EHC Freiburg – Kann ein junger Coach eine erfahrene Mannschaft führen?

Viel hat nicht gefehlt und der EHC Freiburg wäre in der vergangenen Saison erneut in eine unangenehme Situation geraten. Platz elf nach der Hauptrunde bedeutete den Gang in die Playdowns. Dort behielten die Wölfe gegen den ESV Kaufbeuren allerdings die Nerven und sicherten sich mit einem souveränen 4:0-Seriensieg den Klassenerhalt. Damit ist die vergangene Saison abgehakt – und in Freiburg soll es 2026/27 wieder ein Stück weiter nach oben gehen.

Dafür wurde der Kader gezielt verändert, jedoch die Leistungsträger wie der Schwede Fabian Ilestedt, Christoph Kiefersauer und Alexander de los Rios konnten gehalten werden und ja, die beiden Inventarfiguren Freiburgs Christian Billich und Nikolas Linsenmaier spielen natürlich auch weiter im Breisgau. Der kurz vor Transferschluss aus der ECHL nach Freiburg gewechselte Lynden McCallum schlug sofort ein und in nur 14 Hauptrundenspielen erzielte der Kanadier zehn Tore und insgesamt 16 Punkte. Dass Freiburg ihn trotz anderer Angebote halten konnte, ist ein wichtiger Baustein der Kaderplanung für den neuen Trainer an der Bande Johannes Nygård. Der erst 32 Jahre junge Finne war zuvor 3 Jahre bei den Pionieers Vorarlberg als Assistenzcoach tätig. Als Spieler war er nicht im Profigeschäft aktiv.

Eine der wichtigsten Veränderungen gibt es zwischen den Pfosten. Das bisherige Duo Patrick Cerveny / Fabian Hegmann konnte mit dem Deutsch-Kanadier Olafr Schmidt und Christian Schneider asäquat ersetzt werden. Beide kennen die DEL2 bestens und bringen viel Spielerfahrung in der Liga mit.

Mit Tim Sezemsky zieht es einen junger Verteidiger von den Lausitzer Füchsen wieder zurück in den Süden von Deutschland, der 24-Jährige hat bereits reichlich DEL2-Erfahrung in Ravensburg gesammelt und gilt als moderner Zwei-Wege-Verteidiger. Seine läuferischen Fähigkeiten und sein ruhiger Spielaufbau sollen der Freiburger Defensive mehr Stabilität verleihen. Mit Dylan Plouffe aus Landshut, Spencer Berry aus Heilbronn und Simon Gnyp aus Bad Nauheim holten die Verantwortlichen viel DEL 2 Erfahrung in die Verteidigung.

Letzterer ist nicht der Einzige aus Bad Nauheim, einer der auffälligsten Transfers ist die Rückkehr von Parker Bowles. Der Kanadier kennt Freiburg bereits und kehrt nach zwei Jahren bei den Hessen ins Breisgau zurück. In seiner ersten Freiburger Saison war Bowles mit 56 Punkten Topscorer der Wölfe. Auch in Bad Nauheim bestätigte er seine offensive Qualität. In Freiburg hofft man, dass Bowles an seine erste Zeit bei den Wölfen anknüpft. Mit Cole Gallant hat Freiburg seine letzte Importstelle besetzt, der 28-jährige Kanadier kommt wie Coach Nygård von den Pioneers Vorarlberg und bringt Erfahrung aus ECHL und ICEHL mit. Er gilt als laufstarker und vielseitiger Angreifer, der sowohl offensiv als auch gegen den Puck arbeiten kann. Die Wölfe setzen weiterhin auch auf die eigene Nachwuchsarbeit. Die Eigengewächse Fynn Ludwig und Lukas Steinhauser wurden mit Förderverträgen ausgestattet. Besonders Ludwig ist eine Personalie, die man im Auge behalten sollte: Der 16-Jährige kam in der U20 auf 55 Scorerpunkte in 41 Spielen und sammelte bereits erste DEL2-Erfahrungen. Beide werden vermutlich noch keine tragenden Rollen übernehmen, aber genau solche Talente können im Laufe einer langen Saison plötzlich wichtig werden.

Freiburg wird auch 2026/27 kein Spitzenteam sein. Aber wer den Wölfen die Möglichkeit abspricht, sich vom unmittelbaren Abstiegsrängenfern zu halten, würde das Team immens unterschätzten. Ein großes Fragezeichen bleibt die offensive Tiefe. Freiburg hat einige gute Einzelspieler, muss aber zeigen, dass daraus über vier Reihen hinweg genügend Torgefahr entsteht. In der vergangenen Saison erzielten die Wölfe lediglich 134 Treffer und erst mit der Nachverpflichtung von McCallum wurde diese maue Bilanz etwas ausgebessert. Wenn Bowles, McCallum und Ilestedt regelmäßig treffen und die zweite Reihe ebenfalls produziert, kann Freiburg deutlich stabiler auftreten. Außerdem muss sich erst zeigen, wie schnell die Mannschaft die Spielidee des neuen Trainers verinnerlicht, nicht ohne ein Augenmerk darauf zu legen, ob eine erfahrene Mannschaft die Vorgaben eines Trainers akzeptiert, der selbst kaum älter ist als manche seiner Spieler und ihnen aus eigener Erfahrung nicht erzählen kann, wie es sich anfühlt, 50 oder 60 Profispiele in einer Saison zu bestreiten.

