Ein wahres Auf und Ab der Gefühle liegt hinter den Eispiraten. Gegen Bad Nauheim noch siegreich, doch gegen Ravensburg verschlafen und verlustreich. Wir blicken zurück auf das vergangene Wochenende und nehmen euch mit ins Weekendfeeling.
Zum brandheißen Duell Dritter gegen Tabellenletzten meldeten sich die Kurstädter aus Bad Nauheim. Mit dem Rücken zur Wand und Schweißperlen auf der Stirn wie nach einer Runde im Dampfbad erschwitzten sich die Eispiraten drei Punkte. Am Ende ging es jedoch enger zu als beim Kampf um die Badeliege im 5 – Sterne – Resort.
1. Drittel: Diese Liege ist reserviert
Wie eine Dreijährige Witze erzählt, so startete das erste Drittel gegen die Roten Teufel: Die Pointe ist verraten, bevor der Witz angefangen hat. „Und dann hat Fritzi gepupst, ach nee, warte.“ Kärki netzte bereits nach 106 Sekunden gegen Kuhn ein, als dieser gerade noch dabei war, sein Handtuch auszubreiten und es sich gemütlich zu machen. Mit einem lockeren Schuss durch die Beine erzielte der „Kärkermeister“ den Treffer zum 1:0 (2. Minute) und verpasste den Gästen die erste eiskalte Dusche.
Die Eispiraten nahmen dieses Tor allerdings zum Anlass, schon in den Relaxmodus umzuschalten, und so beendete Marcinew nur fünf Minuten später das Urlaubsfeeling, als er Reich zum einzigen Mal an diesem Abend überwand (7. Minute). Den Freischwimmer für die Eispiraten machte dann Logan Will knapp vier Minuten später mit seinem Game-Winning-Goal zum 2:1 (11. Minute). Kuhn machte den Schwendener – Grüße an den Dresdner Wanderburschen –, als er am falschen Pfosten rumkrauchte und orientierungslos umherstrampelte wie ein Kind, das gerade das erste Mal ohne Schwimmärmel schwimmt. Wenn Jerry Kuhn Post kriegt, geht er auch erstmal hinter das Haus und lässt die Haustür offen. Mit diesem „Will“kommensgeschenk zogen sich die Eispiraten in den Relaxraum zurück und vergaßen, wieder in den Aktivmodus zu wechseln. McPherson und Harper hätten mit ihrem doppelten Pfostentreffer eigentlich als Wachmacher dienen sollen, doch es schien, als hätten die Eispiraten schon gewusst, dass das Siegtor bereits gefallen war.
2. Drittel: Aufguss
So richtig Interesse, am Spiel teilzunehmen, zeigten die Eispiraten auch im zweiten Drittel nicht. Bei 4:16 Schüssen war ihre Offensive abgemeldet. Der einzige Eispirat, der richtig auf Temperatur kam, war Kevin Reich, dessen Handschuh zeitweise heißer glühte als die Saunasteine beim dritten Aufguss. Doch The Indestructible Wall hielt, am Ende 29 von 30 Schüssen, und auch die Nauheimer Überzahl führte nicht zu einem Erfolgserlebnis für die Kurstädter. Ein Mann mehr bei den Nauheimern ist eben am Ende auch bloß ein Mann mehr, der vorbeischießt. So fühlte sich das Nauheimer Spiel an wie ein Wahlversprechen von Friedrich Merz: viel Wind, wenig Substanz und die Sympathiewerte von … nun ja, Friedrich Merz eben.
Genauso wenig Sympathien dürfte es für den Check von Pfleger gegen Shevyrin gegeben haben: Pfleger checkte den Stürmer der Eispiraten von hinten in Richtung Bande, Shevyrin schied verletzt aus, und die Schiedsrichter hatten nichts gesehen. Gute Besserung, Denis! Wir hoffen, dich bald wieder auf dem Eis zu sehen, denn niemand brüllt nach Siegen seine Euphorie so schön mit den Fans heraus. Gute Besserung auch an Leon Schulz, der an diesem Abend ebenfalls verletzt ausschied.
