Im dritten Teil unseres Pre-Season-Checks geht es zunächst ins Allgäu, wo der ESV Kaufbeuren und die Memmingen Indians die Liga getauscht haben. Anschließend richten wir den Blick auf die Roten Teufel aus Bad Nauheim, die nach einer enttäuschenden vergangenen Saison vor einem personellen Neustart stehen. Für die Eispiraten sind beide Teams im Hinblick auf den rettenden Strich beachtenswert: Während Memmingen als Aufsteiger vor seiner ersten DEL2-Saison steht, will Bad Nauheim den Absturz in die Playdowns unbedingt vermeiden. Zwei unterschiedliche Ausgangslagen – aber möglicherweise zwei Konkurrenten, die es im Kampf um den Klassenerhalt genau im Auge zu behalten gilt.

Memmingen Indians – Aufsteiger mit dem Ziel Klassenerhalt

Es ist eine Premiere für die Indians Memmingen: Nach einer erfolgreichen Saison in der Oberliga und dem Gewinn der Meisterschaft geht es nun erstmals die große Bühne DEL2. Der Aufstieg ist der bisher größte Erfolg der Vereinsgeschichte – nun wartet allerdings eine völlig neue Herausforderung. Dabei war der Weg zum Titel keineswegs ein Selbstläufer. In der Hauptrunde gehörten vor allem die Hannover Scorpions im Norden und der Deggendorfer SC im Süden zu den Mannschaften, die über weite Strecken jeweils den Ton angaben. Beide Teams wurden von den Indians in den Playoffs eliminiert und bewies, dass die Mannschaft zum entscheidenden Zeitpunkt ihr bestes Eishockey abrufen konnte. Genau diese Playoff-Stärke dürfte ob der gestiegenen Herausforderungen in der DEL 2 den Indians Mut machen, um aus einer erfolgreichen Oberliga-Mannschaft jetzt ein konkurrenzfähiges Zweitliga-Team werden zu lassen.

Mit dem Ex-Eispirat Michael Bitzer haben die Verantwortlichen einen Goalie verpflichtet, der die DEL2 bestens kennt und die letzten beiden Jahre in Schwenningen auch in der DEL seine Einsätze bekam. Dahinter soll Aufstiegsheld Justus Roth weiter aufgebaut werden. Allein diese Erfahrung zwischen den Pfosten könnte für einen Aufsteiger ein wichtiger Trumpf sein.

Mit Spielern wie Eddy Homjakovs, Markus Lillich, Tyler Spurgeon, Linus Svedlund und Tobi Meier bleiben wichtige Säulen der Aufstiegsmannschaft erhalten. Gerade Homjakovs und Lillich waren in der vergangenen Saison ein extrem gefährliches Offensivduo. Homjakovs kam dabei auf knapp 95 Scorerpunkte und entschied sich trotz mehrerer DEL2-Angebote für den gemeinsamen Weg mit den Indians.

Die Sachen Neuzugängen wurden die ohnehin schon starke Oberliga-Mannschaft auf die höhere Liga angepasst. Der Augsburger Leon van der Linde bringt mit seinen 23 Jahren bereits Erfahrung aus DEL und DEL2 mit. Dazu kommen mit Maximilian Kolb aus Weiden, Jakob Peukert aus Kaufbeuren und Jamal Watson von den Guilford Flames weitere Spieler, die für Stabilität sorgen sollen. Der frühere Kaufbeurer Topscorer Watson kehrt nach einjähriger Abstinenz damit in die DEL 2 und ins Allgäu zurück. Der wohl auffälligste Neuzugang ist Matteo Gennaro. Der 30-jährige Italiener kommt vom HC Bozen und bringt mit mehr als 800 Spielen in verschiedenen Ligen reichlich Erfahrung aus dem europäischen Profieishockey sowie KHL und AHL mit. Gennaro soll nicht nur Tore erzielen, sondern auch Verantwortung übernehmen. Auch interessant könnte sich Okko Kangasniemi entwickeln, der 26 Jahre junge Finne bringt bereits Erfahrung aus seiner Heimat und dem europäischen Profieishockey mit und ist in einem Alter, in dem eine deutliche Entwicklung möglich ist. Kangasniemi könnte einer jener Spieler werden, die in Memmingen zunächst etwas unter dem Radar fliegen und am Ende deutlich mehr Einfluss nehmen, als man ihnen vor der Saison zutraut.

Die Indians besitzen etwas, das man nicht unterschätzen sollte: ein Team, das weiß, wie man gemeinsam gewinnt und eine Fanbase, die dieses Team am Hühnerberg bedingungslos unterstützt. Die Aufstiegsmannschaft wurde nicht auseinandergerissen. Viele Spieler kennen sich, kennen das System und haben gemeinsam erlebt, wie man eine Saison erfolgreich zu Ende bringt. Eine Kooperation mit Red Bull München eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, so dass junge Spieler künftig mit Förderlizenz für die Indians auflaufen können.

Aber was in der Oberliga funktioniert hat, muss in der DEL2 nicht automatisch funktionieren. Tempo, Tiefe und individuelle Qualität sind deutlich höher. Vor allem die Kadertiefe könnte für Memmingen zum Problem werden. Während etablierte DEL2-Klubs über mehrere Reihen mit erfahrenen Spielern verfügen, muss der Aufsteiger darauf hoffen, dass möglichst viele Akteure den nächsten Schritt machen. Für die Playoffs dürfte es allerdings noch nicht reichen, das prioritäre Ziel kann deshalb nur der Klassenerhalt sein. Sollte Memmingen früh Selbstvertrauen tanken und sich die neue Liga schnell zu eigen machen, könnte der Aufsteiger allerdings für die eine oder andere Überraschung sorgen.