SC Steelers Bietigheim-Bissingen: Mutiges Experiment auf Goalieposition

Die Bietigheim Steelers haben in der vergangenen Saison eines der bemerkenswertesten Comebacks der vergangenen Jahre hingelegt, nach einem katastrophalen Saisonstart stand die Mannschaft zunächst abgeschlagen am Tabellenende, kämpfte sich anschließend Spiel für Spiel zurück und erreichte am Ende tatsächlich das Halbfinale der Playoffs. Dort war gegen Kassel Endstation, wenngleich die Serie mit etwas mehr Glück sogar beinahe noch der Finaleinzug gekrönt worden wäre.

Nun soll dieser Aufschwung bestätigt werden allerdings geht Bietigheim mit einem neuen Cheftrainer in die Saison. Tim Kehler übernimmt, während Boris Blank als Co-Trainer erhalten bleibt. Blank kennt Mannschaft und Umfeld bestens und bringt zudem die Erfahrung aus mehr als 900 DEL-Spielen mit. Mit Tim Kehler kommt ein Trainer nach Bietigheim, der für eine klare Struktur und modernes Eishockey steht und seine Vita liest sich nicht schlecht: Seit 2014 ist er in Europa als Headcoach (Frankfurt, Kassel, Ravensburg) oder Assistenzcoach (Schwenningen, Salzburg) aktiv.

Auf der Torhüterposition geht Bietigheim einen deutlich anderen Weg als viele Konkurrenten in der Liga. Mit Dean Döge, Keanu Salmik und Cedric Nachtmann stehen drei sehr junge deutsche Torhüter im aktuellen Kader. Döge ist Jahrgang 2005, Salmik ebenfalls 2005, der in die Fußstapfen seines Vaters Markus tretende Cedric Nachtmann sogar erst 2008. Ob dieser mutige Schritt mit einer derart jungen Torhüterriege allerdings schon über eine komplette DEL2-Saison hinweg konstant genug ist, gehört zu den größten Fragezeichen des Kaders.

In der Abwehr sieht die Mischung etwas anders aus – das muss es aber auch, denn um junge Goalies nicht zu verheizen, braucht es eine sattelfeste Abwehr. Tim Schüle, Mick Hochreither und Arne Uplegger haben bereits in der abgelaufenen Saison bewiesen, dass sie wichtige Führungsrollen übernehmen können. Ebenso wie der aus Krefeld verpflichtete Steven Raabe oder Tim Bender aus Kassel. Gerade Bender ist ein Neuzugang, der durchaus mehr als nur Ergänzung sein könnte. Seine Entscheidung für Bietigheim begründete er unter anderem mit dem Kampfgeist und der Entwicklung, die die Steelers in der vergangenen Saison gezeigt haben.

Im Angriff bleibt Jack Dugan ein ganz wichtiger Baustein, der US-Amerikaner gehört zu den Spielern, die in der vergangenen Saison maßgeblichen Anteil am Bietigheimer Aufschwung hatten. Seine Kreativität und seine Fähigkeit, offensiv den Unterschied zu machen, werden auch 2026/27 gefragt sein. Mit Cole Fonstad bleibt zudem ein weiterer Kontingentspieler erhalten, der für offensive Produktion sorgen soll. Auch Marek Racuk gehört zu den Kontingentspielern und dürfte erneut mit seiner sehr körperlichen Spielweise eine wichtige Rolle einnehmen. Etwas wehmütig werden die Eispiratenfans sein, wenn sie Justin Büsing nun im gegnerischen Trikot auflaufen sehen müssen. Der 23-Jährige sammelte er in den vergangenen drei Jahren vor allem bei den Eispiraten reichlich Erfahrung und kam gleichzeitig auch regelmäßig in der PENNY DEL zum Einsatz. Der junge Kanadier Nolan Ritchie ist ebenfalls neu im Bietigheimer Kader und soll Verantwortung in der Offensive übernehmen. Er gehört zu den Spielern, bei denen man noch nicht sicher sagen kann, wie groß der Einfluss in der DEL2 tatsächlich sein wird, sollte er schneller einschlagen als erwartet, bekommt Bietigheim zusätzliche Tiefe im Angriff.

Die Steeler sind eines der Teams, bei denen man sich schwer festlegen kann. Der Halbfinaleinzug der vergangenen Saison war kein Zufallsprodukt, die Mannschaft hat nach dem miserablen Start enormen Charakter gezeigt und sich bis in die Spitzengruppe zurückgekämpft. Allerdings ist auch die Konkurrenz stärker geworden und Bietigheim geht mit einem neuen Cheftrainer sowie einer sehr jungen Torhütergruppe in die Saison, was ein riskanter Ansatz sein kann. Sollte sich einer der Goalies früh als klare Nummer eins etablieren, kann das hervorragend funktionieren, andererseits sollte dagegen keiner die nötige Konstanz entwickeln, könnte man im Ellental auf der wichtigsten Position Probleme bekommen.