3. Drittel: Die Sanduhr läuft nicht durch
Im letzten Drittel zogen die Eispiraten noch einmal einsam ihre Bahnen, ohne dabei jedoch den Gegner in Bedrängnis zu bringen. Zweifach hatten die Mannen die Chance, in Überzahl zu treffen, zweifach blieb der Treffer aus. Man vernauheimte sich sozusagen – ein Powerplay mit der Durchschlagskraft einer Schwimmnudel. Auch Brunes vielversprechender Alleingang in der 51. Minute war eher ein Bauchklatscher, während der Crush am Beckenrand auf den Auerbachsalto hoffte. McPfosten traf im letzten Drittel dann auch wieder nur den Pherson, und so plätscherte das Spiel langsam dem Ende entgegen.
So dachte man zumindest, aber der verrückte Uhrenmacher im schwarz-weißen Outfit machte aus den letzten acht Sekunden fünf Minuten. Während die Zeit verrann wie die letzte Stunde vor den Sommerferien, buchten die Eispiraten für die Nauheimer schon den Rückflug und tüteten letzten Endes doch noch den Sieg ein.
Powernap mit Powergap
Allein der Gedanke, dass die zweitlängste Auswärtsfahrt der Saison anstand, machte den Eispiraten schon müde Beine. Wenn man dann noch die Einlaufzeremonie der Puzzlestädter ertragen muss, fühlt man sich wie am Morgen nach einer durchzechten Nacht. Nichtsdestotrotz steuerte der Kahn in die Ravensburger Gefilde und musste mit derber Schlagseite wieder in den Heimathafen einlaufen.
1. Drittel
Der Ticker hatte noch groß angekündigt, das Ziel sei, den Ravensburgern den Sonntag gehörig zu versalzen, doch den ersten Treffer des Abends erzielten die Gastgeber. Knapp 17 Minuten bissen sich die Ravensburger die Zähne aus, ehe Rassell Seidel zum 1:0 überwinden konnte und man das unschöne Gekrächze der Ravensburger Gesangsknaben vernehmen musste. Doch kaum war das erste Quäken verstummt, schlugen die Eispiraten gegen die Rassellbande bereits zurück: Adam „The Mighty“ Cormick nutzte die Kelle eines Ravensburgers, um 40 Sekunden nach dem Führungstreffer auszugleichen (18. Minute).
2. Drittel: Mittagsschlaf
Dabei hatte Collin Adams kurz nach Wiederbeginn noch die Führung auf dem Schläger, doch sein Versuch landete wie der zärtliche Hauch der ersten Liebe an Sharipovs Maske. Danach wollten die Eispiraten ab Minute 25 lediglich ein kurzes Nickerchen machen, doch aus einem dreiminütigen Powernap wurde auf einmal ein dreitoriges Powergap. Gerg in der 25., Latta in der 27. und Sarto in der 28. Minute schenkten den Eispiraten gehörig Fusel ein, sodass diese ratlos zur Anzeigetafel starrten. Zwei der drei Treffer schossen dabei die Ravensburger Youngster, die auf dem Papier nur die vierte Reihe bilden und die man normalerweise nur mitnimmt, um nach dem Spiel die Pucks einzusammeln und bei schlecht laufenden Spielen jemanden zum Interview schicken zu können. Ausgerechnet sie hatte Ravensburgs Trainer als erste Reihe gegen die Topreihe der Eispiraten aufgeboten – und die Pucksammler sammelten prompt die Tore ein.
Und auch wenn unser Tickerschreiber 80 Millionen Bundestrainervibes hatte und Jussi Tuores aufforderte, eine Auszeit zu nehmen, blieb der finnische Übungsleiter cool und sagte sich innerlich: „Ein Tor Vorsprung geben wir ihnen noch, bevor wir die Aufholjagd starten.“ Ja, Klebi, von der finnischen Gelassenheit kannst du dir noch eine gehörige Scheibe abschneiden. Besser machte es dann in Unterzahl Emil Quaas, „Quaas“i im Alleingang, mit seinem Treffer zum 2:4 – immerhin ein Lebenszeichen. So richtig überzeugend war das allerdings noch nicht, und so ging es zur Feinjustierung in die Drittelpause.
