Ravensburg Towerstars – Mit kaum veränderten Team wieder oben mitspielen
Ravensburg gehörte in den vergangenen Jahren zu den Konstanten der DEL2. Vizemeister 2022, Meisterschaft 2023, Viertelfinale 2024, Vizemeister 2025, ehe 2026 mal wieder im Viertelfinale Schluss war. Oberschwaben wird hier im sportlichen Bereich offenabr ernst genommen und der Anspruch bleibt unverändert hoch: Die Towerstars wollen nicht einfach nur zu den Playoff-Teams gehören, sondern erneut um die Meisterschaft mitspielen.
Coach Bo Subr ist allerdings zum Ligakonkurrenten Dresden gewechselt, so dass an erste Stelle die Trainersuche begann. Hier wurde man mit dem Schwede Johan Pennerborn fündig, der unter anderem bei Färjestad, den Graz 99ers und zuletzt in Finnland hinter der Bande stand. Seine Herausforderung dürfte darin liegen, eine Mannschaft, die bereits funktioniert, noch ein Stück besser zu machen, denn viel Veränderung gab es bei den Tower Stars nicht.
Kapitän Robbie Czarnik bleibt in der Puzzlestadt und geht bereits in seine achte Saison bei den Towerstars. Der US-Amerikaner hat sich längst zu einer Identifikationsfigur entwickelt und kam vergangene Saison auf 58 Punkte, anschließend legte er in sieben Playoffspielen noch acht weitere auf. Czarnik ist damit weit mehr als nur ein guter Scorer, er kennt den Verein, die Liga und das Umfeld und ist nicht zuletzt durch seine aus der Region stammende Frau, welche zur Weltspitze beim Eiskunstlauf gehört, mittlerweile tief verwurzelt. Auch Mark Rassell spielte seine erste DEL2-Saison für Ravensburg und entwickelte sich prompt zu einem der gefährlichsten Torjäger der Liga. 38 Tore und 62 Punkte standen nach der Hauptrunde zu Buche, der Kanadier läuft in der kommenden Saison als deutscher Spieler auf. Neben den beiden bleiben den Tower Stars zahlreiche Leistungsträger erhalten, Ilya Sharipov steht weiter im Tor, Simon Sezemsky geht ebenfalls in seine achte Saison. Auch Florin Ketterer bleibt und startet in sein sechstes Jahr, ebenso wie Louis Latta. Diese Konstanten sind gute Beispiele für die Ravensburger Philosophie, möglichst immer Identifikationsfiguren und den Kern halten, die Mannschaft rundherum gezielt verstärken.
Das sollen unter anderem bei den Kontingentspielern Matt Fonteyne und Matthew Struthers richten, beide kommen vom schwedischen Zweitligisten HC Kalmar nach Ravensburg, kennen sich aus den vergangenen zwei Jahren und haben gezeigt, dass sie miteinander funktionieren. Der 28-jährige Center Fonteyne bringt 44 AHL-Spiele mit und spielte anschließend in der Schweiz und Schweden. Er wird als schneller, vielseitiger Angreifer beschrieben, der nicht nur über seine Technik kommt, sondern auch Führungsqualitäten besitzt. Matthew Struthers ist mit 1,88 Metern und 93 Kilogramm eine ganz andere Erscheinung. Der Power-Forward bringt ebenfalls AHL-Erfahrung mit und erzielte in seinen beiden Jahren in Kalmar 63 Punkte in 92 Spielen. Dabei gilt er als vielseitiger Zwei-Wege-Stürmer.
Ravensburg ist damit eine der ausgeglichensten Mannschaften der Liga, der Kern ist erfahren und eingespielt, gleichzeitig wurde gezielt nachgebessert. Dazu kommt mit Pennerborn ein Trainer, der auf höchstem europäischen Niveau gearbeitet hat. Der muss allerdings zeigen, dass seine Ideen zu einer Mannschaft passen, die bereits hohe Erwartungen an sich selbst stellt. Die Oberschwaben werden wieder oben angreifen, das Team gehört einmal mehr zu den Mannschaften, die ganz oben angreifen können.
Dresdner Eislöwen – Mit Toptransfers schnell wieder hoch in die DEL
Der Abstieg aus der PENNY DEL dürfte bei den Dresdner Eislöwen noch immer schmerzen. Nur sechs Siege aus 52 Hauptrundenspielen und insgesamt 26 Punkte bedeuteten am Ende den letzten Tabellenplatz. Besonders die Defensive offenbarte im Oberhaus große Probleme: 221 Gegentore waren der mit Abstand schlechteste Wert der Liga. Doch Dresden hat auf den Abstieg eine klare Antwort gegeben. Statt den Kader komplett neu aufzubauen, wurde ein großer Teil der Mannschaft gezielt verändert und mit Spielern verstärkt, die bereits bewiesen haben, dass sie in Deutschland auf hohem Niveau funktionieren. Und dann kam der Transfer, der spätestens Anfang Mai für ein erstes großes Ausrufezeichen sorgte: Mit Tylor und Tyson Spink wechselte gleich ein komplettes, seit Jahren eingespieltes Brüderpaar aus der DEL nach Dresden. Beide haben jeweils fast 300 DEL-Spiele absolviert und gehören damit zu den namhaftesten Verpflichtungen der gesamten DEL2.
