So, der letzte Backcheck ist doch schon ein Weilchen her, sechs Wochen, um genau zu sein. Das fiel damals genau in die Siegesserie, die uns bis auf Platz 4 vorgespült hat. Wirklich lange her. Allein, wenn man mal bedenkt, wer damals alles noch gesund war: Timmins, Hudson, Scalzo, Thomas, Schietzold (ok, der ist wieder mit an Bord mittlerweile) – echt lange her, das…

Aber genug der Nostalgie. Die Saison ist im letzten Viertel und die Eispiraten lagern weiterhin auf einem PlayOff-Rang, haben sieben Punkte Vorsprung auf die auf Platz 9 herumlungernden Füchse, und ein Spiel weniger auf dem Scoreboard haben sie auch noch.

„Das muss doch machbar sein!“ ruft der Optimist in mir laut und im Brustton der Überzeugung. „Aber Angst essen Seele auf. Wir sind hier in Crimmsche, und wir kennen doch unsere Pappenheimer. Wär ja nicht das erste -“ „RUHE!!!!“ bringe ich den verzagten Jammerlappen aus der Pessimistenecke meines Hirns zum Schweigen. Er verzieht sich vorerst in eine dunkle Nische. Und dort soll er auch bleiben, basta.

Dem extrovertierten Deutsch-Russen Ilya Andryukhov fiel das Los zu, nach sage und schreibe 142 Spielen den Eispiraten mal wieder einen Shutout zu gönnen. Ist gegen Power und O`Brien auf jeden Fall keine leichte Aufgabe, gelang aber trotzdem. Und das, obwohl mit Mario Scalzo und Carl Hudson gleich die nächsten zwei rot-weißen Defender während des Matches passen mussten. Und wie blöd hat es den Sniper aus dem Rennen genommen, das kannste Dir nicht ausdenken: durch eine Trillerpfeife ausgeknockt, wie viele Eishockeyprofis weltweit können diese Geschichte wohl erzählen? War an dem Abend aber überhaupt nicht lustig, eine Augen-Not-OP stand zu befürchten. Da war der gute Carl also schon auf dem Weg in die Spezialklinik in Regensburg, als Overtime-Rakete Kelly Summers den Zusatzpunkt eintütete.

Das mit den fehlenden Verteidigern zeigte sich dann gleich im nächsten Spiel: mit Summers, Olleff und dem wieder nach hinten beorderten Heyer konnte Coach Mario gerade mal drei gelernte Toreverhinderer aufbieten, dazu der schon länger umgeschulte Walsh und die Stürmer Ewanyk und Weißgerber. Dass die Rot-Weißen nach vierzig Minuten 5:2 vorne lagen, ließ sich eigentlich nur mit maximaler Effektivität erklären. Zu dominant traten die Gäste auf, und im Schlussabschnitt rächte sich dann auch der gebrauchte Tag, den man Ilya Andryukhov angedreht hatte. Fiese Gurkentore waren das, mit denen sich die Steelers noch die Punkte klauten, ganz fiese Gurkentore. So wurde das sicherlich nicht besprochen, als Danny Naud nach Bietigheim getradet wurde.

Weiter ging es dann mit dem nächsten Sachsenderby in der Fuchsgrotte zu Weißwasser. Ging leider auch nicht gut aus, weil die Ostsachsen mal wieder so spielten wie in den letzten Jahren: nicht wirklich ansehnlich, aber hart am Mann, gallig und bissig, wie die Reinekes nun mal so sind. Sportsfreund Mücke hat wohl noch nicht alles verlernt und gibt das Nervtötergen fleißig weiter, seit er da den Co-Trainer geben darf. Sein Chef Chris Straube ist bestimmt eh nur noch bis zur nächsten Trainerentlassung in der NHL vor Ort, da wird der Sportsfreund wohl bald das ganze Sagen haben. Der Piratenrumpftruppe schmeckte jedenfalls das wiederhergestellte Lausitzer Sackgängertum gar nicht, irgendwie mogelten die Füchse drei Eier ins Nest, und wenn Mathieu Lemay auf der Gegenseite halt mal nur einen Punkt im Spiel macht, reicht das wie in diesem Fall durchaus mal für drei Punkte. Mittlerweile sind die Rotpelze sogar erster Verfolger der Piraten im Kampf um die Top-Acht-Spots, Vorsicht also. Aber allemal besser die als die Peggys aus der Landeshauptstadt, soviel steht mal fest.