3. Drittel: Aufgewacht
Neu eingestellt wurden aber auch im dritten Drittel scheinbar nur die Crimmitschauer Verteidiger, denn die Stürmer der Eispiraten blieben in diesem Spiel allesamt ohne Tor. Tuores hätte auch einen Achterbus mieten können, und die Defensivspezialisten hätten das Puzzle allein zerlegt. Zwar versuchte Lutz noch, wenigstens einen Stürmer auf die Torschützenliste zu bringen, doch nach seinem Lattenknaller traf der doppelte McCormick: Adam the Man nahm von der blauen Linie genau Maß und schweißte den Puck mit der Präzision eines Lasers millimetergenau ins Kreuzeck (44. Minute). In der 53. Minute hatten die Eispiratenfans schon den Freudenschrei auf den Lippen, doch Wills Bauerntrickversuch landete am Schoner von Sharipov, und so mussten die Westsachsen erneut anstürmen.
Statt anzustürmen, anverteidigten die Eispiraten weiter, und auch der vierte Eispiratentreffer kam im Doppelabo: Nachdem McCormick bereits zwei Tore erzielt hatte, sammelte Emil Quaas in der 58. Minute seinen zweiten Treffer des Abends ein. Mit der Diskussionskultur eines vierjährigen, überzuckerten Kindes versuchten die Ravensburger daraufhin, den Treffer wieder aus dem Tor zu quatschen, doch die Schiedsrichter blieben konsequent und erkannten das Tor an. Statt den strauchelnden Ravensburgern jetzt endgültig den Zahn zu ziehen, trödelten die Eispiraten das Spiel mit einem Icingfestival zum Punktgewinn und damit in die Verlängerung.
Verlängerung
In der Verlängerung suchten die Schiedsrichter wohl gerade noch den Heimweg auf Google Maps heraus, anders kann man sich nicht erklären, warum der Schläger im Gesicht von Brune übersehen wurde. Nachdem die Route offenbar angezeigt wurde, bekamen die Schiedsrichter dann doch ziemlich genau das Foul von Kärki gegen Tufto mit: Kärki ging an der blauen Linie überengagiert zu Werke und traf Tufto mit dem Knie, der Ravensburger musste verletzt ausscheiden. Kärki entschuldigte sich laut Ticker sofort, und wir wünschen Tufto auf diesem Weg gute Besserung. Kärki musste vorzeitig duschen, mit vier gegen drei Spielern ging es weiter, und David Rasselhoff sicherte seiner Mannschaft am Ende den Zusatzpunkt (62. Minute).
Fazit
Vier Punkte aus zwei Spielen und Platz drei verteidigt – und das mit einem Kader, bei dem Tuores vor jedem Spiel erst einmal durchzählen muss. Am Freitag lag das Handtuch nach elf Minuten auf der Liege, und The Indestructible Wall hielt 29 von 30 Schüssen fest, bis endlich Badeschluss war. Am Sonntag kostete ein dreiminütiger Powernap zwei Punkte, von denen sich die Verteidiger mit vier Toren wenigstens einen zurückholten. Die Moral von der Geschicht: Wer sich gegen das Schlusslicht drei Punkte erzittert und in Ravensburg aus einem 1:4 noch ein 4:4 macht, hat den Kahn auf Kurs – er sollte nur den Wecker nicht noch einmal ausschalten. Wach bleiben heißt es am Freitag um 20:00 Uhr in Memmingen und am Sonntag um 17:00 Uhr gegen Regensburg.
Emil Quaas– Entdeckte seinen Torriecher
Adam McCormick– 3 Punkte am Wochenende
Kevin Reich– Hält, was zu halten geht und noch mehr