1) und Florian Reinwald (28 Sp, 0+1) hängen sich rein, können die Kohlen aber verständlicherweise noch nicht aus dem Feuer holen. Somit wird in den Playdowns vieles auf den nimmermüden Einsatz von Max Oswald (38 Sp, 7+8), den Spielwitz von Tyson McLellan (USA-CAN, 41 Sp, 12+23) sowie die Führungsfähigkeiten der nachverplichteten Alt-Stars Brent Raedeke (D-CAN, 22 Sp, 8+6) und Travis Turnbull (D-CAN, 4 Sp, 3+3) ankommen. Dieses Personal, das allenfalls – aber eher unwahrscheinlich – noch durch Top-Talent Nikolaus Heigl (20 Sp, 9+14) aus München verstärkt werden könnte, muss es also nun richten, damit die DEL2 nicht eines ihrer Gründungsmitglieder in Richtung Oberliga verliert. etconline drückt für diese Aufgabe die Daumen!
„Geht raus und spielt Eishockey“ – mehr braucht man den Eispiraten für die Partie gegen den ESVK eigentlich nicht mit auf den Weg zu geben, Mindestens 1 Punkt sollte es werden, dann kann die Klassenerhaltsparty im Sahnpark steigen und das kotzende Pferd kann sich gleich wieder aus dem Staub machen.
Kadernews
Ausfall: Ralf Rollinger (Saisonende), Vincent Saponari (Oberkörperverletzung, März), Rayan Bettahar (Einsatz Bremerhaven), Mirko Sacher (Schulter, Saisonende), Dominic Walsh (Oberkörperverletzung, Saisonende), Maxim Trépanier (Unterkörperverletzung, Saisonende), Robin Veber
Fragezeichen: Christian Schneider