EC Bad Nauheim – Möglichst wieder zurück in die Erfolgsspur

Playoffs sind schöner, das muss man zugeben, nach acht Jahren erfolgreicher Teilnahme in der Endrunde liegt hinter dem EC Bad Nauheim eine Saison, die man am Ende wohl am liebsten schnell vergessen möchte. Platz 13 nach der Hauptrunde, mehrere Trainerwechsel und schließlich der Gang in die Playdowns, dort allerdings zeigten die Roten Teufel plötzlich ein anderes Gesicht und machten mit einem 4:0-Sweep gegen die Blue Devils Weiden den Klassenerhalt perfekt. Für die neue Saison wurde deshalb nicht nur am Kader gearbeitet, somdern ein sehr deutlicher Schnitt vollzogen. Gleich elf Spieler verließen den Verein, darunter mit Taylor Vause eine der prägenden Figuren der vergangenen Jahre. Auch Sebastian Bengtsson, Kyle Bollers, Ryan Olsen, Christopher Fischer und Andrej Bires gehören nicht mehr zum neuen Team.

Die Verantwortlichen setzen nun auf eine Mischung aus erfahrenen Kräften, jungen deutschen Spielern und vier Kontingentspielern. Dazu kommt mit Kevin Gaudet ein Trainer, der bereits mit seiner Verpflichtung als Feuerwehrmann für die Playdowns zum Ende der vergangenen Saison bewiesen hat, dass er eine Mannschaft in schwieriger Situation stabilisieren kann. Und bei 8 DEL-Saisons, 19 Zweitliga-Saisons mit fünf Meisterschaften und sechs Drittliga-Saisons in Deutschland kann man ihn schon als einen der erfolgreichsten Trainer bezeichnen, wenngleich er mit den Hannover Scorpions zuletzt regelmäßig den Aufstieg verpasste.

Im Tor bleibt mit Gerald Kuhn ein sehr erfahrener Schlussmann im Kurpark. Der sympathische Deutschamerikaner kennt die DEL2 bestens und war auch in der vergangenen Saison ein wichtiger Rückhalt. Mit Luca Ganz und dem von Landshut ausgeliehenen Nico Pertuch gibt es dahinter zwei jüngere Optionen, die ansichts des Alters Kuhns von 40 Jahren wohl auch zum Tragen kommen müssen.

Die nicht immer zufriedenstellende Abwehrleistung der vergangenen Saison ließ die Verantwortlichen nur zu zwei Vertragsverlängerungen zu entscheiden, lediglich Marius Erk und Garret Pruden bleiben in der Kurstadt. Mit Joel Keussen, Jesse Kauhanen, Kevin Maginot und Dominik Tiffels kommt aber zusammen jede Menge DEL2-Erfahrung, die der Abwehr deutlich mehr Stabilität verleihen sollte, als letzte Saison.

Vier Kontigentspieler im Angriff, das ist eher selten, aber in dieser Saison in Bad Nauheim der Fall und hierbei wurde bewusst auf Erfahrung gesetzt. Jordan Hickmott bleibt den Roten Teufeln erhalten und geht bereits in seine sechste Saison in Bad Nauheim. Trotz seiner inzwischen 36 Jahre erzielte der Kanadier in der vergangenen Spielzeit 24 Tore und war gerade in den Playdowns ein entscheidender Faktor. Mit Charlie Sarault, Allan McPherson und Matt Marcinew stoßen drei Spieler zum Team, die den Angriff deutlich verändern könnten. McPherson folgte Coach Gaudet von den Hannover Scorpions und bringt mit seinen 35 Jahren Führungsqualitäten mit und kann als Center verschiedene Aufgaben übernehmen. Mit Matt Marcinew kommt ein Spieler zurück in die DEL2, der bereits bewiesen hat, dass er hier funktionieren kann. Für Krefeld erzielte der Kanadier in der Saison 2024/25 in 47 Hauptrundenspielen 53 Punkte – darunter 26 Tore. Anschließend wechselte er nach Nottingham und kehrt nun nach Deutschland zurück. Wenn Marcinew an seine Krefelder Zeit anknüpft, könnte er einer der wichtigsten Offensivspieler der Roten Teufel werden. Ein Charlie Sarault mit über 200 Punkten in den letzten Jahren für Ravensburg dürfte jedem DEL-2-Fan bekannt sein. Eine interessante deutsche Verpflichtung steht bei den Teufeln auch noch zu Buche: Pierre Preto kommt von den Eisbären Regensburg und bringt bereits reichlich DEL2-Erfahrung mit. Der 27-Jährige kann sowohl Center als auch Außen spielen und ist damit für Trainer Kevin Gaudet vielseitig einsetzbar.

Bad Nauheim ist eines der schwierigsten Teams, das man vor der Saison einordnen kann. In Mittelhessen musste man in der vergangenen Saison schmerzlich erfahren, wie schnell man trotz vorhandener Qualität in den Tabellenkeller geraten kann. Die Neuzugänge geben dem Team sicherlich bessere Möglichkeiten als in der vergangenen Saison, aber ob der große personelle Schnitt tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt, wird sich zeigen. Ein erneuter Playdown-Kampf wäre keine Überraschung, sich diesmal aus dieser Zone herauszuhalten liegt jedoch sicherlich im Interesse der Clubführung.