Als Tabellenfünfter starten die Eispiraten in das Jahr 2026 – eine kleine Sensation angesichts der Lage, in der sich der Club vor nicht einmal einem dreiviertel Jahr noch befand. Viel Zeit für einen demütigen Rückblick bleibt allerdings nicht, denn die DEL2 verzeiht auch in dieser Saison kaum einen Ausrutscher. Das Verfolgerfeld hängt den Crimmitschauern penetrant an den Fersen.
Damit die Eispiraten nicht plötzlich vom Verfolgten zum Verfolger werden, ist eine Niederlage beim Tabellenletzten aus Kaufbeuren tunlichst zu vermeiden. Außerdem sollten die Crimmitschauer dringend an ihrer bislang ziemlich schwachen Auswärtsbilanz – nur 14 Punkte aus 16 Spielen – arbeiten. Die Partie im Allgäu, so möchte man meinen, kommt da gerade recht, aber davon auszugehen, dass das Duell gegen den gebeutelten ESVK, der mit 24 Punkten und 74:120 Toren aus 30 Spielen schon 19 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer hat, ein Selbstläufer wird, wird zur Blamage mit Ansage führen.
Das vom Kanadier Andrew Donaldson und Sebastian Osterloh geführte Team hat zwar in allen Mannschaftsteilen mit Schwächen und Widrigkeiten zu kämpfen – Platz 14 ist nach über der Hälfte der Saison schließlich auch kein Zufall mehr – sollte aber keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Läuft es rund, sind nämlich beispielsweise die Goalies Cody Porter (CAN, 11 Sp, 3.48 GT/Sp, 88.32%, 0 SO) und Rihard Babulis (D-LAT, 14 Sp, 3.96 GT/Sp, 88.25%, 0 SO) für manche Glanztat gut. Wir erinnern uns gut, wie Babulis vor nicht einmal zwei Wochen die Eispiraten-Stürmer im Sahnpark fast in die Verzweiflung trieb.
Vor dem Goalie-Gespann hat Routinier Bernhard Ebner (25 Sp, 3+3) alle Hände voll zu tun, um die Abwehr halbwegs zusammenzuhalten, angesichts von exakt 4 Gegentoren pro Spiel ist das für den langjährigen DEL-Defender aber auch eine Mammutaufgabe. Nicolas Appendino (27 Sp, 2+8) und Fabian Koziol (29 Sp, 0+4) sind als eingeplante Leistungsträger angesichts desolater +/- Werte von jeweils -16 allerdings keine große Hilfe. Überaus positiv fällt hingegen U21-Spieler Paul Mayer (30 Sp, 2+6) auf und auch der nachverpflichtete Jonny Tychonick (CAN, 8 Sp, 1+3) hat durchaus Stabilität in die Abwehrarbeit gebracht, ist gegenwärtig aber noch angeschlagen, weshalb von Tag zu Tag über einen Einsatz entschieden werden muss. Fällt Tychonick weiterhin aus, kommt es umso mehr auf Rio Kaiser, Dominik Groß und Jakob Peukert an.
In der Offensive des ESVK könnte es ebenfalls besser laufen, denn 74 erzielte Tore sind nach 30 Spielen kein Bewerbungsschreiben für den direkten Klassenerhalt. Aber gerade im Sturm sind die Allgäuer wohl am heftigsten gebeutelt. Die Kontingentstürmer Joe Cassetti (USA) und D´Artagnan Joly (NED) sind langzeitverletzt und zu allem Überfluss scheint sich da nun auch noch der bisherige Topscorer Henri Kanninen (FIN) hinzu zu gesellen. Eine große Menge Verantwortung lastet da nun auf dem zuletzt angeschlagenen Tyson McLellan (USA-CAN, 23 Sp, 5+15) sowie auf ESVK-Legende Sami Blomqvist (D-FIN, 21 Sp, 5+9). Konstatieren muss man bei beiden Angreifern allerdings, dass sie vom Leistungslevel früherer Tage durchaus ein ganzes Stück entfernt sind, Blomqvist etwa schockiert mit einer +/- Bilanz von -25! Auch an Jere Laaksonen (D-FIN, 30 Sp, 1+4) und den beiden aus der personellen Not heraus nachverpflichteten Brent Raedeke (D-CAN, 4 Sp, 1+0) und Vincent Schlenker (8 Sp, 0+0) nagt bereits der Zahn der Zeit, weshalb die bisherige Pleiten-Pech-und-Pannen-Saison im Allgäu wohl zu einem Generationenwechsel führen könnte. Max Oswald (22 Sp, 5+3) wird mehr und mehr in eine Führungsrolle kommen und auch Alex Zawatsky (30 Sp, 5+8) liefert gute Leistungen. Besonders stolz können die Kaufbeurer einmal mehr auf ihre ganz junger Garde sein. Pavels Nikitins (D-LAT, 6 SP, 1+1) etwas spielt ganz frech auf und auch Florian Reinwald sowie Jonas Fischer arbeiten hart an ihrem Durchbruch in der DEL2. Nikolaus Heigl (14 Sp, 4+7) und Philipp Krening (4 Sp, 3+2) sind gar so gut, dass sie – zum Leidwesen der ESVK-Anhänger – beim Partner in München schon hoch im Kurs stehen. Maximilian Hadraschek (28 Sp, 2+6), Yannik Burghart (28 Sp, 2+3) und Maximilian Kislinger (23 Sp, 3+1) sind drei weitere solide agierende Stürmer.
Die Vorsätze für das neue Jahr werden in der DEL2 von Platz 1 bis Platz 14 die gleichen sein, nämlich besser sein als im alten Jahr. Je weiter unten man in der Tabelle steht, desto nötiger wird es natürlich, die guten Vorsätze auch in die Tat umzusetzen und so werden die Crimmitschauer auf einen angeschlagenen Tabelenletzten treffen, der sicherlich eine gewisse Verunsicherung mit sich herum trägt, aber dennoch zu 120% motiviert sein wird, den verdammten Bock endlich umzustoßen. Die Westsachsen sollten also gewarnt sein und dem ESVK vom ersten Bully weg mit dem nötigen Einsatz und der nötigen Aggressivität begegnen. Crimmitschauer Larifari jedenfalls wird die Auswärtsausbeute bei den mageren 14 Punkten belassen – und das wäre ein wenig aufmunternder Start ins neue Jahr.