Nach dem Abstieg war die Ausgangslage zunächst schwierig. Zahlreiche Spieler verließen Dresden, darunter Kapitän Niklas Postel, Matthias Pischoff, Rourke Chartier sowie Torhüter Jussi Olkinuora. Gleichzeitig gelang es den Eislöwen, wichtige Eckpfeiler zu halten. Dazu gehören unter anderem Dane Fox, Drew LeBlanc, Tomas Sykora, Adam Helewka, Sebastian Gorcik sowie die Verteidiger Simon Karlsson und Oliver Granz. Gerade die beiden Letztgenannten sorgen für wichtige Kontinuität in der Defensive. Karlsson geht bereits in seine sechste Saison in Dresden, Granz in seine dritte.
Im Tor bleibt Janick Schwendener erhalten. Mit Fabian Hegmann wurde ihm ein interessanter Konkurrent zur Seite gestellt, der 25-Jährige kommt aus Freiburg und zeigte gerade in den Playdowns der vergangenen Saison starke Leistungen. Dort lag seine Fangquote bei knapp 91 Prozent. Als dritter Torhüter ist Nachwuchsmann Marvin Berbner vorgesehen. Damit ist Dresden zwischen den Pfosten für DEL2-Verhältnisse sehr ordentlich aufgestellt.
In der Defensive holten die Eislöwen nach dem Abstieg neben den in der Elbestadt gehaltenen Verteidigern mit Gregory Kreutzer und dessen 85 Spielen in der PENNY DEL für Bremerhaven und 194 DEL2-Partien für unsere Eispiraten erstaunlich viel Erfahrung. Interessant wird zudem sein, wie sich Ivan Komirist entwickelt. Der inzwischen 18-Jährige, der in der vergangenen Saison sein DEL-Debüt gefeiert hat, erhält nun einen festen Platz im Profikader und gehört zu den vier U21-Förderspielern der neuen Saison. Der 20-jährige Verteidiger Jacob Ficenec erhält für 2026/27 eine Förderlizenz für die IceFighters Leipzig. Dadurch kann er sowohl DEL2 als auch Oberliga spielen. Interessant ist auch, dass Ficenec als Rechtsschütze auf der Verteidigerposition spielt. Gerade junge deutsche Rechtsschützen sind auf diesem Niveau nicht gerade im Überfluss vorhanden. Der 31-jährige Kanadier Ryan MacKinnon kommt von den Black Wings Linz aus der ICE Hockey League nach Dresden und bringt damit Erfahrung aus einer starken europäischen Liga mit. In Linz gehörte der vielseitige Verteidiger zum festen Bestandteil der Mannschaft und sammelte wertvolle Erfahrung auf internationalem Niveau.
Im Sturm prägen allein die beiden Namen Tylor und Tyson Spink die Bewertung des Dresdner Kaders. Die 33-jährigen kanadischen Zwillinge spielten sechs Jahre gemeinsam bei den Schwenninger Wild Wings und waren dort über lange Zeit feste Größen in der DEL. Tyson Spink brachte es bislang auf 282 DEL-Spiele mit 109 Toren und 96 Vorlagen. Tylor kommt sogar auf 292 Einsätze mit 71 Treffern und 136 Assists. Das Bemerkenswerte ist dabei nicht nur die individuelle Qualität. Die beiden spielen seit Jahren zusammen und kennen die Laufwege des jeweils anderen beinahe blind. Für eine Mannschaft, die nach dem Abstieg möglichst schnell wieder nach oben möchte, ist das ein Luxus. In Dresden wird man deshalb erwarten dürfen, dass die Spink-Zwillinge zu den produktivsten Spielern der gesamten Liga gehören. Alle weiteren Neuzugänge befinden sich daher eher im Schatten dieses Toptransfers, haben aber dennoch Erwähnungspotenzial. Unteranderem die Verpflichtung von Alec Ahlroth, der in seiner ersten DEL2-Saison bei den Kassel Huskies die Auszeichnung als Rookie des Jahres erhielt. In 199 DEL2-Spielen für Kassel sammelte Ahlroth 103 Punkte. Nach seinem Wechsel zu den Ravensburg Towerstars kam er in der vergangenen Saison in 43 Spielen auf 24 Punkte, darunter 13 Tore.
Letztlich ist auch Bo Šubr für Dresden ein wichtiger Faktor, der Tscheche kennt die DEL2 aus seiner Zeit in Ravensburg und führte die Towerstars bis ins Finale. Nun steht er vor einer völlig anderen Aufgabe. In Ravensburg musste er mit einer Mannschaft arbeiten, die nicht zwangsläufig zu den großen Favoriten gehörte., in Dresden wird von Beginn an etwas anderes erwartet, hier reicht eine gute Saison nicht und letztlich zählt nur der Aufstieg.
Die Eislöwen gehen damit als großer Favorit in die neue DEL2-Saison. Allein die Spink-Zwillinge werden polarisieren, der Kader vereint Erfahrung, Qualität und Entwicklungspotenzial. Allerdings muss auch diese Mannschaft erst einmal zusammen finden. Vieles spricht für eine dominante Hauptrunde – doch der eigentliche Prüfstein kommt erst in den Playoffs. Denn nach dem Abstieg zählt für Dresden am Ende nur eines: Die direkte Rückkehr in die DEL.